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Meinung

Nervig, hässlich, gefährlich: Die E-Scooter-Plage: Wer mit diesen Dingern fährt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren

Seit gut einem Monat sind E-Scooter auf deutschen Straßen zugelassen. Unser Autor zieht eine erste Bilanz und findet: Die Roller sind in jeder Hinsicht eine Vollkatastrophe.

Erst seit ein paar Wochen rollen die E-Scooter auch hierzulande durch die Städte, und sind wir mal ehrlich: Es ist alles noch viel, viel schlimmer als wir befürchtet hatten. Die Roller haben die Straßen vom Start weg befallen wie eine Insektenplage. Was im letzten Jahr die Wespen waren, sind in diesem Sommer die E-Scooter.

Für Karl Lagerfeld waren es einst die Jogginghosenträger, die jegliche Kontrolle über ihr Leben verloren haben – 2019 sind es alle Menschen, die sich auf eines dieser minderbemittelten Fahrzeuge stellen, am besten betrunken und zu zweit, weil: witzig. 

Die E-Scooter stehen gefühlt überall herum

Allein: Witzig ist wirklich nichts an den Dingern. Uns fallen da spontan eher andere Attribute ein, zum Beispiel: nervig. Denn gefühlt stehen die E-Scooter seit dem ersten Tag ihrer ärgerlichen Existenz einfach überall herum, ob auf dem Gehweg oder auf der Wiese.

E-Scooter

Mann auf E-Scooter in Köln: Bereits im ersten Monat ist es zu einigen Unfällen auf Straßen und Gehwegen gekommen

Sie verderben das Stadtbild nachhaltig, sind sie doch auch: verdammt hässlich. Und zwar nicht nur, wenn sie führerlos in der Gegend herumstehen, nein, sie verfügen auch über die seltene Fähigkeit, ihre Widerlichkeit auf den jeweiligen Fahrer abzufärben.

Das gilt übrigens insbesondere für Männer, deshalb hiermit ein gut gemeinter Hinweis an alle Dudes im Hipster-Viertel: Ihr seht aus wie unsportliche Trottel, wenn ihr auf diesen Rollern steht. Echt jetzt. Fahrt lieber Fahrrad oder geht zu Fuß.

Ist auch viel sicherer, schließlich sind E-Scooter nicht zuletzt, sondern vor allem: ganz schön gefährlich. Laut Stichproben der Verbraucherschutzbehörde erfüllen viele der Scooter, die zum Beispiel seit Januar im Hamburger Hafen angekommen sind, nicht die gesetzlichen Vorschriften. Von knapp 1.800 kontrollierten Rollern hatten nur gut 300 das notwendige Siegel, um für den Straßenverkehr zugelassen zu werden.

Auch Verkehrssicherheitsrat und ADAC haben in einer ersten Bilanz bereits Kritik geäußert: Es müsste eine bessere Sicherheitsaufklärung stattfinden, da es bereits im ersten Monat zu einigen Unfällen auf Straßen und Gehwegen gekommen sei. Es drohe sonst ein "Chaos".

Das Chaos ist nicht nah, es ist schon da

Und das ist vielleicht der mysteriöseste Aspekt an dem ganzen E-Scooter-Quatsch: Ausgerechnet in einem hochreglementierten Land wie Deutschland, in dem nicht zuletzt auf den Straßen normalerweise nichts dem Zufall überlassen wird, gewährt man dem Verkehrsteilnehmer mit seinem Roller die völlig freie Fahrt.

Entsprechend überfordert sieht er seitdem häufig aus bei der Steuerung des Gefährts, nicht nur rein motorisch, sondern auch bei der Suche auf die Antwort nach der Frage, ob er denn nun auf dem Radweg, auf der Straße, oder doch lieber auf dem Gehweg fahren sollte. Schließlich könnte schon eine kleine Unebenheit im Asphalt aufgrund der Beschaffenheit der E-Scooter zu schweren Unfällen führen.

Das Chaos ist also nicht nur nah, wie vom Verkehrssicherheitsrat vermutet, sondern im Grunde genommen schon da. Aber es scheint, als brauche es erst einen medienwirksamen Totalschaden wie den tödlichen Crash der Influencerin Emily Hartridge am vergangenen Wochenende in London, bis sich irgendjemand ernsthaft mit dieser katastrophalen Innovation auseinandersetzt.

Jan Böhmermann malt sich in der aktuellen Folge seines Podcasts "Fest & Flauschig" aus, wie es wohl wäre, wenn wir die Dinger alle in die Spree werfen würden (Anm. d. Red.: Oder wahlweise in einen anderen Fluss in deiner Nähe). Leicht genug sind sie ja. Der Moderator will dazu natürlich nicht aufrufen. Und wir auch nicht. Aber man wird ja noch träumen dürfen ...

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