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Handykonsum: Phubbing: Warum deine Beziehungen unter deiner Handysucht leiden

Einmal kurz das Handy rausholen und eine Nachricht schreiben, während jemand anderes doof daneben sitzt – das Phänomen nennt sich Phubbing. Was genau versteckt sich hinter dem Begriff? Und welche Konsequenzen kann es haben, wenn man nur aufs Handy starrt?

Von Sara Tavakoli

Frauen, die ihr Handy schauen während eine andere Frau sie dabei beobachtet

Wenn deine Freunde ewig auf ihre Handys starren, statt sich mit dir zu unterhalten, bist du wohl Opfer von Phubbing geworden

Pexels

Ein klassisches Szenario, wenn ich mit Freunden etwas essen gehe: Kaum hat man sich an den Tisch gesetzt, werden auch die meisten Handys ausgepackt und auf den Tisch gelegt. Nun wissen die meisten ja, dass es unhöflich ist, auf das Handy zu starren, wenn man mit anderen Menschen am Tisch sitzt und sich unterhält. Also versuchen alle das Smartphone weitgehend zu ignorieren und nur ab und an auf den Bildschirm zu schielen. Trotz aller Bemühungen kommt es nicht selten vor, dass der ein oder andere doch mal eben kurz in die Welt von WhatsApp, Instagram oder Facebook abtaucht. Wirklich unangenehm ist es dann, wenn man nur zu zweit ist und sich einer von beiden viel zu häufig viel zu lange mit seinem Smartphone beschäftigt. Dann sitzt man einfach ein bisschen doof daneben. Das Phänomen ist so weit verbreitet, dass es sogar einen Namen hat: "Phubbing“ nennt sich das Ganze nämlich.

Was bedeutet Phubbing genau?

Phubbing ist ein englisches Wort, das sich aus den Begriffen "phone" und "snubbing“ zusammensetzt. Snubbing bedeutet, jemanden vor den Kopf zu stoßen – und genau das tut man beim Phubbing nämlich: Anstatt sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren, schenkt man seine Aufmerksamkeit lieber seinem Smartphone. Die meisten haben das bestimmt schon persönlich erlebt: Man unterhält sich mit einer anderen Person, hört das typische Nachrichten-Klingeln, packt direkt das Smartphone aus und liest gedankenverloren ein paar Sekunden, bis man merkt, dass der andere geduldig darauf wartet, das Gespräch fortsetzen zu können.  Mit "oh sorry, ich muss gerade ganz kurz antworten“ wird das eigene Verhalten kurz entschuldigt. Manchmal ist man selbst der "Phubber", der das Smartphone dem persönlichen Gespräch vorzieht, und manchmal ist man derjenige, der "gephubbed“ wird.

Ein Leben ohne Smartphone kann ich mir nicht mehr vorstellen

Ich bin selbst viel zu häufig Phubber: Mein Handy habe ich immer dabei – ob in der Uni, beim Sport, beim Einkaufen oder beim Treffen mit Freunden. Die meiste Zeit davon bin ich erreichbar und in der Regel antworte ich auch ziemlich schnell auf Nachrichten, egal ob ich gerade mit jemanden zusammensitze oder alleine bin. Mit diesem Gefühl der Handy-Abhängigkeit bin ich sicherlich nicht allein – eine aktuelle Bitkom-Umfrage ergab, dass sich 73 Prozent der Befragten ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen können. Zwar empfinden knapp 90 Prozent der Befragten Smartphones als große Erleichterung im Alltag, allerdings beklagen auch acht von zehn, dass Menschen durch die zunehmende Smartphone-Nutzung immer weniger miteinander reden würden.

Wie Phubbing zu Depressionen führen kann

Dass es beim Smartphone – dem ständigen Begleiter – dazu kommen kann, dass man ihm häufiger am Tag seine Aufmerksamkeit schenkt, obwohl man von anderen Menschen umgeben ist, ist also wenig überraschend. Allerdings sollte einem bewusst sein, dass Phubbing auch Konsequenzen hat: Das Phänomen ist nämlich nicht nur unhöflich, sondern löst sogar Gefühle aus, die negative Auswirkungen auf Beziehungen und die Gesundheit haben – das geht aus einer Studie der Baylor University aus dem Jahr 2015 hervor. Die Forscher fanden heraus, dass es in Partnerschaften häufiger zu Konflikten kommt, wenn einer das Gefühl hat, dass der andere in seinem Beisein häufig aufs Smartphone starrt. Das würde zu einer Unzufriedenheit in der Beziehung und sogar einer generellen Unzufriedenheit im Leben führen. Etwa ein Drittel der 145 erwachsenen Befragten gaben zudem an, häufig deprimiert zu sein, was als Resultat der Unzufriedenheit hervorgehen kann. Dabei empfanden es die Personen, die sich selbst als Opfer von Phubbing sahen, bereits als beleidigend, wenn der Partner das Handy so platziert, dass er es die ganze Zeit im Blick hat.

Digital Detox gegen Phubbing

Beim nächsten Mal, wenn ich mit Freunden zum Essen verabredet bin, lasse ich mein Handy einfach mal in meiner Tasche. Ein bisschen Digital Detox im Alltag kann sowieso nicht schaden: Die Push-Benachrichtigungen abstellen, den Flugmodus einschalten oder das Handy einfach mal zu Hause lassen und den Abend mit meinen Freunden ganz ohne Smartphone genießen.