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Digitale Entgiftung : Digital Detox: neun Dinge, die ich tue, wenn ich die Nase voll habe von meinem Handy

Nach dem Aufwachen als erstes und vor dem Schlafengehen als letztes das Handy in die Hand. Ab und zu hat unsere Autorin die Nase voll von ihrem ständigen Begleiter und macht Digital Detox – Urlaub vom Smartphone. Neun Tipps, die auch euch bei eurer digitalen Entgiftung helfen können. 

Von Sara Tavakoli

Nahaufnahme von vielen Händen, die Smartphones in der Hand halten

Für ein bisschen Digital Detox im Alltag versuche ich auf längeren Zugfahrten mein Handy in der Tasche zu lassen und stattdessen etwas zu lesen

Unsplash

Gestern habe ich mein Handy 83 Mal entsperrt, 56 Minuten auf Instagram verbracht, 51 WhatsApp-Nachrichten empfangen und sechs Mal telefoniert. Zwischendurch habe ich noch gegoogelt, Podcasts und Musik gehört, einen Wecker gestellt, Termine in meinem Kalender eingestellt und nach dem Weg geschaut.

Zu meiner Verteidigung: Ich hatte den halben Tag frei. An Tagen, an denen ich arbeite, in der Uni bin oder viel zu tun habe, ist meine Handy-Nutzung nicht ganz so krass. Und dennoch – egal wie ich es drehe und wende – ist klar: Ohne mein Smartphone bin ich aufgeschmissen. Zumindest glaube ich, dass ich das bin. Manchmal macht mich mein eigenes Verhalten wahnsinnig und ich möchte mein Smartphone am liebsten irgendwo ganz tief vergraben und mir ein altes Handy kaufen, mit dem ich nur noch telefonieren und SMS schreiben kann und in sehr verzweifelten Momenten höchstens noch Snake spielen kann. So mutig war ich bisher noch nicht, aber zumindest mache ich ab und zu Digital Detox und greife auf die folgenden Tricks zurück, um mir eine Auszeit vom Handy zu nehmen. 

1. Handy aus dem Schlafzimmer verbannen

Zwischen 22 und 7 Uhr kriege ich sehr selten wirklich wichtige Nachrichten. Also hat mein Handy eigentlich auch nichts in meinem Schlafzimmer zu suchen. Manchmal mache ich nachts einfach das Internet aus, lasse das Handy laut und lege es in die Küche. So höre ich es klingeln, falls jemand anruft und bin erreichbar, falls etwas wirklich Wichtiges sein sollte. iPhone-Nutzer können auch auf die handyinterne Funktion zugreifen und eine "Schlafenszeit" einrichten: Dann geht das Handy automatisch in einen Schlaf-Modus, in dem keine Nachrichten mehr empfangen werden.  

2. Wecker kaufen

Es gab Zeiten, da war das nicht Digital Detox, sondern ganz normal ohne Smartphone morgens pünktlich aufzu wachen. Das Geheimnis: ein stinknormaler Wecker. Wenn man es mit der digitalen Entgiftung nicht ganz so ernst nimmt, kann man sich auch einen digitalen Wecker zulegen, der einen etwas sanfter, zum Beispiel mit Radiomusik, aus dem Schlaf holt.

3. Handy-Pausen einlegen oder Zeitlimits setzen

Es gibt Apps, die den Bildschirm für eine gewisse Zeit sperren und beim Digital Detox behilflich sind. Bei Forest beispielsweise kann man während dieser Zeit beobachten, wie auf dem Bildschirm ein Baum wächst. Greift man zum Handy, stirbt der Baum. Und tatsächlich ist da irgendwie eine Hemmung, die App zu unterbrechen und den Baum sterben zu lassen und so greife ich viel seltener zum Smartphone. Was auch häufig hilft: Ich habe auf meinem Handy eingestellt, dass ich am Tag nur 30 Minuten auf soziale Netzwerke zugreifen kann. Wenn die Zeit um ist, wird die App in eine Art Pause versetzt und ich kriege keine Benachrichtigungen mehr. Das Zeitlimit kann man allerdings jederzeit aufheben, daher muss ich zu meinem Handy-Urlaub manchmal gezwungen werden, was mich zum nächsten Tipp führt.

4. Apps (zeitweise) löschen

Ein Zeitlimit für Instagram einzustellen hat zu Beginn zwar geholfen, nicht mehr ganz so lange auf der App zu verweilen, aber nach einer gewissen Zeit habe ich das Limit ständig ignoriert. Das hat dazu geführt, dass ich entschieden habe, die App zu deaktivieren. Einen Monat lang war ich für andere unsichtbar und ich konnte nicht mehr Gott und die Welt stalken. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der sehr viel Zeit auf dieser App verbringt. Es hat nicht nur gut getan, weniger Zeit am Handy zu verbringen, sondern auch auf die täglichen Eindrücke von Modelfiguren, Urlaubszielen, Essensfotos, Sporttipps etc. zu verzichten. Entgiftung pur.

5. Push-Benachrichtigungen ausschalten

Wenn ständig das Handy klingelt und Push-Benachrichtigungen von allen möglichen Apps kommen, ist man quasi gezwungen, aufs Smartphone zu schauen. Bei einer Nachrichten-App habe ich die Push-Nachrichten noch aktiviert, aber sonst habe ich sie überall ausgeschaltet. Früher hat es mich gestresst, wenn ich eine neue Nachricht erhalten habe, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste auch sofort darauf antworten. Ohne die Push-Benachrichtigungen bin ich viel entspannter und habe nicht das Gefühl, 24/7 erreichbar sein zu müssen. Wenn du darauf nicht komplett verzichten möchtest, zum Beispiel bei WhatsApp, kann es auch schon helfen, Gruppenbenachrichtigungen oder den Ton auszuschalten. So kann man auf dem Bildschirm direkt sehen, wenn jemand geschrieben hat, aber wird wenigstens nicht die ganze Zeit durch ein Klingeln darauf aufmerksam gemacht.

6. Ein Mal die Woche im Flugmodus 

Versuche, dir an einem Tag der Woche vorzunehmen, den Flugmodus einzustellen – so wirst du nicht ständig bombardiert mit Nachrichten oder Anrufen. An solchen Tagen höre ich Musik oder Podcasts, die ich schon runtergeladen habe und offline hören kann. Mein Handy habe ich dann zwar dabei, falls etwas Wichtiges sein sollte, aber die Überwindung ist größer, den Modus einfach auszuschalten. Dann nehme ich nicht ständig mein Handy in die Hand, um etwas zu googeln, nach dem Weg oder Wetter zu schauen und durch Instagram zu scrollen. 

7. Alternativen zum Handy suchen

Häufig schaue ich zur Überbrückung der Zeit aufs Handy: Wenn ich beispielsweise auf jemanden warte, neige ich dazu, mich mit irgendwelchen Dingen auf dem Handy abzulenken. Oder in der Bahn: Da brauche ich nur einmal den Kopf zu heben, um zu merken, dass ich nicht die Einzige bin, die ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich dem Handy schenkt. Bei längeren Bahnfahrten denke ich jetzt meistens daran, mir ein Buch mitzunehmen. Um mich selbst ein wenig zu motivieren und mein Smartphone auch wirklich in der Tasche zu lassen, erlege ich mir manchmal kleine Challenges auf – zum Beispiel, dass ich jeden Tag mindestens 30 Minuten lese.

8. Smartphone und Laptop häufiger mal Zuhause lassen

Bei einem kurzen Urlaub dieses Jahr habe ich mein Handy drei Tage lang einfach Zuhause gelassen. Ein paar Menschen aus meinem Umfeld habe ich vorher Bescheid gesagt, damit sich niemand Sorgen macht. Nach den drei Tagen habe ich mich irgendwie anders gefühlt als nach einem normalen Urlaub: Mein Kopf war viel freier und ich war so richtig tiefenentspannt. Ich versuche das jetzt häufiger zu machen und wirklich zu 100 Prozent abzuschalten. Auch im Alltag kann man versuchen, das Handy häufiger zu Hause zu lassen, denn wenn man mal ehrlich ist: Die Einkaufsliste kann man sich auch auf ein Stück Papier schreiben, den Weg zum Friseur findet man meistens auch ohne das Handy und wenn man sich unsicher ist, wann der Bus kommt, wartet man eben ein paar Minuten länger.

9. Analogkamera statt Handykamera

Was mich häufig daran hindert, mein Handy einfach Zuhause zu lassen, ist dass ich ausgerechnet dann Fotos machen möchte. Besonders im Urlaub möchte ich mein Handy nicht ständig dabeihaben, aber dann eben doch ständig Fotos machen. Für solche Situationen (und auch sonst) habe ich erst Einwegkameras für mich entdeckt, und mir dann relativ schnell eine alte analoge Kamera vom Flohmarkt gekauft. Damit schlägt man direkt zwei Fliegen mit einer Klatsche: Nicht nur Digital Detox, sondern auch direkt entwickelte Fotos, die nicht für ewig in den Tiefen der 2393 Bilder auf dem Handy verschwinden.