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Depressionen: Wenn die antriebslose Phase schon länger dauert: Woran erkennt man Depressionen?

Es gibt Phasen, in denen man unzufrieden ist, in denen Dinge nicht so laufen, in denen einem irgendwie bei allem ein bisschen der Antrieb fehlt. Wann sind das bereits Anzeichen für eine Depression? Woran du das bei dir selbst oder Angehörigen erkennen – und wie du damit umgehen kannst. 

Von Sara Tavakoli

Woran erkennt man Depressionen? Frau steht traurig am Fenster

Du hast schon länger eine Phase, in der du unglücklich bist? Woran erkennst du, dass es sich dabei um Depressionen handelt – und was kannst du dagegen tun? 

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit mehr als 300 Millionen Menschen an Depressionen leiden. Für Deutschland liegen die geschätzten Zahlen bei etwa 4,2 Millionen Menschen. Laut WHO wird es sich dabei in zwei Jahren um die zweihäufigste Volkskrankheit weltweit handeln – dass man selbst unter Depressionen leidet oder jemanden kennt, der depressiv ist, ist also gar nicht so unwahrscheinlich. Aber nicht immer handelt es sich auch wirklich um Depressionen: Phasen, in denen man niedergeschlagen ist oder in denen einem der Antrieb fehlt, hat schließlich jeder mal im Leben. Woran man erkennt, dass es sich bei den Beschwerden wirklich um Anzeichen einer depressiven Erkrankung handeln könnte, und wie man sich selbst oder Betroffenen helfen kann, hat die Landesärztekammer Baden-Württemberg zusammengefasst.

Einfach nur traurig – oder depressiv? Symptome einer Depression

Dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Niedergeschlagenheit, sondern tatsächlich um eine Depression handeln kann, lässt sich laut der Landesärztekammer Baden-Württemberg daran erkennen, dass zwei der folgenden drei Symptome länger als zwei Wochen bestehen: gedrückte, depressive Stimmung, Interessensverlust und Freudlosigkeit sowie Antriebsmangel und Ermüdbarkeit.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe beschreibt konkret, wie sich diese Symptome äußern können: Menschen mit Depressionen würden häufig von einer inneren Leere und der Unfähigkeit, eigene Gefühle wahrnehmen zu können, berichten. Zudem würden sie das Interesse an Hobbies, dem Beruf, an Freizeitaktivitäten oder Unternehmungen mit der Familie oder Freunden verlieren, die ihnen früher noch Freude bereitet haben.

Auch körperliche Beschwerden können bei depressiven Menschen vorkommen: Wenn alltägliche Dinge wie Einkaufen, Aufräumen oder Arbeiten große Überwindungen kosten und schnell zu Ermüdung führen, können das Anzeichen für eine Depression sein. Dies könne sich auch im Gesichtsausdruck und der Körperhaltung zeigen – das Gesicht erscheint versteinert und die Bewegungen kraftlos, so die Depressionshilfe. 

Laut der Landesärztekammer und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe lässt sich eine Depression darüber hinaus an Zusatzsymptomen erkennen. Die Beschwerden können von verminderter Konzentration und Aufmerksamkeit über Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit bis hin zu Schlafstörungen, vermindertem Appetit oder sogar Suizidgedanken führen. Auch körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden, Schmerzen, Schwindel, Luftnot oder ein Druckgefühl in Hals und Brust können vorkommen, wenn ein Mensch an Depressionen leidet.

Aber auch wenn du bei dir oder einer anderen Person einige dieser depressiven Symptome über einen längeren Zeitraum hinweg feststellen kannst, bedeutet das laut Ärztekammer nicht zwingend, dass es sich dabei um eine Depression handelt. Zumindest sei es ratsam, sich in solchen Fällen an einen Arzt zu wenden oder eine Psychotherapie aufzusuchen, um die Anzeichen behandeln zu lassen. 

Ratgeber für Angehörige: Wie kann man bei Depressionen helfen?

Wenn du Anzeichen einer Depression bei einer anderen Person festgestellt hast oder weißt, dass ein Angehöriger unter Depressionen leidet, gibt es laut der Ärztekammer folgende Möglichkeiten zu helfen:

Verständnis zeigen

Die Ärztekammer rät zunächst, Verständnis für die Situation und die Gefühle des Angehörigen zu zeigen. Der Mensch und seine Erkrankung müssen ernst genommen werden, allerdings ohne zu dramatisieren. Es sei wichtig, der betroffenen Person zu vermitteln, dass Hilfe möglich ist, und dass es ihr in Zukunft besser gehen wird.

Unterstützung bieten

Es sei besonders wichtig, Menschen mit Depressionen zu unterstützen, sich professionell Hilfe – zum Beispiel in Form einer Psychotherapie – zu suchen, so die Ärztekammer. Auch bei kleineren Dingen des Alltags beizustehen und Unterstützung zu bieten, sei hilfreich: einen Spaziergang machen, miteinander reden oder Unternehmungen machen, die dem Betroffenen Spaß machen.

Auf Zurückweisung mit Verständnis reagieren

Wenn Menschen, die an Depressionen leiden, dich zurückweisen, sei das häufig der Krankheit geschuldet – und ziele nicht auf dich als Person ab. Die Ärztekammer rät, solche Situationen zu akzeptieren, und sich nicht gekränkt zurückzuziehen. Das würde der Situation schaden. 

Krankheit auf keinen Fall herunterspielen

Die Erkrankung an einer Depression sollte nicht heruntergespielt werden, sagt die Ärztekammer. Damit signalisiere man fehlende Akzeptanz für die Krankheit – auch wenn es anders gemeint ist.

Ursachen und Auslöser einer Depression

Laut der deutschen Depressionshilfe können Depressionen meist nicht auf eine einzige Ursache oder einen einzigen Auslöser zurückgeführt werden. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren, die einerseits veranlagt und andererseits aktuelle Auslöser sein können – eine Depression kann also sowohl körperliche als auch psychosoziale Ursachen haben. Neben einer Vererbung könne das Verhalten und die psychosoziale Situation, also Lebenserfahrungen, Kommunikation mit Mitmenschen oder die gesamte Biografie betrachtet werden. Traumata oder Missbrauchserlebnisse in frühen Lebensphasen würden das Risiko, später im Leben an einer Depression zu erkranken, erhöhen. Auslöser dafür, dass eine Depression ausbricht, können laut der Experten beispielsweise aktuelle Verlusterlebnisse oder Überlastungssituationen sein.

Wenn du oder ein Angehöriger Depressionen hat und du Hilfe brauchst, findest du hier Informationen dazu, an wen du dich wenden kannst.