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Bundeswehr, Army und Co.: Abenteuer Kriegsdienst - so verführerisch inszenieren sich die Armeen auf Instagram

Die Bundeswehr rührt mit flotten Youtube-Serien höchst erfolgreich die Werbetrommel. Aber es muss nicht immer gleich die ganz aufwendige Kampagne sein: Täglich inszenieren sich die Armeen dieser Welt im Netz als hippe Arbeitgeber.

Einsatz im Morgengrauen, Teddybär in Uniform, lachende Soldaten, Explosionen - die ganze Bandbreite des Militär auf Instagram

Einsatz im Morgengrauen, Teddybär in Uniform, lachende Soldaten, Explosionen - die ganze Bandbreite des Militär auf Instagram

Schießübungen in der Morgensonne, Hubschrauberflüge über atemberaubende Landschaften, lachende Kameraden, die sich in den Armen liegen: Der Wehrdienst ist ein Abenteuer, das mächtig Spaß bringt. Ein Leben als Verweigerer scheint zwar möglich, aber sinnlos. 

Diesen Eindruck suggerieren zumindest die Instagram-Auftritte der Bundeswehr, der US-Armee und der israelischen Streitkräfte - mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber derselben Botschaft: Soldat sein ist cool. Die Militärs der Welt inszenieren sich in den sozialen Netzwerken Tag für Tag als ausgesprochen hippe Arbeitgeber.

"Bereit für eine ECHTE Herausforderung?"

So wird Instagram zur kostengünstigen Ergänzung millionenschwerer PR-Kampagnen, die sich zum Beispiel die Bundeswehr in der jüngeren Vergangenheit gerne geleistet hat. Im Oktober vergangenen Jahres lief eine Youtube-Serie an, die mit täglichen Clips den Einsatz im westafrikanischen Mali begleitet. "Bist du bereit für eine ECHTE Herausforderung?" wurde die Reihe angeteasert wie ein Actionfilm aus Hollywood. "Folge unseren Kameradinnen und Kameraden in den Einsatz nach Mali und sei hautnah mit dabei!" Ein Jahr zuvor war bereits die Onlineserie "Die Rekruten" zum großen Marketingerfolg geworden.

Und auch auf Instagram scheint die Inszenierung zu funktionieren. In einem Ranking des Recrutainment Blog, der 2017 die Karriere-Auftritte von Unternehmen auf Instagram nach Reichweite verglichen hat, landet die Bundeswehr auf Platz 1 - vor L'Oréal und der Bundespolizei.

Aktuelle Zahlen des Verteidigungsministeriums belegen, dass sich der Nachwuchs angesprochen fühlt. Demnach wurden noch nie so viele Minderjährige an der Waffe ausgebildet wie im vergangenen Jahr. 2128 Soldaten, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren, sind ein neuer Rekordwert. Die Zahl der Rekruten, die bei Dienstantritt noch unter 18 Jahre alt waren, habe sich somit seit 2011 verdreifacht.

Allerdings legitimiert dieser Erfolg kaum die Mittel, mit der Minderjährige für militärische Zwecke mobilisiert werden. So bleibt ein fader Beigeschmack beim Blick auf die ästhetisierten Accounts der Armeen, die sich international nur marginal unterscheiden. So haben die Soldaten der US Army auf Instagram ein bisschen häufiger die Waffe im Anschlag, während die Israel Defense Forces mit ihren Bildern einen deutlichen Schwerpunkt auf fröhliche Kameradschaft legt.

Instagram: Bundeswehr & Co. als Lifestyle

Den internationalen Trend, dem Militär ein cooles Image zu verpassen, hält Friedemann Vogel, Juniorprofessor für Medienlinguistik an der Uni Freiburg, im Interview mit "jetzt.de" für moralisch verwerflich, gesetzlich aber legal: "Militärische Sachverhalte werden als Lifestyle verkauft, Waffen werden zu Accessoires", so der Verfasser einer umfangreichen Studie zur Selbstinszenierung der Bundeswehr gegenüber Jugendlichen, der diese Form der PR als "Militainment" bezeichnet.

In der Praxis wird unter diesem Begriff alles vermischt, was militärische Atmosphäre schafft - ein kleiner Querschnitt:

Der Einsatz mit dem Schützenpanzer im herbstlichen Wald. 

 Teddybär Bernd, der gerne zur Bundeswehr möchte. 

 Action auf dem Truppenübungsplatz. 

 Einsatz in der Morgensonne.

 Schießübungen mit schönem Insta-Filter. 

 Die US-Armee wünscht ein frohes neues Jahr. 

 Und strahlende Menschen beim israelischen Militär. 

 

Winterküche: Erbseneintopf nach Bundeswehrrezept