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Wkipedia-Fail Stell dir vor, du bekommst den Nobelpreis und selbst das Internet kennt dich nicht

Seit Dienstag eine bekannte Wissenschaftlerin: Die kanadische Physikerin Donna Strickland, die als dritte Frau überhaupt in ihrem Fachgebiet mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
Seit Dienstag eine bekannte Wissenschaftlerin: Die kanadische Physikerin Donna Strickland, die als dritte Frau überhaupt in ihrem Fachgebiet mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.
© Geoff Robins / AFP
Das erste Mal seit 55 Jahren bekommt eine Frau den Physik-Nobelpreis. Doch online fand man bis vor Kurzem fast nichts über sie.

Kennt ihr Barry Barish oder Takaaki Kajita? Wahrscheinlich nicht. Diese Wissenschaftler erhielten in den vergangenen Jahren den Nobelpreis für Physik. Für Normalos und Nicht-Wissenschaftler sind die Preisträger der größten wissenschaftlichen Auszeichnung oft Unbekannte. Aber wenn es um Informationen geht, gibt es kaum etwas, was ein kurzer Blick in die größte Online-Enzyklopädie Wikipedia nicht ändern könnte.

Außer bei Donna Strickland. Die 59-jährige Kanadierin ist die erste Frau seit 55 Jahren, die mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde – aber bis Dienstag Mittag, kurz nach der Bekanntgabe der Gewinner, fand sich nicht einmal ein Wikipedia-Eintrag zu ihrer Person. Lediglich auf der Seite ihres Arbeitgebers, der University of Waterloo im kanadischen Ontario, steht kurz, dass ihre "Ultrafast-Laser-Gruppe Hochenergie-Laser-Systeme für nicht lineare optische Experimente entwickelt". Noch im Mai diesen Jahres hatte Wikipedia einen Eintrag über die Kanadierin abgelehnt, wie die Verlaufsgeschichte der Einträge zu ihrem Namen zeigt. Der Grund: Sie sei als Person nicht wichtig genug. Bei ihrem Mentor und Doktorvater Gérad Mourou, mit dem sie zusammen den Nobelpreis erhielt, scheint das anders zu sein – der 78-jährige Physiker hat seit 2012 einen Eintrag in der Enzyklopädie.

Ultrakurze Laserstrahlen

Die Königlich-Schwedische Akademie, die jedes Jahr den Nobelpreis vergibt, sah das Ganze jedoch etwas anders als Wikipedia. Donna Strickland ist damit die dritte Frau überhaupt, die mit der Auszeichnung im Bereich Physik geehrt wird. Vor 55 Jahren erhielt die Deutsch-Amerikanerin Maria Goeppert-Mayer als letzte Frau den Wissenschaftspreis. Zuvor war es die Physikerin und Chemikerin Marie Curie, die 1903 den Preis bekam - acht Jahre später wurde sie auch im Bereich Chemie ausgezeichnet. Der Nobelpreis, der auf den schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel zurückgeht, wird seit 1901 jährlich vergeben. Geehrt werden bahnbrechende Leistungen in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und bei Friedensbemühungen.

Zusammen mit ihrem Doktorvater Mourou, erhielt Donna Strickland am Dienstag die Auszeichnung für ihre Entwicklungen im Bereich Laserphysik. Sie teilen sich den Preis mit dem US-Amerikaner Arthur Ashkin. Anders als mit ihrem Namen sind viele Menschen schon mit der Entwicklung der Wissenschaftlerin in Berührung gekommen: Ultrakurze Laserblitze, die zum Beispiel von Augenärzten verwendet werden, um Kurz- oder Weitsichtigkeit per Laser zu behandeln.

Wikipedia reicht nicht aus

In den Sozialen Netzwerken wurde die Preisvergabe an Strickland sofort bejubelt – es gab sogar innerhalb weniger Minuten den Hashtag #Strickland. Das Komitee, das die Preise vergibt, war in letzter Zeit heftig kritisiert worden, weil ein deutlicher Männer-Überhang bei den Preisträgern zu erkennen war.

Aber auch wenn Donna Strickland den Preis mit der Aufforderung entgegennahm "Physikerinnen zu feiern“, scheint es immer noch viel tun zu geben in Fragen der Gleichberechtigung in der Wissenschaft  – und der Selbstwahrnehmung von Frauen und Wissenschaftlerinnen. So sagte Strickland in einem Telefonat mit der Königlich-Schwedischen Akademie nach der Preisvergabe, dass ihr Mentor Gérad Mourou den Preis definitiv verdiene, er habe bereits vor der Zusammenarbeit mit ihr so viele bemerkenswerte Dinge geleistet. Diese Aussage zeichnet die 55-Jährige sicher als Mensch und Kollegin aus. Doch solange Frauen ihre Leistung nicht selbst in den Vordergrund rücken, reicht auch ein Artikel bei Wikipedia nicht aus.

lau

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