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"Milkshaking": Milchshakes sind in Großbritannien eine neue Form von politischem Protest

Um ihrem Ärger über die Politik Luft zu machen, werfen Menschen in Großbritannien Milchshakes auf rechte Politiker. Ein McDonalds in Edinburgh musste zeitweilig sogar den Verkauf der Getränke einstellen.

Milkshaking ist eine neue Form des Protest in Großbritannien

Brexit-Gegner Nigel Farage wurde im Mai bei einem Auftritt in New Castel mit einem Milchshake überschüttet.

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Ob Torte, Farbbeutel oder rohe Eier – Politiker mit etwas Essbaren zu bewerfen, das eine eklige oder zumindest klebrige Konsistenz hat, ist eine gern genommene Form des Protests. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl trafen in seiner Karriere schon Eier und sogar Windbeutel. Nach einem Schuh-Wurf auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush gab es kleine Online-Games, bei denen man selbst zum Werfer werden konnte.

"Milkshaking" geht bei Twitter viral

In Großbritannien heben wütenden Bürger den Protest seit Anfang Mai auf eine neue Ebene: Statt mit Eiern oder faulen Tomaten werfen sie mit Milchshakes. In den Medien hat das Phänomen schon den Namen "Milkshaking" bekommen. Auf seiner Wahlkampftour traf Brexit-Befürworter Nigel Farage ein Milchshake mit Banane- und Salted-Caramel-Geschmack. Den umstrittenen UKIP-Kandidaten Carl Benjamin erwischte es ganze vier Mal und auch Aktivist Tommy Robbins bekam zwei Milchshakes entgegengeschleudert. Doch warum genau diese drei? Und warum Milchshakes?

Wie der Nachrichtensender "CNN" berichtet, begann "die Milchshake-Wurf-Bewegung" nachdem ein junger Mann dem rechtspopulistischen Aktivisten Tommy Robinson spontan im Gespräch einen Milchshake von MacDonalds ins Gesicht schüttete. Das Video der Attacke ging bei Twitter viral, bisher haben über fünf Millionen User den knapp 30 Sekunden langen Clip gesehen. Danach fanden sich sowohl bei Twitter wie auch auf der Online-Plattform Reddit Aufrufe, Politiker mit Milchshakes zu bewerfen.

Verbot von Milkshakes

Das Ganze ging so weit, dass die Polizei in der schottischen Stadt Edinburgh eine McDonalds-Filiale anwies, keine Milchshakes mehr zu verkaufen – weil Nigel Farage in der Nähe einen Wahlkampfauftritt hatte. Fastfood-Riese Burgerking sprang direkt auf den Zug auf und twitterte: "Liebe Einwohner Schottlands, wir verkaufen das ganze Wochenende Milchshakes. Viel Spaß" und versah den Post mit dem Hashtag "ich sag ja nur".

Der Milchshake-Protest gilt bisher vor allem Politikern, die für ihre rechten und rassistischen Standpunkte bekannt sind. Tommy Robinson, der mit bürgerlichem Namen Stephen-Yaxley-Lennon heißt, ist Mitbegründer der "English Defence League", der er aber mittlerweile nicht mehr angehört. Unter Experten wird sie als rechtsextrem und islamfeindlich eingestuft. Carl Benjamin, Politiker der UK Independence Party (UKIP), machte in den letzten Monaten mit rassistischen Bemerkungen und Witzen über Vergewaltigung Schlagzeilen. Und Nigel Farage, ehemaliges UKIP-Mitglied, gilt vielen Briten als Vater des Brexit und Gesicht der Anti-EU-Bewegung.

Der Milkshake ist das neue Ei

Schon vor fünf Jahren bekam Farage den Unmut einiger Briten zu spüren, als er mit Eiern beworfen wurde. "In Großbritannien wird es immer das Ei sein", schrieb ein Journalist der britischen Zeitung "The Guardian" im Jahr 2015 über das liebste Protestmittel der Briten. Nun hat der Milchshake scheinbar das Ei abgelöst. Geht man nach der Einschätzung des Online-Magazin "Quarz" hat das Getränk entscheidende Vorteile: Einerseits lässt es sich leichter transportieren als ein (im schlimmsten Fall auch noch verrottetes) Ei. Und zweitens hat die weiße, klebrige Soße einen deutlich sichtbareren Effekt.

lau