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Alexandria Ocasio-Cortez: Aus der Bar zum Superstar: Die besondere Geschichte der jüngsten US-Abgeordneten aller Zeiten

Vor zwei Jahren arbeitete Alexandria Ocasio-Cortez noch in einer Kneipe in New York. Jetzt ist sie als jüngste US-Abgeordnete aller Zeiten die große Hoffnungsträgerin – für die Demokraten, für die Frauen, für die Welt.

Alexandria Ocasio-Cortez

Alexandria Ocasio-Cortez ist jetzt ein Superstar. Sie wird ab sofort mit einem großen Kult um ihre Person rechnen müssen. Weil AOC, wie US-Medien sie gerne nennen, Hoffnung macht: den Demokraten, den Frauen, der ganzen Welt, die sich Sorgen um die Vereinigten Staaten unter Donald Trump machen. AOC ist nun Projektionsfläche. Sie wird beweisen müssen, dass sie damit umgehen kann.

Denn sie ist erst 29 Jahre alt und ihren Aufstieg als steil zu bezeichnen, wäre untertrieben. Seit gestern ist die Demokratin die jüngste Frau, die jemals in den Kongress gewählt wurde. Sie konnte ihren Sitz im Repräsentantenhaus für New York mit rund 100.000 Stimmen für sich entscheiden. Zum Vergleich: Für den republikanischen Kandidaten Anthony Pappas stimmten nicht einmal 20.000 Wähler.

Alexandria Ocasio-Cortez: "Eine neue Bewegung"

Ocasio-Cortez steht damit für einen unübersehbaren Trend: Mindestens 28 Frauen zogen in den Kongress ein – der bisherige Rekord aus dem Jahr 1992 lag bei 24. "Wir haben heute Abend Geschichte geschrieben", sagte AOC deshalb zu Recht bei der Siegesrede auf ihrer Wahlparty im New Yorker Stadtteil Queens. "Das ist möglich, wenn die Menschen zusammenkommen." Ihr Triumph sei kein Wahlerfolg, "sondern eine neue Bewegung für soziale, ökonomische und ethnische Gerechtigkeit".

Eine Bewegung, der Ocasio-Cortez ihr Gesicht gibt. Was ziemlich unglaublich anmutet, wenn man bedenkt, dass sie noch vor zwei Jahren als Kellnerin in einer New Yorker Bar arbeitete. Doch dann wurde Donald Trump gewählt, und wie so viele ihrer Altersgenossen in den USA fühlte sich AOC plötzlich verpflichtet, politisch aktiv zu werden.

Sie reiste durchs Land und sammelte politische Erweckungsmomente, besuchte die Sorgenstadt Flint im Sorgenstaat Michigan und protestierte gegen den geplanten Bau einer Pipeline im Sioux-Reservat Standing Rock. Als "ein Schlüsselerlebnis" bezeichnete AOC die Woche, in der sie trotz eisiger Kälte demonstrierend in einem Zelt im Tiefschnee von North Dakota hauste.

Bereits im Juni besiegte Ocasio-Cortez im Bezirk New York mit einer Graswurzelkampagne sensationell den alteingesessenen Demokraten Joe Crowley, der sich eigentlich Hoffnungen auf den Job von Mehrheitsführerin Nancy Pelosi gemacht hatte. Seitdem galt ihr Einzug in den Kongress, der bei den Midterms nun besiegelt wurde, so gut wie sicher.

"Trump ist nicht bereit für ein Mädchen aus der Bronx"

Aber wer ist die jüngste Hoffnungsträgerin der Demokraten im verzweifelten Kampf gegen Trump? Die Tochter einer puerto-ricanischen Familie wurde in der Bronx geboren, wo sie auch heute noch in einer bescheidenen Ein-Zimmer-Wohnung lebt. Sie bezeichnet sich selbst als demokratische Sozialistin und bringt eine Agenda mit, die der von Trump im Grunde diametral gegenübersteht: sie fordert kostenlose Colleges, eine Pflichtkrankenversicherung, staatliche Arbeitsplatzgarantie und die Abschaffung der Grenzpolizei ICE.

Senator Bernie Sanders gefallen diese Themen, das demokratische Establishment tut sich schon schwerer mit der radikalen Aufsteigerin. Das ändert aber nichts daran, dass ihre radikalen Ideen womöglich das einzig probate Mittel sein könnten, um den sicher nicht minder radikalen Präsidenten zu bearbeiten. "Trump ist nicht bereit für ein Mädchen aus der Bronx", sagte Alexandria Ocasio-Cortez bereits im Juni als Gast in der Late-Night-Show von Stephen Colbert. Was nun zu beweisen wäre.