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Maxwell Frost 25, verschuldet, wohnungssuchend: Vermieter in Washington lehnen US-Kongressabgeordneten ab

Maxwell Frost
Der 25-jährige Maxwell Frost gehört zu den großen Gewinnern der US-Midterms. Er sicherte den 10. Kongressbezirk in Florida für die Demokraten und zieht im Januar in das Repräsentantenhaus ein
© Anna Moneymaker / Getty Images / AFP
Mit Maxwell Frost zieht erstmals ein Vertreter der "Gen Z" in das US-Repräsentantenhaus ein – wenn er denn eine Bleibe in Washington findet. Abgeordneter Hin oder Her: Weil sich 25-Jährige im Wahlkampf verschuldet hat, gestaltet sich die Wohnungssuche offenbar schwierig.

Ausmisten, streichen, Kisten schleppen: Umziehen mag niemand. Doch an dem Punkt ist Maxwell Frost aus Florida noch gar nicht. Der 25-Jährige muss wegen eines neuen Jobs in die US-Hauptstadt Washington ziehen. Die Wohnungssuche gestaltet sich jedoch offenbar schwierig. Dabei sollte man meinen, ihm stünden alle Türen offen – schließlich zieht Frost als einer der jüngsten Abgeordneten der US-Geschichte und erster Vertreter der Generation Z in den Kongress ein. Das interessierte die Vermieter einer Wohnung aber angeblich wenig. 

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"Ich habe eine schlechte Kreditwürdigkeit – das gebe ich zu"

Ein Unternehmen habe Frosts Mietbewerbung abgelehnt, weil seine Kreditwürdigkeit schlecht sei, twitterte der Demokrat am Donnerstag. "Das ist nicht für Leute gedacht, die noch kein Geld haben."

Dabei sei er noch so aufgeregt gewesen, als er endlich eine passende (und vor allem bezahlbare) Bleibe gefunden habe, sagt Frost in einem Interview. Doch hat er sich mit seiner Ehrlichkeit selbst ein Bein gestellt. Bevor er sich beworben habe, habe der Politiker offengelegt, dass es um seine Finanzen nicht allzu gut steht. Das habe den Mitarbeiter der Vermieterfirma allerdings zunächst nicht gestört: "Bewerben Sie sich, das wird schon klappen", soll dieser versichert haben. Dem war dann aber nicht so. "Sie sagten, man könne anrufen und das Ergebnis anfechten, aber ich sagte, ich wüsste nicht, was ich anfechten sollte. Ich habe eine schlechte Kreditwürdigkeit – das gebe ich zu", schreibt Frost auf Twitter. Die 50 Dollar Antragsgebühr würde er auch nicht wiedersehen. 

Frost habe sich im Wahlkampf verschulden müssen

Die Schulden habe Frost während seines eineinhalbjährigen Wahlkampfs in Florida angehäuft. Als Uber-Fahrer habe er nicht einmal genug verdient, um seine Miete in Orlando zu bezahlen. Seinen Vollzeitjob habe der junge Demokrat zu Beginn der Vorwahlen gekündigt, "weil ich wusste, dass ich mit 25 Jahren ein Vollzeitkandidat sein muss, um zu gewinnen. 7 Tage die Woche, 10-12 Stunden am Tag. Das ist weder nachhaltig noch richtig, aber wir mussten es tun", so Frost. 

Am Ende haben sich die Strapazen aber gelohnt: Der 25-Jährige gehört zu den großen Gewinnern der US-Midterms. Er sicherte den 10. Kongressbezirk in Florida für die Demokraten und zieht im Januar in das Repräsentantenhaus ein. Bei seiner Wahlkampagne konzentrierte sich der Aktivist auf Themen wie Waffengewalt, Klimawandel sowie das Abtreibungsrecht.

Auch Alexandria Ocasio-Cortez klagte über Wohnungssuche

Dass sich frisch gewählte Kongressabgeordnete bei der Wohnungssuche in Washington schwertun, ist tatsächlich nichts Neues, schreibt die "Washington Post". Schon im Jahr 2000 habe ein damals 26-jähriger Politiker gegenüber der Zeitung geklagt, dass er und seine Frau sich mehr als ein Dutzend Wohnung hätten ansehen müssen. Einige seiner Kollegen hätten zum Jobbeginn sogar in ihren Büros übernachtet. Der durchschnittliche Mietpreis in der US-Hauptstadt liegt heute bei rund 2300 Dollar – für knapp 70 Quadratmeter.

Auch die Star-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez berichtete 2018, dass sie sich verschulden musste, um ihren Wahlkampf bestreiten zu können. "Ich habe drei Monate ohne Gehalt, bevor ich Mitglied des Kongresses bin", sagte sie damals der "New York Times". "Wie bekomme ich also eine Wohnung? Diese kleinen Dinge sind sehr real."

Für Frost geht die Suche erst einmal weiter. "Vielleicht muss ich auch ein bisschen Couch-Surfing betreiben oder bei jemandem wohnen, bis ich etwas gefunden habe", sagte er der "Washington Post". In den nächsten Jahren dürften Geldsorgen allerdings dann keine Rolle mehr spielen. Als Abgeordneter im Repräsentantenhaus wird Frost 174.000 Dollar jährlich verdienen.

Quellen: Twitter Maxwell Frost; "Washington Post"; "The Guardian"

yks

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