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Satire

Bäcker-Anekdote auf Parteitag: Lieber Christian Lindner, ich kenne diese Angst beim Brötchenholen ganz genau ...

Da will Christian Lindner beim Bundesparteitag der FDP nur mal eben einen Schwank aus dem wahren Leben erzählen - und schon fliegt ihm ein epischer Shitstorm um die Ohren. Unser Autor kann dazu nur sagen: Er kennt Lindners Schreckensszenario aus eigener Erfahrung. Nur eben ein bisschen anders.

kennt sich aus mit den Ängsten der Leute. Wie zum Beweis hat er deshalb auf dem Bundesparteitag der FDP eine Anekdote aus dem Ärmel geschüttelt: Wenn sich jemand beim Bäcker mit "gebrochenem Deutsch" ein Brötchen bestelle, dann wüssten die anderen Menschen in der Schlange ja nun auch nicht, mit wem sie es da zu tun haben.

Sie wüssten dann nicht, ob das "der hoch qualifizierte Entwickler Künstlicher Intelligenz aus " ist oder "eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer"? Und solche Gedanken würden dann doch Ängste auslösen.

Das Statement von Christian Lindner beim FDP-Parteitag könnt ihr Euch im Video oben ansehen. 

Christian Lindner und die Angst beim Bäcker

Word. Lieber Christian Lindner, wie es die Aufgabe der ganz großen Politiker sein sollte, nennen Sie das Kind beim Namen. Wirklich, ich weiß ganz genau, was Sie meinen! Ich kenne diese Angst beim Bäcker, ich kenne die Situation, die Sie beschreiben, ich kenne das schockierende und furchteinflößende Bild, das Sie mit ihren Worten zeichnen. Ich habe es schon oft erlebt, und ich erlebe es immer wieder.

Immer dann, wenn ich meine Schwester besuche.

Meine Schwester wohnt in in Baden-Württemberg, keine halbe Autostunde von Stuttgart entfernt. Unsere Familie kommt eigentlich aus dem Rheinland, meine Schwester ist vor ein paar Jahren mit Mann und Kindern in den Süden gezogen. Weilheim ist ein beschauliches Dörfchen am beschaulichen Flüsschen Teck – hier kennt man sich, hier hilft man sich. Hier werde ich auf der Straße von den Ureinwohnern ganz genau gemustert, weil sie mich sofort als Fremden identifizieren. Wahrscheinlich fragen sie sich dann auch, ob ich gebildet oder möglicherweise nur geduldet bin.

Was das ansonsten mit Ihrer zu tun hat, fragen Sie sich, lieber Herr Lindner? Ganz einfach: Wenn ich bei meiner Schwester zu Besuch bin, hole ich morgens vor dem Frühstück gerne die Brötchen für die ganze Familie. Aber schon auf dem Weg zum Bäcker läuft mir der kalte Schweiß den Nacken herunter. Weil ich Angst habe. Angst davor, beim Bäcker in der Schlange zu stehen. Und Angst vor dem "gebrochenen Deutsch" der Leute.

Ein Schwäbisch der allerschrecklichsten Sorte

Denn die Menschen dort sprechen ein Schwäbisch der allerschrecklichsten Sorte. Es klingt wie eine Geheimsprache, ein ganz und gar kurioses Kauderwelsch. Ich verstehe nichts, aber auch gar nichts, kein einziges Wort von dem, was diese Menschen sagen. Ich habe jedes Mal Angst, dass sie mich ansprechen, und ich habe jedes Mal Angst, dass mich die Bäckersfrau nicht verstehen wird, weil ich ihren Slang nicht beherrsche. Und jedes Mal frage ich mich, ob sich diese Menschen denn überhaupt legal bei uns aufhalten, wenn sie doch unsere Sprache überhaupt nicht beherrschen.

Es ist also immer das Gleiche beim Bäcker in Weilheim, es ist immer ganz genau so wie in Ihrer Anekdote: Ich stehe in der Schlange und habe Angst vor dem gebrochenen Deutsch der Leute. Und ob und wie gebildet sie sind, kann ich natürlich auch nicht einschätzen. Ich kann mich schließlich nicht mit ihnen darüber unterhalten. Denn dafür schwäbeln sie viel zu stark.

Sehen Sie im Video: "Netzreaktionen: "Wenn Lindner sich beim Brötchen holen nicht mehr sicher fühlt, soll er halt Kuchen essen"