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Tod des Soulstars: Wie bitte? Donald Trump behauptet, Aretha Franklin habe "oft für ihn gearbeitet"

Donald Trump trifft nicht immer den richtigen Ton. Auch nun wieder: Vor einer Kabinettssitzung würdigte er die verstorbene Aretha Franklin. Und behauptet, sie habe "mehrfach für ihn gearbeitet". Wie bitte? Ein Faktencheck.

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Die Welt verneigt sich vor Aretha Franklin und auch Donald Trump findet warme Worte für den verstorbenen Soulstar. Auf Twitter schrieb er, sie sei ein Geschenk Gottes gewesen. Später gedachte er ihr vor laufenden Kameras zu Beginn seiner Kabinettssitzung. "Ich kannte sie gut, sie hat oft für mich gearbeitet. Sie hat Millionen von Menschen Freude bereitet und ihr außergewöhnliches Erbe wird weiter florieren und künftige Generationen inspirieren." So weit, so gut. Wobei - hat er tatsächlich gesagt, sie habe "für ihn gearbeitet"? Das hat er gesagt.

Aretha Franklin war Demokratin

Vorweg: stand politisch eindeutig auf Seiten der Demokraten. Sie hat bei der Amtseinführung von gleich drei US-Präsidenten gesungen: Jimmy Carter (1977), Bill Clinton (1993) und Barack Obama (2009). Zu den beiden letzt genannten Staatschefs pflegte sie auch ein gutes Verhältnis. Wie sie zu Donald Trump stand, ist nicht bekannt, vermutlich werden sie sich, wie viele andere Promis auch, auf diversen Galas und Gesellschaftsevents über den Weg gelaufen sein. Aber das sie sich persönlich nahe standen ist eher unwahrscheinlich. In seiner kurzen Ansprache sagte der US-Präsident, die beiden seien "verbunden" gewesen, doch dem widerspricht ihr Biograf David Ritz: "Ich bin sicher, das das nicht so war", sagte der der "Washington Post".

Die US-Zeitung hat versucht nachzuzeichnen, wie oft und wann Franklin "für" Trump geabeitet haben könnte. Eine konkrete Zahl haben die Autoren nicht herausgefunden, sind aber zumindest auf einige Konzerte gestoßen, die die Soul-Sängerin in den diversen Trump-Casinos gegeben hat. Vermutlich waren es dieses Engagements, die Trump meint, wenn er davon spricht, sie habe "für ihn" gearbeitet. Das erste Mal trat Franklin 1988 im Trump's Castle in Atlantic City auf. In der Amüsierstadt an der Ostküste war sie schon seit Ende der 70er Jahre regelmäßig zu Gast. Laut der Pressedatenbank des Gruner+Jahr-Verlags, in dem auch NEON erscheint, hat sie dort allein von Mitte der 90er-Jahre bis Anfang der 2000er fast jährlich mindestens ein Konzert gegeben. Darunter auch in Trumps Kasino, wie etwa im Juni 1995 oder im Juni 2003.

2010, so die "Washington Post", habe Franklin im New Yorker Trump International Hotel eingecheckt. Sie wollte damals einen neuen Plattenvertrag aushandeln. Die Sängerin hatte einen ganze Etage für sich, es war heiß, weil sie keine Klimaanlagen mochte und voll mit Blumen – Geburtstagsgrüße von Elton John und Mariah Carey. Kurzum: Wenn man ein paar Engagements von Künstlern als "mehrfach für jemanden arbeiten" bezeichnen möchte – dann hat Recht. Der US-Präsident hat also nicht wirklich geschwindelt, aber so richtig treffend war seine eher selbstbezogene Äußerung auch nicht gerade.