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Wahlen in Sachsen und Brandenburg Die Jugend wählt AfD: Fremdenfeindlichkeit war lange nicht mehr so selbstverständlich

Dieses Bild wird gerade auf Twitter gefeiert.


Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg; „Rassisten sind keine Alternative“ –


mit der Botschaft positioniert sich eine Aktivistin vor dem ZDF-Studio in Potsdam klar gegen die AfD.


Während Alexander Gauland ein Interview im ZDF gibt, liegt der Fokus der Zuschauer auf dem Plakat im Hintergrund.


Auf den Schultern eines Freundes hält es die junge Frau vor die Kamera.


Nicht nur die Leute vor Ort applaudieren der Aktivistin.


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Denn viele User sind über die Wahlergebnis in Sachsen und Brandenburg schockiert.


In beiden Ländern hat es die AfD zur zweitstärksten Kraft geschafft:


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Kritik gibt es auch an der ARD-Moderatorin Wiebke Binder, die im Interview mit Marco Wanderwitz die Selbstdarstellung der Rechtspopulisten als bürgerliche Partei übernahm.


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Die AfD holt Rekordzahlen in Sachsen und Brandenburg – aber allein die Tatsache, dass sie (noch) nicht zur stärksten Partei aufgestiegen ist, soll ein "ermutigendes Zeichen" für die Demokratie in Deutschland sein? Eine gefährliche Sichtweise, findet unser Autor.

Die stärkste Kraft in zwei Bundesländern werden – so lautete das Ziel, das AfD-Chef Jörg Meuthen vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen für seine Partei ausgerufen hatte. Das hat zwar knapp nicht geklappt, aber auf den Wahlpartys der vermeintlichen "Alternative für Deutschland" wurde trotzdem kräftig gefeiert.

Und dafür gab es leider gute Gründe: Die AfD erzielte in beiden Ländern extrem gute Ergebnisse (für die sich der in einigen Medien verwendete Begriff "historisch" allerdings allein aufgrund der mangelnden Historie der Partei verbietet).

Noch bedenklicher: Von den 18- bis 24-Jährigen bekamen Spitzenkandidat Jörg Urban und seine Kollegen in Sachsen 21 Prozent der Stimmen, bei den 25- bis 34-Jährigen gar 26 Prozent, was in beiden Altersgruppen das beste Ergebnis aller Parteien im Freistaat bedeutet. Auch in Brandenburg war die AfD bei den 25- bis 34-Jährigen mit 30 Prozent die stärkste Kraft, bei den 16- bis 24-Jährigen holten nur die Grünen mehr Stimmen.

Wahlen in Sachsen und Brandenburg
Alice Weidel (vorne), Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, bei der Wahlparty der AfD in Dresden
© Klaus-Dietmar Gabbert/ / Picture Alliance

Die AfD punktet bei den jungen Wählern

Dass die etablierten Parteien in beiden Ländern von den Senioren gerettet werden mussten, ist ein alarmierendes Zeichen, das so auch nicht erwartbar war. Es spricht für die Sorgen und Perspektivlosigkeit der Jugend, aber, und da dürfen wir uns nichts vormachen, auch für einen anderen Trend: Fremdenfeindlichkeit war in Deutschland lange nicht mehr so selbstverständlich.

Denn jeder junge Mensch, der sein Kreuz bei der AfD macht – egal, ob aus Protest oder Überzeugung –, weiß ganz genau, dass er damit auch eine Partei wählt, die stramme Nationalisten in ihren Reihen hat und heftig mit rechter Hetze hantiert. Nicht alle AfD-Wähler sind Nazis oder schlechte Menschen, aber jeder von ihnen nimmt mit seiner Stimme diese dunkle Seite der Partei mindestens fahrlässig in Kauf.

Noch vor fünf oder zehn Jahren undenkbar

Die Ansprüche der AfD werden durch diese Wahlergebnisse auch auf Bundesebene gestärkt. Sie fühlt sich in ihrer Selbstwahrnehmung als "große bürgerliche Opposition" (Alexander Gauland) bestätigt, aber vor allem nützen die Ergebnisse dem radikalen Flügel der Partei um Björn Höcke und Andreas Kalbitz, der die Landesverbände im Osten dominiert.

Das haben die jungen Wähler mit ihren Stimmen mitzuverantworten, und diese offenkundige Gleichgültigkeit gegenüber Rassismus und rechtsextremen Tendenzen, die noch vor fünf oder gar zehn Jahren nicht denkbar war, ist schockierend. Umso gefährlicher, weil "gesellschaftsfähiger", wird diese Haltung, wenn wir Wahlergebnisse wie jene in Sachsen und Brandenburg relativieren.

Von einem "ermutigenden Zeichen" für die Demokratie ist mancherorts die Rede, bloß weil die AfD es doch (noch) nicht zur stärksten Partei in Sachsen und Brandenburg geschafft hat – aber wollen wir uns die starken Zahlen der Partei auf diese Weise wirklich schönreden? Es wäre eine fatale Reaktion auf das gefährliche Signal, das von diesen Landtagswahlen ausgeht.


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