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Klimaschutz Der Präsident und die Strohhalme: Wie Trump bei diesem Thema erstaunlich punktet


Plastikstrohhalme sind das neue Symbol der Umweltverschmutzung. Supermärkte verbannen die Einmal-Trinkhalme aus ihrem Sortiment, Varianten aus Glas oder Metall sind das neue Must-Have. Auch in den USA wird der Strohhalm nun zum Politikum.

Er ist rot mit weißer Schrift, 22 Zentimeter lang, recyclebar und natürlich "Made in USA". Die Rede ist vom neuesten Gadget rund um US-Präsident Donald Trump, das nun auf seiner offiziellen Homepage vertrieben wird: dem Trump-Strohhalm. Wer 15 Dollar für zehn Strohhalme ausgibt, muss ein großer Trump-Fan sein, mag man meinen. Doch bei dem Plastik-Artikel geht es um viel mehr als um Sympathien für den US-Präsidenten.

Strohhalm
Rot mit weißer Schrift, 22 Zentimeter lang und wiederverwendbar: der Trump-Strohhalm ist der neuste Fan-Artikel des Präsidenten - und ein Politikum.
© Screenshot/shop.donaldjtrump.com

"Wie Platikstrohhalme zum neuesten Schlachtfeld in den US-Kulturkriegen wurden" schrieb der "Guardian" schon 2018. Damals fanden sich in den sozialen Medien, vorwiegend bei Twitter, zahlreiche junge, konservative Trump-Anhängerinnen, die mit Strohhalmen posierten. Ihr Ziel: Gegen den "plastic straw ban"-Trend zu protestieren. Denn seit einigen Monaten ist der (Plastik-)Strohhalm zum Symbol der Umweltverschmutzung geworden. Supermärkte in Europa verbannen den Trinkhelfer aus ihrem Sortiment und wer etwas auf sich hält, benutzt Strohhalme aus Glas, Metall, Bambus oder trinkt gar aus einer Makkaroni. Dieser Trend findet sich eben auch in Amerika, vornehmlich in Großstädten und bei denen, die die Klimakrise nicht für "Fake News" halten. Für beide Seiten geht es ums Prinzip: Das Ganze sei Umwelt-Heuchelei, sagen die Trump-Fans, es gäbe viel wichtigere Themen. Die Klimakrise sei real, sagen die anderen, man müsse schließlich irgendwo anfangen.

Der Trump-Strohhalm ist also weit mehr als nur ein Gag der "Make America Great again"-Kampagne. Denn die Diskussion hat mittlerweile auch den Präsidenten erreicht. Und so äußerte sich Trump nun zur Strohhalm-Problematik, passenderweise kurz bevor er mit seinem Helikopter zum Golfspielen in New Jersey flog. Vor dem Abflug sprach er mit Reportern über den Iran, seine rassistischen Äußerungen gegenüber vier Kongressabgeordneten und eben Strohhalme. Ein Journalist fragte, ob Trump dafür sei, Plastikstrohhalme zu verbieten. "Ich glaube, wir haben größere Probleme als Plastikstrohhalme", sagte der Präsident daraufhin. Anstatt sich auf die Strohhalme zu stürzen, solle man sich doch lieber auf die gesamte Problematik von Plastikmüll konzentrieren. Schließlich seien die Strohhalme verpackt und es gäbe auch genug andere Wegwerfartikel.

Eine erstaunlich reflektierte Antwort für den sonst so polemischen Präsidenten, hätte er doch mit einem klaren Bekenntnis zu Plastikstrohhalmen und gegen das Plastikmüllproblem den Kulturkampf der Trump- und Anti-Trump-Lager weiter vertiefen können. Vielleicht hätte er sich vorher mit seinem Merchandise-Team absprechen sollen, bevor dieses mit dem Trump-Strohhalm neues Meme-Potential befeuerte. Denn die roten Strohhalme mit weißer Laser-Gravur werben mit dem Slogan: "Liberal paper straws don’t work", wohl eine Anspielung auf die Politik des gegnerischen politischen Lagers, das sich größtenteils für die Abschaffung der Strohhalme einsetzt. Diese Deutung lässt zumindest ein Tweet von Trumps Kampagnen-Manager Brad Pascal vermuten:

"Ich habe Papierstrohhalme so satt #LiberalProgress. Das ist genau das, was sie mit unsere Wirtschaft machen wollen. Ausquetschen, bis nichts mehr funktioniert", schreibt Pascal. In der ganzen Debatte der Plastikstrohhalmgegener und -befürworter kann man vermuten, dass Pascal damit nicht nur die  Politik der Liberalen, sondern auch die ganze Debatte um Nachhaltigkeit für so ineffizient hält wie das Trinken aus Papierstrohhalmen. Schade nur, dass es hier ja eigentlich nicht um die Strohhalme geht, die laut Berechnungen des "Guardian" tatsächlich nur ein Prozent des gesamten Plastikmülls in den Ozeanen ausmachen. Aber vielleicht fällt dem Präsidenten ja bei einem kühlen Drink eine Lösung für die Umweltproblematik ein.

lau

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