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Demonstranten greifen deutsche Botschaft im Sudan an

Die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum ist von Demonstranten angegriffen worden.

Die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum ist von Demonstranten angegriffen worden. Auch die britische Botschaft wurde angegriffen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Angesichts der gewalttätigen Proteste gegen den islamfeindlichen US-Film "Unschuld der Muslime" hatte die Bundesregierung die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern verschärft.

Auch in mehreren anderen Ländern protestierten erneut tausende Menschen gegen den Film. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eskalierte die Situation erneut, als hunderte Demonstranten zur US-Botschaft marschieren wollten. Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab und setzten Wasserwerfer ein.

Die Demonstranten in Sanaa versammelten sich etwa 500 Meter von der Botschaft entfernt. Sie forderten die Ausweisung des US-Gesandten und verbrannten die US-Flagge. Am Donnerstag waren vier Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt getötet worden.

In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka versammelten sich vor der größten Moschee des Landes, der Baitul-Mokarram-Moschee, etwa 10.000 Demonstranten. Sie verbrannten israelische und US-Flaggen und riefen Parolen wie "Wir werden keine Beleidigungen unseres Propheten hinnehmen" oder "Zerschmettert die schwarzen Hände der Juden".

Hunderte Polizisten und Elite-Sicherheitskräfte hielten die Demonstranten mit Wasserwerfern davon ab, zur mehrere Kilometer entfernten US-Botschaft vorzudringen. Die Proteste seien "friedlich" geblieben, sagte Polizeichef Golam Sarwar. Der oberste Geistliche der Baitul-Mokarram-Moschee, Maolana Mohammad Salahuddin, hatte den US-Film "Unschuld der Muslime" über den Propheten Mohammed in seiner Ansprache an die Gläubigen verurteilt und eine "exemplarische Bestrafung der Filmemacher" gefordert. Zugleich rief er die Gläubigen auf, von Gewalt gegen Menschen oder Dinge abzusehen.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich fast 500 muslimische Fundamentalisten mit ihren Angehörigen zu einer Demonstration vor der US-Botschaft. Ein Sprecher der für ein Kalifat kämpfenden Organisation Hizb ut-Tahrir, die die Proteste organisiert hatte, nannte den Film "eine Kriegserklärung". Die indonesische Polizei stationierte nach eigenen Angaben bis zu 400 Beamte rund um die US-Botschaft.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der US-Botschaft. Die mächtige Muslimbruderschaft, der früher auch der jetzige Staatschef Mohammed Mursi angehörte, rief zu weiteren Protesten nach den Freitagsgebeten auf. In Jordanien kündigten sowohl die fundamentalistischen Salafisten als auch die Muslimbrüder Demonstrationen an.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete den Anti-Islam-Film "eine Provokation". Diese rechtfertige es aber nicht, "Unschuldigen zu schaden oder sie anzugreifen", erklärte er im ukrainischen Jalta.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte im ARD-"Morgenmagazin" "an die gesamte arabische Welt, jetzt auch zurückzukehren zu friedlichen Protesten und die Kritik an diesem unsäglichen Video auf friedlichem Wege zum Ausdruck zu bringen". Die einflussreiche ägyptische Muslimbruderschaft nahm die USA unterdessen gegen Angriffe in Schutz.

AFP / AFP