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Flüchtlinge in Deutschland: Immer mehr Asylbewerber dürfen bleiben

Sie kommen aus Kriegsgebieten wie Syrien oder Irak - und ihre Chancen, bleiben zu können, steigen. Fast jeder dritte Asylsuchende erhält in Deutschland derzeit einen Schutzstatus.

Die Chancen von Asylbewerbern auf ein Bleiberecht in Deutschland steigen. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres habe fast jeder dritte Asylsuchende einen Schutzstatus erhalten, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion. Die Anerkennungsquote lag demnach bei 29,2 Prozent nach 23,9 Prozent im Quartal davor. Angesichts der steigenden Aussichten auf Anerkennung als Flüchtling forderte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke die Bundesregierung auf, ihre "bisherige Politik der Abschreckung gegenüber Asylsuchenden" aufzugeben.

Besonders gute Aussichten auf einen Schutzstatus hatten Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Sie wurden zu 88,8 Prozent anerkannt, wie aus dem Schreiben der Bundesregierung hervorgeht. Von den 8023 Flüchtlingen, die im zweiten Quartal Schutzstatus bekamen, kamen allein 4385 aus Syrien. Von den Schutzsuchenden aus dem Irak wurden 56 Prozent anerkannt; dies entsprach einer absoluten Zahl von 503 Menschen.

Besonders gering war die Anerkennungsquote bei Asylsuchenden aus den Balkanländern Serbien, Bosnien und Mazedonien. Sie lag jeweils unter 0,5 Prozent.

Im Herkunftsland drohen oft Folter oder Tod

Flüchtlinge haben verschiedene rechtliche Möglichkeiten, einen Schutzstatus zu bekommen. Nur 1,6 Prozent der Antragssteller wurden als Asylberechtigte im Sinne des Grundgesetzes anerkannt. Deutlich mehr Flüchtlinge durften in Deutschland bleiben, weil sie als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden oder weil ihnen bei einer Abschiebung ins Herkunftsland Folter oder Tod droht.

Die Linken-Abgeordnete Jelpke nahm die Zahlen zum Anlass für Kritik an der CDU/CSU. "Mit ihrer Forderung nach schnelleren Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber verweigern sich die Unions-Innenminister der Realität", erklärte sie. "Denn nicht nur steigt die Zahl der Asylbewerber, sie werden auch vermehrt anerkannt."

Die meisten Leistungsempfänger kommen aus Afghanistan

Unterdessen ist die Zahl der Empfänger von Asylbewerberleistungen im vergangenen Jahr in Deutschland um mehr als ein Drittel gestiegen. Ende 2013 bezogen rund 225.000 Menschen solche Leistungen und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Es war seit dem Jahr 2010 der vierte Anstieg in Folge.

Aus Afghanistan stammten rund 18.000 der Leistungsempfänger, aus dem Irak und Syrien jeweils 12.000. Insgesamt kam mit einem Anteil von 41 Prozent der Großteil der Menschen aus Asien. Aus Europa stammten 38 Prozent der Leistungsbezieher, aus Afrika 17 Prozent. Bei vier Prozent der Menschen war die Herkunft unklar. Von den 86.000 Europäern, die unterstützt wurden, hatten 40.000 einen serbischen, kosovarischen oder montenegrinischen Pass oder den Pass eines Vorgängerstaats.

Der Staat gab im Jahr 2013 den Angaben zufolge brutto gut 1,5 Milliarden Euro für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz aus. Das war über ein Drittel (38 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Knapp ein Drittel (31 Prozent) der 225.000 Leistungsempfänger war noch nicht volljährig. Zwei Drittel (67 Prozent) von ihnen waren zwischen 18 und 64 Jahren alt, lediglich zwei Prozent waren 65 Jahre oder älter. Deutlich mehr als die Hälfte (61 Prozent) der Empfänger waren männlich.

car/AFP / AFP