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Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise": Russland ermittelt gegen Aktivisten wegen Piraterie

Noch immer werden 30 Umweltschützer auf dem Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" in Murmansk von russischen Sicherheitskräften festgehalten. Die Justiz ermittelt wegen bandenmäßiger Piraterie.

Das von russischen Sicherheitskräften erstürmte Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" ist in der Hafenstadt Murmansk eingetroffen. In einer von der Umweltschutzorganisation über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Mitteilung hieß es, der Eisbrecher sei angekommen. Ein beigefügtes Foto zeigt, wie die russische Küstenwache die "Arctic Sunrise" in den Hafen schleppt. Die russische Justiz hat Ermittlungen wegen Piraterie eingeleitet.

An Bord des Greenpeace-Schiffs werden 30 Umweltschützer, unter ihnen vier Russen, festgehalten. Greenpeace erklärte, die Besatzung werde dauernd bewacht und habe keinen Kontakt mit Angehörigen aufnehmen dürfen. Den Aktivisten drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Die "Arctic Sunrise" war am Donnerstag gestürmt worden. Greenpeace zufolge seilten sich dabei mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer des russischen Inlandsgeheimdiensts von einem Hubschrauber ab.

Wie die zuständige Ermittlungsbehörde am Dienstag mitteilte, richtet sich die Untersuchung gegen alle Beteiligten an einer Aktion gegen den russischen Erdölriesen Gazprom. Dies gelte unabhängig von ihrer Nationalität.

Proteste vor Gazprom Germania in Berlin

Zuvor waren bereits zwei Aktivisten festgenommen worden, weil sie eine Ölplattform in der Petschorasee besetzen wollten. Der Chef der Kremlverwaltung, Sergej Iwanow, hatte die Aktivisten mit somalischen Piraten verglichen. Die Umweltschützer protestieren im Nordpolarmeer gegen die geplante Ölforderung des russischen Konzerns Gazprom.

"Wir sind sicher, dass die Vorwürfe gegen uns haltlos sind", sagte Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern in Hamburg. Der Protest sei friedlich und gewaltfrei gewesen. Noch sei offiziell keine Anklage erhoben worden, sagte Feddern. "Es gilt abzuwarten, was genau uns vorgeworfen wird", sagte er. Greenpeace demonstrierte auch in Berlin vor der Zentrale von Gazprom Germania, der deutschen Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom, für die Freilassung der Mitglieder.

Gazprom betrachtet das Priraslomnoje-Ölfeld als wichtigen Baustein seiner Geschäftsstrategie. In den drei Naturschutzgebieten der Region leben Greenpeace zufolge Eisbären, Walrosse und seltene Meeresvögel. Russische und ausländische Umweltschützer werfen dem Staatskonzern und anderen Energieriesen seit Langem vor, ökologische Risiken bei der Suche nach neuen Förderquellen zu ignorieren.

juho/AFP / AFP