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Piraterie: Entführer der "Arctic Sea" festgenommen

Löst sich nun das Rätsel um die lange verschollene "Arctic Sea"? Einen Tag nachdem die 15-köpfige Besatzung befreit wurde, meldet die russische Marine die Festnahme von acht mutmaßlichen Entführern.

Russland hat den wochenlang verschollenen Frachter "Arctic Sea" nach offiziellen Angaben aus der Gewalt von Entführern befreit. Insgesamt seien acht mutmaßliche Täter festgenommen worden, sagte der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow nach Angaben der Agentur Itar-Tass am Dienstag. Die russische Schwarzmeerflotte hatte die 15 russischen Seeleute am Montag rund 300 Seemeilen vom westafrikanischen Inselstaat Kap Verde entfernt auf dem Schiff aufgespürt und befreit.

Angehörige der geretteten Seeleute und die russische Seefahrergewerkschaft beklagten am Dienstag aber, dass der russische Geheimdienst weiter den persönlichen Kontakt verhindere. "Ich weiß bisher nur aus den Nachrichten von der Befreiung", sagte Jelena Sarezkaja, die Ehefrau des "Arctic Sea"-Kapitäns Sergej Sarezki. Über den Verbleib der Männer ist bisher ebenfalls nichts bekannt geworden. Die Gewerkschaft forderte, die Seeleute umgehend nach Hause zu fliegen.

Verdächtige behaupteten, in Seenot zu sein

Die finnische Polizei konnte die Festnahme der Piraten am Dienstag nicht bestätigen. Die internationale Zusammenarbeit in dem mysteriösen Fall sei zwar bis zum Auffinden des angeblich mit Holz beladenen Schiffs "sehr gut" gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Helsinki. Doch funktioniere die Kooperation nicht "Minute für Minute". An der Befragung der Seeleute sei die finnische Polizei ebenfalls nicht beteiligt gewesen.

Die mutmaßlichen Entführer kommen laut Serdjukow aus Russland, Lettland und Estland. Sie seien durch russische Marine-Soldaten festgenommen worden, ohne dass dabei ein Schuss gefallen sei. Das Ziel des Überfalls ist weiterhin unklar. Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet, die finnische Reederei Solchart Management betonte jedoch, kein Geld für die Befreiung ihres Frachters gezahlt zu haben. Nach Darstellung des Verteidigungsministers hatten zwei Russen, zwei Letten und vier Esten die "Arctic Sea" bereits am 24. Juli in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht.

Die Entführer hatten sich dabei in einem Schlauchboot dem Frachter genähert und unter dem Vorwand, in Seenot geraten zu sein, die "Arctic Sea"-Besatzung um Hilfe gebeten. "Diese Leute haben die 'Artic Sea' geentert und die Besatzung unter der Androhung von Waffengewalt aufgefordert, ihren Anweisungen zu folgen", berichtete Serdjukow am Dienstag dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew unter Berufung auf Ermittler.

Der angeblich mit Holz im Wert von 1,3 Millionen Euro beladene Frachter war den Ermittlungen zufolge bereits seit Ende Juli in der Gewalt der Entführer. Nach dem Überfall seien alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden, sagte Serdjukow. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten um den Verbleib des Schiffs.

Rund 20 Länder hatten nach der 98 Meter langen "Arctic Sea" gesucht. Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin sprach von einer "glänzenden" Rettungsaktion. Das russische Kriegsschiff "Ladny" der Schwarzmeerflotte habe die Männer der "Arctic Sea" an Bord genommen. Laut Rogosin war die Situation "ernst". Er gab zu, dass zeitweise absichtlich falsche Informationen verbreitet worden seien, um die Ermittlungen und die Rettung der Crew nicht zu gefährden. Rogosin dankte ausdrücklich der Nato für ihre Hilfe bei der nervenaufreibenden Suche.

DPA/AP/Reuters/AFP / AP / DPA / Reuters