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Piraterie oder nicht?: Ein Mann verkaufte Software, die Microsoft verschenkt. Nun muss er dafür in den Knast

Bei Software-Piraterie kennt Microsoft keine Gnade. Das bekam nun auch Eric Lundgren zu spüren. Dabei wollte er nur etwas verkaufen, was es bei Microsoft ohnehin umsonst gibt - und das sogar aus einem guten Grund.

Windows 10 Laptop

Ein Notebook mit Windows 10 - Microsoft belohnt Finder von sicherheitsrelevanten Fehlern mit hohen Geldsummen.

Es gibt wohl kaum einen Computer-Nutzer, der nicht irgendwann einmal vor einem Rechner mit raubkopierter Windows-Version saß. Früher war Software-Piraterie für Microsoft ein gigantisches Problem, in einigen Ländern lag die Quote der illegal installierten Windows-Versionen bei über 90 Prozent. Das hat sich mittlerweile gebessert. Trotzdem geht der Konzern weiterhin knallhart gegen die illegalen Kopien vor. Das bekam nun auch Eric Lundgren zu spüren.

Lundgrens Verbrechen: Er hatte Windows-Versionen, die Microsoft zum kostenlosen Download anbietet, auf DVDs gebrannt - und dann zum günstigen Preis an PC-Händler verkauft. Um besonders bearbeitete Raubkopien handelte es sich aber nicht: Die Software ließ sich nur mit offiziell gekauften Windows-Schlüsseln aktivieren, wie sie auf vielen Fertig-Rechnern per Aufkleber mitgeliefert werden. Ganz so, wie Microsoft es auch vorgesehen hat. Im Prinzip sparte Lundgren seinen Kunden nur den Aufwand, das Programm herunterladen und auf einen Rohling brennen zu müssen.

Recycling oder Schaden?

Nun geht Lundgren dafür ins Gefängnis. Ein Berufungsgericht hat gerade das erste Urteil bestätigt. Der Richter folgte Microsofts Argumentation, jede der Kopien sei 25 Dollar wert - trotz der Tatsache, das Microsoft sie selbst kostenlos anbietet. Weil Lundgren 28.000 der DVDs orderte, entsteht so ein Schaden von 700.000 Euro. Lundgren hatte sogar noch Glück: Anfangs wurde eine DVD noch mit 299 Dollar bewertet, durch eine Intervention Microsofts wurde der Wert gesenkt. Lundgrens Argument, dass die Software ohne Schlüssel praktisch wertlos sei, wollte das Gericht nicht teilen. Die Strafe ist harsch: 15 Monate muss er ins Gefängnis.

"Das ist ein schwieriges Urteil", erklärte der Richter nach Angabe der "Washington Post". Und in Richtung von Lundgren: "Ich weiß alles, was Sie mir erzählt haben, zu schätzen. Sie sind eine bemerkenswerte Person." Lundgrens Motiv war nämlich nicht die Bereicherung - sondern der Umweltschutz. Er betreibt eine Firma, die Elektroschrott recycelt, kreierte mit seinen 100 Angestellten sogar schon ein Elektroauto. Auch die Windows-DVDs sollten Müll verhindern: Lundgren hatte festgestellt, dass viele Nutzer Windows nicht neu installieren konnten, weil sie die DVD weggeworfen hatten. Statt sich um eine neue zu kümmern, kauften sie lieber neue Computer. Diese Hürde wollte er mit seinen DVDs senken.

Zu weit gegangen

Allerdings machte er einen entscheidenden Fehler: Die DVDs wurden als Dell-Originale getarnt, waren damit nicht nur Kopien, sondern Fälschungen. Als Lundgren die Ladung von China 2012 in die USA einschiffte, fiel sie dem Zoll in die Hände. Sie lockten Lundgren in eine Falle. Keine seiner DVDs wurde je an einen echten Kunden verkauft.

Microsoft beruft sich nun auf die Fälschung, um gegen Lundgren vorzugehen. "Microsoft unterstützt aktiv Bemühungen, Elektromüll zu reduzieren", erklärte das Unternehmen gegenüber "Techcrunch". "Anders als die meisten Recycler hat Herr Lundgren aber gefälschte Software erstellt, die als echt getarnt war, und diese dann verkauft." Lundgren fühlt sich dagegen verfolgt. "Ich bin ihnen in den Weg gekommen", sagte er der "Washington Post". Microsoft gehe es darum, dass die Nutzer neue Lizenzen kaufen, ist er überzeugt. "Dieses Geschäftsmodell ist profitabler als ich es je sein könnte."