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Microsoft: Windows 10 für Smartphones ist offiziell tot - und selbst der Chef nutzt Android

Windows 10 war für Microsoft die vielleicht letzte Chance auf dem Smartphone-Markt Fuß zu fassen. Jetzt hat der Chef der Windows-Einheit verkündet, dass das System am Ende ist. Wie geht es nun weiter?

Microsoft Lumia 950

Mit einem kleinen Adapter ließ sich das Lumia 950 als vollwertiger Windows-PC benutzen

Microsoft war der König der Computerwelt, dann kam das Smartphone - und der Windows-Konzern verlor den Anschluss. Das Windows Phone kam zu spät, konnte nie echte Marktbedeutung erlangen. Mit Windows 10 griff man zum letzten Strohhalm. Nun ist auch der gebrochen.

Denn Windows-Chef Joe Belfiore hat bei Twitter nun offiziell gemacht, was viele Beobachter längst erwartet haben: Windows 10 für Smartphones wird keine weiteren Updates mit neuen Features entwickeln, sondern sie nur noch mit den nötigsten Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen versorgen. Auch neue Hardware - sprich eigene Smartphones mit dem System - wird es demnach nicht mehr geben. In den letzten Updates hatte das Mobile-Segment kaum noch eine Rolle gespielt, die letzten offiziellen Microsoft-Smartphones haben bereits zwei Jahre auf dem Buckel. Das dürfte der Todesstoß gewesen sein.

 

Die letzte Hoffnung ist am Ende

Dabei hatte Microsoft mit seinen Smartphone-Plänen für Windows 10 zunächst für echte Begeisterung gesorgt. Statt ein eigenes Betriebssystem für Desktop und Mobilgeräte zu entwickeln, läuft auf allen Windows-10-Geräten dasselbe System, jeweils mit einer eigenen Benutzeroberfläche. So konnte man ein Windows-10-Smartphone per Adapter als vollwertigen PC mit Monitor, Maus und Tastatur nutzen. Eine starke Idee.

Leider scheiterte sie am selben Problem wie der mit Version 8.1 eingestellte Vorgänger Windows Phone: Es gab schlicht zu wenige Apps für das neue System, das schreckte die Kunden ab. Die fehlenden Nutzer wiederum machten das System unattraktiv für App-Entwickler, sie sparten sich eine Windows-Version ihrer Programme. Ein Teufelskreis.

Microsofts baut auf eigene Apps

Auch Belfiore erkennt das in seinen Tweets an. "Wir haben uns alle Mühe gegeben, App-Entwickler zu gewinnen. Wir haben Geld gezahlt, die Apps für sie entwickelt... Aber die Nutzerzahlen sind den meisten Unternehmen einfach zu niedrig, um zu investieren :(", gibt er sichtlich deprimiert zu. Auch für sich selbst hat er den Schlussstrich gezogen - und ist auf Googles System Android gewechselt. Ein Schritt, den Microsoft-Gründer Bill Gates ebenfalls schon gegangen ist.

Wie es für Microsoft mit der Mobile-Strategie weitergeht, verrät Belfiore indirekt gleich mit. Man arbeitet gerade an Versionen des bisher Windows-10-exklusiven Browsers Edge für iOS und Android. Wie schon bei Office und anderen Microsoft-Produkten konzentriert der Konzern sich also darauf, die eigenen Dienste auf die etablierten Systeme zu bringen, statt selbst eines zu entwickeln.

Gefangen im System

Das grundsätzliche Problem löst man so aber nicht: Google und Apple versuchen, die Nutzer in den eigenen Ökosystemen zu halten, um sie zum Wechsel zur Konkurrenz abzuhalten. Tatsächlich setzen die meisten Nutzer auf die vorinstallierten Dienste, um etwa Mails abzurufen oder im Web zu surfen. Nutzt man aber etwa Apples Safari zum Surfen, kann man die Lesezeichen nicht mit Browsern unter Windows synchronisieren. Eine Befürchtung war deshalb lange, dass mit dem Wechsel der Nutzer auf Android und iOS auch ein Wechseln weg von Windows für Desktop-Rechner folgt. Ein Albtraum für ein Software-Unternehmen wie Microsoft.


Belfiore mag die Angst aber nicht teilen. "Die ganz, ganz große Mehrheit der Windows-, Office- und Xbox-Nutzer setzen auf mehrere unterschiedliche Ökosysteme", antwortet er bei Twitter einem Nutzer, der diese Befürchtung äußert. "Die meisten Menschen benutzen auf Smartphone und PC verschiedene Systeme." Noch kann Microsoft mit seiner PC-Vorherrschaft genügend Windows- und Office-Lizenzen verkaufen. Wie lange das angesichts des immer stärker werdenden Trends weg vom PC hin zum Smartphone so bleibt, steht auf einem anderen Blatt.