Tod eines Schwarzen auf Polizeiwache: Verfahren in Frankreich endgültig eingestellt

Assa Traoré
Assa Traoré
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Knapp zehn Jahre nach dem Tod eines jungen Schwarzen auf einer Polizeiwache nach einer brutalen Festnahme hat das höchste Berufungsgericht in Frankreich das Ermittlungsverfahren eingestellt. Der Anwalt der Familie des im Alter von 24 Jahren gestorbenen Adama Traoré kündigte umgehend an, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen. 

"Der Fall von Adama Traoré stellt in aller Klarheit die Frage nach Polizeigewalt und im System verankertem Rassismus", sagte Traorés Schwester Assa Traoré. "Wir sind empört und schockiert", sagte sie vor dem Gerichtssaal.  

Traoré war an einem sehr heißen Sommertag im Juli 2016 in einem Pariser Vorort festgenommen worden. Die Polizisten waren auf der Suche nach seinem Bruder gewesen. Nach einem Bericht der Zeitung "Libération" hatten die Polizisten zunächst ausgesagt, ihn zu dritt in Bauchlage auf den Boden gedrückt zu haben. Später dementierte dies einer ihrer Anwälte. 

Der junge Mann erlitt im Auto einen Schwächeanfall und starb zwei Stunden später im Hof der Polizeiwache. Bei der Festnahme gab es keine Zeugen. Die Autopsie beschrieb "Ersticken" als Todesursache. 

Die drei Polizisten wurden als Zeugen mit Beistand vernommen, aber nicht angeklagt. Der Fall bekam erneut Aufmerksamkeit, als 2020 der Afroamerikaner George Floyd an den Folgen von Polizeigewalt gestorben war. Dies hatte eine Protestwelle unter dem Motto "Black Lives Matter" (Das Leben von Schwarzen zählt) ausgelöst.

Ein erstes Verfahren wurde 2023 eingestellt. Ein Berufungsgericht bestätigte die Einstellung des Verfahrens. Die Richter erklärten aber, dass Traoré an einem Hitzschlag gestorben sei, der ohne das Einwirken der Polizisten "wahrscheinlich" nicht tödlich gewesen wäre.

Traorés Familie hatte anschließend Rechtsmittel eingelegt, um ein neues Verfahren und die Verurteilung der Polizisten zu erreichen. Sie forderten insbesondere eine Rekonstruktion der Festnahme. Das Kassationsgericht bestätigte nun jedoch erneut, dass der Fall in Frankreich nicht weiter verfolgt werde. 

AFP

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