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Rollenbilder und Tradition: Japans arbeitende Mütter: Warum Männer so wenig im Haushalt helfen

In keinem anderen der reichsten Länder der Welt helfen Männer so wenig im Haushalt wie in Japan. Das ist fatal - nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Wirtschaft im ganzen Land.

Japan: Das Kreuz der arbeitenden Mütter

Working Mum: Die Last der in Japan arbeitenden Mütter ist enorm. Sie müssen sich nicht nur um Haushalt und Kindererziehung kümmern, sondern nebenbei auch noch Geld verdienen. (Symbolbild)

Getty Images

Für Yoshiko Nishimasa endet der Papierkram nie, schreibt die "New York Times" in einem Stück über die arbeitenden Mütter in Japan. In keinem anderen Land helfen Männer so wenig im Haushalt wie in Japan - auch um die Kinderbetreuung kümmern sich vorrangig die Frauen. Das liegt an der klassischen Rollenverteilung im Land.

Erst in den späten 1970er Jahren fassten verheiratete Frauen Fuß auf dem japanischen Arbeitsmarkt. Bis dahin kümmerten sie sich ausschließlich um den Haushalt und die Kinder. Als die Immoblienblase in den 90er Jahren platzte, gingen noch mehr Frauen arbeiten, um die Familie finanziell über Wasser zu halten.

Die Mutter, anhand der die "New York Times" die Problematik erzählt, steht sinnbildlich für alle Mütter in Japan, die einem Beruf nachgehen. Sie haben es verdammt schwer. All der Papierkram, den Nishimasa täglich erfüllen muss, ist dabei gar nicht für ihren Job, sondern für die Vorschule ihrer Kinder. Dafür muss sie akribisch dokumentieren, über was sich ihre Kinder unterhalten, welchen Aktivitäten sie nachgehen und was sie zum Essen bekommen. Erledigen muss Nishimasa all das, bevor sie zur Arbeit geht. Und das ist erst der Anfang: Dann muss sie kochen, putzen, die Wäsche machen. Ein typisches japanisches Abendessen besteht aus vielen kleinen Speisen, die Zubereitung kostet Zeit, genauso wie die Lunch-Boxen für die Kinder. Sie können kleine Kunstwerke sein. All das macht sie zum größten Teil allein.

Die Männer helfen kaum im Haushalt

Der Berg an Bürokratie, den Frauen in Japan bewältigen müssen, ist enorm. Und gleichzeitig fordert die Regierung, Frauen müssen mehr arbeiten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Obwohl nie zuvor so viele Frauen in Japan gearbeitet haben als heute - 67 Prozent der japanischen Frauen gehen einem Beruf nach - können sie sich doch nicht voll entfalten und einer Karriere nachgehen. Das liegt auch daran, dass die häuslichen Pflichten nicht weniger geworden sind. Und die Männer normalerweise nicht helfen.

Um es in Zahlen auszudrücken: Laut einer Analyse der Keio-Universität in Tokio arbeiten Frauen mehr als 49 Stunden pro Woche, hinzu kommen in der Regel fast 25 Stunden Hausarbeit pro Woche. Männer helfen hingegen weniger als fünf Stunden pro Woche im Haushalt. Gesellschaftlich ist das in Japan ein Problem. Die Menschen arbeiten dort so viel, dass es für den "Tod durch Arbeit" sogar ein eigenes Wort gibt: "Karoshi" ist eine offiziell anerkannte Todesart, wegen der Unternehmen verklagt werden können und auf deren Verhinderung sich Kliniken spezialisiert haben. Die japanische Regierung versucht immer wieder, Initiativen ins Leben zu rufen, um den Arbeitseifer der Bürger zurechtzustutzen. Beispielsweise werden Unternehmen angehalten, ihre Mitarbeiter montags länger schlafen zu lassen. Lesen Sie mehr dazu hier.

Mütter arbeiten im Vergleich häufig in Teilzeit, verdienen weniger und haben keine Perspektiven auf Führungspositionen. Die japanische Wirtschaft aber stagniert seit Jahren, der Aufschwung wäre größer, wenn Frauen eine höhere Karriere anstreben könnten.

Gleichstellung der Frau? Von wegen

Das Paradoxe aber ist: Es werden nur diejenigen befördert, die Überstunden machen. Als Mutter aber ist das kaum möglich, deshalb bleiben viele Frauen - vor allem, wenn sie Kinder haben - auf der Strecke. Es ist ein Teufelskreis. Unternehmen gehen manchmal sogar so weit, dass Frauen, sobald sie verheiratet sind, eine Teilzeitstelle angeboten bekommen. Arbeitgeber gehen davon aus, dass wer heiratet, bald auch Kinder in die Welt setzen möchte.

Experten vermuten, würden Frauen in höheren Positionen arbeiten, könnte die Wirtschaft um zehn Prozent angekurbelt werden. In dieser Gleichung lastet aber alles auf der Frau: der Haushalt, die Kindererziehung - und augenscheinlich die Wirtschaft eines ganzen Landes. Die Männer schuften bis zum Umfallen oder trinken mit Kunden in einer Karaoke-Bar - diese Tradition ist in Japan tief verwurzelt. Da bleibt für Haushalt und Kindererziehung keine Zeit.

Quellen: "New York Times", "Guardian"