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"Ehrenmord"-Prozess: Dönerbuden-Besitzer tötete Tochter mit 68 Messerstichen

Weil er die eigene Tochter nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Namen der "Familienehre" mit 68 Messerstichen getötet hat, muss sich ein Dönerbuden-Besitzer von heute an vor Gericht verantworten.

Weil er die eigene Tochter nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Namen der "Familienehre" mit 68 Messerstichen getötet hat, muss sich ein Dönerbuden-Besitzer von heute an vor Gericht verantworten. "Der Angeklagte war mit dem modernen Lebensstil seiner Tochter nicht einverstanden", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Gündert am Dienstag. Tochter Büsra hatte einen Freund, surfte im Internet und kleidete sich wie eine deutsche Jugendliche - ihrem Vater gefiel das nicht. Im vergangenen Sommer soll der 46-jährige Türke seine Tochter mit einem Fleischermesser im Schlaf erstochen haben. Wegen Mordes muss er sich nun vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten.

Nach Günderts Worten hat der dreifache Vater Mehmet Ö. aus Wut über die Haltung der 15-Jährigen gehandelt. In Deutschland werden immer wieder vor allem muslimische Frauen wegen ihres Lebenswandels getötet - oft wird von sogenannten Ehrenmorden gesprochen. Die "Ehrlosen" werden häufig von Verwandten umgebracht, die sich zu Wächtern der Sittlichkeit berufen fühlen.

Die Anklage geht davon aus, dass der Feinkosthändler Ende Juni 2009 die schlafende Jugendliche angegriffen und getötet hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem seit 1991 in Deutschland lebenden Kaufmann vor, seine Tochter heimtückisch ermordet zu haben. Der geständige Mann wurde kurz nach der Tat festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind bis zum 10. März bisher sechs Verhandlungstage angesetzt worden.

DPA / DPA