HOME

"Eismann": Halbnackt auf den Gipfel der Welt

Er ist ein ganz Harter: Der niederländische Berufsabenteurer Wim Hof stellt Rekorde auf, die jenseits der Belastungsgrenzen zu liegen scheinen. Jetzt hat der Extremsportler ein neues Projekt. Nur mit einer Sporthose bekleidet will er den Mount Everest erklimmen.

Von Albert Eikenaar

Wim Hof, 47-jähriger Berufsabenteurer aus Amsterdam, ist ein Hartgesottener. Neulich legte er am Polarkreis auf nackten Sohlen einen halben Marathon zurück, bei etwa minus 30 Grad Celsius. Er und seine Füße überlebten die Strecke von guten 20 Kilometern fast unbeschadet.

Ohne extra Sauerstoff

Nun sucht der niederländische Messner eine neue Herausforderung: er will kommende Woche den Mount Everest beklimmen, halbnackt, nur in einer Sporthose, Handschuhen, einer Mütze und einem paar Bergstiefeln. Ohne extra Sauerstoff bei Temperaturen zwischen minus 20 und 30 Grad.

Hof, "der Eismann", kennt die Tücken der Berge. Er war schon mehrmals vor Ort, um die Umstände und Gegebenheiten intensiv zu studieren. Das führte zu seiner einzigartigen Idee, den höchsten Berg der Welt mit fast nacktem Körper hochzuklettern. 15 Etappen wird er dazu brauchen. Jeder Schritt ist präzise festgelegt, in einem fast militärisch organisierten Plan. Mitte Mai will er auf dem "Dach der Welt" ankommen, unterstützt von einer Helferstruppe von 3 anderen Niederländern, 4 Amerikanern und 6 Sherpa's, den tibetanischen Trägern und Bergführern. Wenn Hof es schafft, winkt ihm ewiger Ruhm: ein Platz im Guiness Buch der Rekorde. Diese Ehre ist ihm schon gewiss, wenn er eine Höhe von 7060 Metern erreicht, so hat er mit dem Verlag ausgemacht.

Gefühle der Spannung kennen

Was aber treibt einen Mann noch mehr dazu, nur spärlich bekleidet den Mount Everest zu besteigen? Es geht ihm, sagt er in der Amsterdamer Zeitung Het Parool auch darum, Selbstrespekt zu entwickeln, mentale Härte, Beherrschen von Ängsten, nicht um billige Sensation. Diese Gefühle der Spannung zu kennen, zu erleben, ist für ihn als Profi von Bedeutung bei den Psychotrainingen, die er gibt. Hof: "Diese Menschen haben etwas schreckliches erlebt und leiden noch ständig darunter, haben schlaflose Nächte, irre Albträume. Ich helfe ihnen, dieses Trauma zu durchbrechen. Ich lehre sie, etwas zu tun, wozu sie den Mut nicht haben. Deswegen muss ich wissen, wie weit ich in der Kälte selbst gehen kann". So sucht Wim Hof seine geistigen und körperlichen Grenzen im Hochgebirge, in ganz extremen Situationen. Denn der Berg kennt keine Gnade. 203 Personen kehrten seit 1920 nicht zurück aus dieser natürlichen Gefriertruhe. Die Luft dort oben im ewigen Schnee und Eis ist so dünn und hat so wenig Sauerstoff, dass man 15 Mal durchatmen muss, bevor man einen Schritt weiter gehen kann.

Der Niederländer entscheidet übrigens nicht allein, ob er bis zum Gipfel hochklettert. Falls die Gefahren zu unübersichtlich werden, die Wetterbedingungen zu schlecht, kann der Expeditionsleiter (der er selbst nicht ist) anordnen, zu stoppen - oder wenigstens spezielle Schutzkleidung anzuziehen. Sich selbst bewusst in tödliche Lebensgefahr zu bringen ist nicht sein Ding. Von Minute zu Minute wird die Situation beobachtet, extra Helfer sind im Notfall rund um die Uhr in nächster Nähe, wobei einkalkuliert ist, dass Hubschrauber bei 8000 Metern Höhe nicht fliegen können. Auch liegen alle möglichen Höhenkrankheiten auf der Lauer: Erfrierung, Gesichtsverlust, Halluzinationen. Die Verdauung stoppt.

Ohne Angst

Der niederländische Messner versucht, mit all diesen Übeln Rechnung zu tragen. Er will sich aber durchsetzen - "so lange ich mich gut fühle. Von Ängsten werde ich sowieso nicht mehr gehindert".