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50 Millionen Brasilianer im Dunkeln

Ein riesiger Stromausfall hat weite Teile Brasiliens in der Nacht zum Mittwoch stundenlang in Finsternis getaucht. Schätzungsweise 50 Millionen Menschen - mehr als ein Viertel der Bevölkerung - saßen im Dunkeln, tausende saßen in Fahrstühlen und U-Bahnen fest.

Ein riesiger Stromausfall hat weite Teile Brasiliens in der Nacht zum Mittwoch stundenlang in Finsternis getaucht. Schätzungsweise 50 Millionen Menschen - mehr als ein Viertel der Bevölkerung - saßen im Dunkeln, tausende saßen in Fahrstühlen und U-Bahnen fest. Die Ursache für den Blackout war vermutlich ein heftiges Unwetter, das mehrere Stromleitungen beschädigte und das größte Kraftwerk des Landes lahmlegte.

Der Stromausfall begann am Dienstagabend um 22.15 Uhr Ortszeit und dauerte gut vier Stunden. Betroffen waren auch die Millionenmetropole São Paulo und Rio de Janeiro, der Austragungsort der Olympische Spiele 2016. In beiden Städten riefen die Behörden die Bewohner auf, nicht auf die stockdunklen Straßen zu gehen. Aus Angst vor einer Kriminalitätswelle verstärkte die Polizei ihre Streifenfahrten, Beamte wurden aus dem Feierabend zum Dienst gerufen.

Bis zum Morgen kehrte der Strom in den meisten Gebieten wieder zurück. Einige Landesteile, darunter fast ein Viertel des Bundesstaates Minas Gerais, waren laut Fernsehberichten jedoch weiter ohne Elektrizität. Auch in Paraguay, das 90 Prozent seines Stroms aus Brasilien bezieht, fiel kurzzeitig der Strom aus.

Die Ursache für den gigantischen Blackout war offenbar ein heftiges Gewitter, das Stromleitungen zerstörte und zu einer Panne im größten Kraftwerk des Landes, dem Wasserkraftwerk Itaipu an der Grenze zu Paraguay, führte. Wie ein Vertreter des Energieministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden in den Bundesstaaten Paraná und São Paulo drei Hochspannungsleitungen zerstört, die Strom aus Itaipu transportierten.

Dem brasilianischen Energieminister Edson Lobão zufolge fiel das Kraftwerk nach einer "Kettenreaktion" komplett aus und musste neu hochgefahren werden. Auch Itaipu-Chef Jorge Miguel Samek sagte, es habe ein Problem mit Stromleitungen gegeben. Itaipu, das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt, hat eine Leistung von 14.000 Megawatt. Es liefert 20 Prozent des brasilianischen Strombedarfs.

In einer Sondersitzung wollte das Energieministerium noch am Mittwoch mit den Netzbetreibern des Landes über die Gründe für die Panne sowie Maßnahmen beraten, um ähnliche Ausfälle in Zukunft zu vermeiden. Die Behörden sind besorgt über einen möglichen Imageverlust vor den Olympischen Spielen 2016 und der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Rio.

Erst zwei Tage vor dem Stromausfall hatte der US-Sender CBS einen Bericht gezeigt, in dem nicht näher genannte frühere US-Sicherheitsspezialisten behaupteten, Internet-Hacker hätten 2005 und 2007 weitreichende Stromausfälle in Brasilien herbeigeführt.

AFP / AFP