Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
für Andrew Mountbatten-Windsor und das britische Königshaus war es ein erneuter Tiefpunkt in der Dauerkrise: An seinem 66. Geburtstag wurde der Ex-Prinz von der Polizei festgenommen und über Stunden festgehalten. Sein neuer Wohnsitz Sandringham wurde Berichten zufolge ebenso durchsucht wie seine frühere Residenz in Windsor.
Andrews Bruder König Charles und Königin Camilla weilten währenddessen bei der Eröffnung der London Fashion Week und wirkten ebenso überrumpelt wie der Rest der Welt. Kein Wunder: Wie der in der Regel sehr gut informierte „Telegraph“ mit Bezug auf namentlich nicht genannte Polizeiquellen schreibt, ging der Aktion eine tagelang akribisch geplante und geheim gehaltene „Confidential Operation“ der britischen Polizei voraus. Weder der König, noch sonst wer im Buckingham-Palast wurden demnach auch nur kurz vorher informiert. Der Quelle zufolge wussten möglicherweise nicht einmal die ausführenden Beamten selbst, wen sie an diesem Tag festnehmen würden.
Andrew ist wieder frei, die Ermittlungen gehen weiter
Demnach wurde den mindestens 20 Beteiligten wahrscheinlich lediglich aufgetragen, sich in den frühen Morgenstunden zum Dienst zu melden. Es könne sogar sein, dass sie ihre Mobiltelefone abgeben mussten und erst dann die Einsatzbeschreibung bekamen, heißt es. Anschließend fuhren sie in zivilen Autos los. Das scheint durchaus nachvollziehbar. Es dürfte für die Ermittler im Vorfeld gar nicht so einfach gewesen sein, Haft- und Durchsuchungsbeschlüsse zu bekommen. Der heikle Einsatz durfte also auf keinen Fall gefährdet werden, Flucht oder Verdunkelung mussten verhindert werden.
Aus Polizeisicht dürfte die Geheim-Operation als Erfolg bewertet werden. Andrew kam zwar nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß, die Ermittlungen gegen ihn laufen aber weiter.
Bemerkenswerterweise wurde der Ex-Prinz, der wegen seiner unrühmlichen Verbindungen zum gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein all seine Titel verlor, jedoch nicht wegen des Vorwurf des sexuellen Missbrauchs festgesetzt. Sondern wegen Missbrauchs seines Amtes als Prinz und Gesandter des britischen Staates. Für meine Kollegin Cornelia Fuchs zeigt das: Das Problem ist nicht allein die Person Andrew. Sondern die Institution, die ihn jahrzehntelang trotz all seiner Verfehlungen (und das waren einige) schützte.
Neuer Investigativ-Podcast über die „Letzte Verteidigungswelle“
Acht Monate lang tauchte meine Kollegin Angelique Geray undercover als vermeintliche „Kameradin“ in die Neonazi-Szene ein, chattete mit Mitgliedern, führte Gespräche und traf sie persönlich. Dabei geriet sie tiefer in die rechtsextreme Parallelwelt der selbsternannten "Letzten Verteidigungswelle“, als sie je erwartet hätte.
Die 2025 veröffentlichten Recherchen des Investigativ-Teams von RTL und stern trugen dazu bei, einen geplanten Anschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Brandenburg zu verhindern. Ich war damals unter anderem mit einer interaktiven Karte an der grafischen Aufbereitung der Recherchen beteiligt und sehr beeindruckt vom Mut der Kollegin.
Der Podcast „Braune Kinderzimmer“ blickt nun exklusiv ins Innere dieser mutmaßlichen rechtsextremen Terrorzelle. Bislang unveröffentlichte Inhalte gewähren einen schonungslosen Einblick in die Gedankenwelt der Jugendlichen der „Letzten Verteidigungswelle“.
5-Minuten-Talk: Was Merz auf dem CDU-Parteitag fürchten muss
Die CDU trifft sich heute und morgen in Stuttgart zum Parteitag. Es ist eine nervöse Partei, die da zusammenkommt. Eine, der die AfD im Nacken sitzt. Die mit Problemen in der Regierungskoalition kämpft. Und deren Vorsitzender Friedrich Merz als Bundeskanzler nicht mehr so reformwillig scheint wie als Wahlkämpfer.
Merz stellt sich als Parteichef zur Wiederwahl, dazu wählen die Delegierten den gesamten Bundesvorstand. Eine Reihe von Anträgen hat es politisch in sich. Es gibt genügend Dinge also, weswegen der Parteitag für den Kanzler schwierig werden könnte. Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz erklären, was Merz fürchten muss.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Freitag, dem 20. Februar 2026
- Medizinische Fachgesellschaften veröffentlichten Leitlinie zu Stilldauer
- CDU-Parteitag in Stuttgart
- Bundesliga: FSV Mainz 05 – Hamburger SV (20.30 Uhr)
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Vor einigen Jahren erhielt ich eine Rheumadiagnose. Neben der Therapie mit Biologika setzte ich auch auf eine Ernährungsumstellung und ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel Vitamin D und Omega 3. Ich tat dies damals in enger Rücksprache mit meinem Arzt.
Denn: Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel in der Regel frei verkäuflich sind, sind sie nicht frei von Risiken. Meine Kollegin Nicole Simon und mein Kollege Bernhard Albrecht erläutern, warum viele Nahrungsergänzungsmittel falsch dosiert sind, wann Ihnen Nebenwirkungen drohen – und was die Medizin wirklich empfiehlt.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und ein schönes Wochenende!
Patrick Rösing