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Ausstellung: "Hitler und die Deutschen": Faszination Führer

Erstmals widmet sich eine Ausstellung in Deutschland dem größten Nemesis der deutschen Geschichte, Adolf Hitler. Kuratorin Erpel erklärt, warum Hitlers Dinner-Jacket nicht präsentiert wird und sie nicht mit einem Ansturm von Neo-Nazis rechnet.

Zum ersten Mal beschäftigt sich in Deutschland eine Ausstellung mit der Wirkung Hitlers auf die Bevölkerung. Die Kuratorin der Schau im Deutschen Historischen Museum Berlin, Simone Erpel, erläutert das Konzept der Ausstellung. Einige der 600 Exponate würden der Öffentlichkeit erstmals präsentiert. Erpel erklärt zudem, warum Hitlers Dinner-Jacket nicht präsentiert wird und sie auch nicht mit Neo-Nazis in der Ausstellung rechnet. Mit Erpel sprach dapd-Korrespondent Holger Mehlig.

Was ist das Besondere an der Ausstellung?

Erpel: Es geht um das Wechselverhältnis zwischen Hitler und der Bevölkerung. Das ist die erste Ausstellung zu der Fragestellung, worauf die Faszination Hitlers in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Diese Faszination ging ja durch alle gesellschaftlichen Schichten. Wie war es möglich, dass Hitler auf eine so breite gesellschaftliche Akzeptanz in Deutschland traf? Was hat die Gesellschaft in ihm gesehen? Was für Sehnsüchte bündelte er, welche Ängste mobilisierte er? Das kann natürlich nicht monokausal erklärt werden. Eine Rolle spielen der verlorene Erste Weltkrieg und die ungeliebte Weimarer Republik. Die Nachkriegsgesellschaft war eine Krisengesellschaft, die nach einer nationalen Lichtgestalt suchte und sie in Hitler fand. Der bediente sie sehr gut. Er hatte einen großen Machtanspruch, den er ja auch in der NSDAP durchsetzte. Es ist eine Ausstellung zur Wirkung Hitlers, keine Hitler-Ausstellung.

Gibt es bislang noch nie gezeigte Exponate?

Erpel: Erstmals werden Briefe von Bewunderern gezeigt, die Hitler 1932 erhielt und aus denen zu lesen ist, wie groß die Sehnsucht nach einem Führer war. Erstmals zu sehen ist aber auch das sogenannte rote Album aus Heilbronn, in dem Bilder von einem SA-Fotografen aus dem Jahr 1933 den Machtwechsel dokumentieren. Erstmals ausgestellt ist auch eine Tapisserie mit einem Zyklus aus der Nibelungen-Sage, die 1945 an das Goebbels-Ministerium geliefert wurde.

Haben Sie Angst, mit der Ausstellung Neo-Nazis anzulocken?

Erpel: Nein. Wir haben die Ausstellung zwei Jahre lang vorbereitet und uns genau überlegt, wie mit Propagandabildern umzugehen ist. Da haben wir Wege in der Präsentation gefunden. Das wird für Rechte nicht ergiebig sein. So haben wir beispielsweise einer Wochenschau, in der ein Mussolini-Besuch gezeigt wird, Bilder aus Chaplins Film "Der große Diktator" gegenübergestellt.

Es gab doch schon einmal Pläne zu einer Ausstellung über Hitler...

Erpel: Vor sechs Jahren war bereits eine Ausstellung zu Hitler geplant. Sie sollte unter dem Titel "Hitler und das NS-Regime" laufen. Das Konzept fand damals keine Mehrheit, weil es eine biografische Ausstellung gewesen wäre.

Zeigen Sie Original-Uniformen oder persönliche Gegenstände von Hitler?

Erpel: Das Dinner-Jacket von Hitler aus dem Staatlichen Museum Moskau oder andere Originaluniformen von Hitler zeigen wir nicht. Von der Schau soll keine Faszination für Hitler ausgehen. Solche Berührungsreliquien bergen die Gefahr eines Führerkults. Auch wenn Hitler so etwas nur einmal angezogen hat. Es soll aber Distanz zwischen Besuchern und Hitler gewahrt bleiben. Auch das angebliche Schädelfragment Hitlers aus Moskau zeigen wir nicht. Das würde ja auch nichts zum Erkenntnisgewinn beitragen. Außerdem wäre es pietätlos.

Holger Mehlig, APN / APN
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