Badeunfälle Der tödliche Sprung ins kalte Nass

Der Sommer ist verregnet und kalt, dennoch sind dieses Jahr verhältnismäßig viele Menschen bei Badeunfällen ums Leben kommen: 324 bislang. Die Hauptursachen, so der DLRG, Selbstüberschätzung, Übermut und Alkohol.
Von Niels Kruse

Es gab nicht viele Tage in diesem verregneten Sommer 2007, an denen Seen, Schwimmbäder und Meeresbuchten so richtig zum Baden eingeladen haben - trotzdem sind bislang mehr Menschen beim Schwimmen ums Leben gekommen als in Jahren mit vergleichbaren Temperaturen, nämlich 324. Zum Vergleich: In den kühlen Jahren 2005 gab es 267 Tote und im Jahr davor 240 tödliche Badeunfälle. Zahlen, die jetzt die Lebensrettungsgesellschaft DLRG bekannt geben hat

Hauptursache für die vielen Unfälle seien "Selbstüberschätzung, Übermut und Alkohol", sagt Martin Janssen, DLRG-Sprecher zu stern.de. Vor allem die kurzen Hitzeperioden sind trügerisch. Das Wasser erwärmt sich zwar, aber nur an der Oberfläche, "bereits in 50, 60 Zentimeter Tiefe wird es deutlich kühler".

Lieber parallel zum Ufer schwimmen

Die Folge: Das Wasser entzieht dem Körper Wärme, er fängt an zu frieren, die Muskeln schmerzen, es kommt zu Krämpfen, der Schwimmer verliert die Kontrolle und ertrinkt im schlimmsten Fall. Der Lebensretter empfiehlt daher, lange Schwimmstrecken lieber parallel zum Ufer zurückzulegen als ins Wasser hinaus zu schwimmen.

Auch leichtsinnige Sprünge ins Unbekannte haben in der Vergangenheit immer häufiger zu schweren Unfällen bis hin zum Tod geführt. Allein in den Jahren 2000 bis 2005 sind bei Sprüngen von der Brücke in den Fluss oder von einem Ast in den Badesee 363 Menschen ums Leben gekommen, 126 waren anschließend querschnittgelähmt. "80 Prozent aller Todesfälle und Behinderungen hätten verhindert werden können; in 40 Prozent war Alkohol im Spiel", so Martin Janssen.

Bayern und Nordrhein-Westfalen liegen in der traurigen Badeunfall-Statistik vorne, 50 Todesfälle hat es im Laufe des vergangenen Jahres dort gegeben, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Als gefährlichste Gewässer gelten Flüsse und Bäche. In ihnen starben 139 Menschen. In Seen und Teichen dagegen "nur" 100.

Flussschwimmen wird auch deswegen beliebter, weil die Gewässer immer sauberer werden. Nicht jedoch ungefährlicher. So sei der Rhein "Deutschlands risikoreichster Fluss", sagt Janssen. Nicht nur wegen der vielen Schiffe, die auf ihm entlang fahren, sondern vor allem wegen den unberechenbaren Strömungsverhältnisse. "In Untiefen im Flussbett und an kleinen Landungsstegen – überall können sich Strudel bilden, die selbst geübte Schwimmer nach unten in den Tod ziehen" - heißt es etwa in einer Infobroschüre der Stadt Köln.

Sogwirkung nicht unterschätzen

"Auch die Sogwirkung von kleinen Schiffen sollte man nicht unterschätzen", so Janssen. Auch hier gelänge es geübten Schwimmern oft nicht, sich der zu entziehen. Zudem verhalten sich die meisten Menschen falsch, wenn sie in einen Strudel geraten. Statt dagegen an zu schwimmen, solle man sich mitreißen lassen und versuchen seitlich herauszukommen, sagt der Lebensretter. "Auch wenn man dann am Strand 300 Meter wieder zurücklaufen muss."

Mehr zum Thema

Newsticker