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Berlin Lkw-Fahrer überfährt zum zweiten Mal einen Menschen, eine junge Frau stirbt – und er muss nur 1000 Euro zahlen

Unfallspuren an einem Lkw in Berlin. Unfälle haben hier immer wieder schwerwiegende Folgen.
Unfallspuren an einem Lkw in Berlin. Unfälle haben hier immer wieder schwerwiegende Folgen.
© DPA
Wer sich wirklich etwas trauen möchte, der fährt im 21. Jahrhundert in großen deutschen Städten mit dem Rad. Es wirkt nicht nur gefährlich, es ist es auch. Lebensgefährlich.

Es sind zwei Sachen, die sich wiederholen im Fall von Cindy Bohnwagner. Die Erste ist die Kreuzung in Berlin im Prenzlauer Berg: Bohnwagner fährt dort entlang, als sie mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit ist. Sie arbeitet als Pflegerin, wollte zur Charité. Dann kommt der Lkw, überfährt sie, an den Folgen stirbt sie zwei Wochen später. Sie ist nicht das einzige Todesopfer an dieser Kreuzung, nicht einmal in diesem Jahr. Weitere zwei Menschen werden dort im Laufe des Jahres 2021 sterben.

Das zweite, was sich wiederholt: André F, der Fahrer hinter dem Steuer des Lkw, hat schon einmal einen Menschen überfahren. Seinen Führerschein hat er erst seit 2017, zwei Jahre später baut er den ersten schwerwiegenden Unfall mit seinem Truck, ein Mann muss mit schweren Verletzungen ins Koma versetzt werden.

Weitere zwei Jahre später überfährt er Cindy Bohnwagner, ein vermeidbarer Unfall: Sein Lkw ist laut "Tagesspiegel" mit allerlei digitalen Helfern ausgestattet, die ihn unterstützen und warnen sollen. Ein Gutachter sagt: Ein Blick in die 360-Grad-Kamera oder in die Spiegel und er hätte Bohnwagner sehen müssen. André F. ignoriert die Helferlein und er ignoriert auch die StVO, in der es heißt: Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen dürfen innerorts nur mit Schrittgeschwindigkeit abbiegen. Als er Bohnwagner erwischt, ist sein Lkw rund 22 Stundenkilometer schnell.

Die Strafe für den doppelten Unfallverursacher fällt gering aus: Acht Monate auf Bewährung wegen Fahrlässiger Tötung, daneben muss André F. 1000 Euro Strafe an die Kindernothilfe zahlen, kann die Geldstrafe in monatlichen Zahlungen abstottern.

Seinen Beruf ist er dennoch los: Schon nach dem Unfall 2019 wollte er mit dem Lkw-Fahren aufhören, fuhr dann auf Bitten seiner Kollegen doch weiter. Nach dem zweiten Unfall bat er seinen Chef nun um eine Umschulung.

Quellen:stern.de (€), "Tagesspiegel (€)"

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