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Besuch beim Billig-Friseur: Der Rasenmäher-Mann

Der Preis war heiß: Waschen, Schneiden, Föhnen für zehn Euro. Ein Angebot, dem stern.de-Redakteur Christoph Schäfer nicht widerstehen konnte. Zum ersten Mal in seinem Leben besuchte er einen Discount-Friseur. Das Experiment endete blutig.

Schneller Schnitt für kleinen Preis: Beim Discount-Friseur lässt sich bares Geld sparen

Schneller Schnitt für kleinen Preis: Beim Discount-Friseur lässt sich bares Geld sparen

Ich bin mal wieder fällig. Behaart bis über die Ohrenspitzen sieht meine Kurzhaar-Frisur äußerst unglücklich aus. Abhilfe muss her. Doch weil mir die 23 Euro für meinen letzten Friseur-Besuch zu teuer waren, soll es diesmal billiger werden.

Rettung verspricht "Hair Fix"*, ein Discount-Friseur an einer großen Einkaufsstraße im Hamburger Osten. Im Schaufenster lockt eine mannshohe Preistafel: Kurzhaarschnitt mit Föhnen für Männer nur 8,80 Euro. Waschen kostet 1,10 Euro extra. So was suche ich!

"Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!"

Die Tür steht offen, doch der Preis ist so billig, dass ich den Laden misstrauisch betrete. Vielleicht sollte ich doch lieber … Zu spät, kaum fünf Schritte im Geschäft, gibt es kein Zurück mehr. "Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!", ruft mir ein quirliger Araber Anfang 30 entgegen und zeigt auf einen freien Stuhl.

Der gute Mann hat's eilig. Der Begrüßungshandschlag entfällt, das notorische "Hallo, ich bin der XY" gibt's auch nicht. Bevor ich ein Wort sagen kann, habe ich einen Plastikschutz um und der Friseur - nennen wir ihn Rachid - die Schere in der Hand. Rachid klappert mit der Schere, wartet auf meine Ansage. Mit meinem nächsten Schritt hat er nicht gerechnet.

Zeit ist Geld

"Würden Sie bitte erstmal waschen?", frage ich. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn meine Haare sind voller Gel. Zu meiner Überraschung verzieht der Barbier das Gesicht, er hätte offensichtlich lieber verklebte Haare bearbeitet. Wortlos zeigt er zum Waschbecken ein paar Meter weg. Das Elend nimmt seinen Lauf.

Auch beim Waschen geht es fix zur Sache. Zeit ist Geld, und wie viel Zeit darf man für 1,10 Euro schon erwarten? Ob die Wassertemperatur recht ist, interessiert keinen Menschen. Das Shampoo wird nicht aufgetragen, sondern mir hörbar auf den Kopf geklatscht. In Windeseile verteilt der Friseur die schaumige Masse, mit kreisenden Handbewegungen shampooniert er meine Ohren (!) kostenlos mit. Mit einem Rest von Haarwaschmittel auf dem Kopf geht es zum Platz zurück.

Spuk vorbei, Haare ab

Rachid will nun endlich wissen, wie er schneiden soll. Weil er offensichtlich kaum Deutsch spricht, trage ich ihm meine Wünsche langsam vor: "Auf dem Kopf möglichst kurz, gerne so zwei Zentimeter. Die Seiten bitte trotzdem nicht radikal abrasieren, das macht mein Gesicht zu schmal." Der Friseur nickt, fragt nichts nach. Ich bin nicht sicher, ob er meine Wünsche verstanden hat.

Der Barbier legt los. In gespenstischer Geschwindigkeit fallen meine Haare der Schere zum Opfer. Sie ist lang, spitz und steht nie still. Sie öffnet und schließt sich ohne Unterlass, wie beim Stepptanz erfüllt ein schnelles metallisches Klackern die Luft. Leider arbeitet Rachid zu schnell. Ein stechender Schmerz lässt mich zusammenzucken, schreiend greife ich mir hinters Ohr. Ergebnis: Ein schmales Rinnsaal Blut fließt meinen Zeigefinger herunter. Nicht schlimm, aber unangenehm. Der Friseur brummelt irgendetwas, auf eine Entschuldigung verzichtet er.

Wenige Minuten später ist der Spuk vorbei. Die Haare sind ab, an den Seiten zu kurz und meine Geheimratsecken (da werden die Haare sonst etwas länger gelassen) vollständig freigelegt. Auf zwei Meter Abstand relativiert sich alles, dann sieht es ganz OK aus. Zum Abschluss gibt es an der Kasse zwei weitere Premieren in meinem Leben: Ich bezahle nur 9,90 Euro für einen Friseurbesuch - und keinen Cent Trinkgeld.

*Name von der Redaktion geändert