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Bildungsoffensive China will Jungen "männlicher" machen – mit mehr Sport

Chinesische Schüler führen eine Fußballübung in der Duqiao-Grundschule in der Stadt Linhai durch
Mehr Sport soll zur "Kultivierung der Männlichkeit" beitragen
© Pan kanjun / Picture Alliance
Der chinesischen Regierung sorgt sich um den männlichen Nachwuchs des Landes. Die Jungen müssten – Zitat – "männlicher" gemacht werden. Dabei sollen vor allem Sportlehrer helfen. Was man in China aber genau unter "Männlichkeit" versteht, wird nicht weiter erklärt.

In China befürchtet man, die Jungen des Landes könnten nicht männlich genug sein – was auch immer genau das bedeuten mag. Mancher sieht gar eine "Feminisierung" der männlichen Jugend, die "das Überleben und die Entwicklung der chinesischen Nation" bedrohe. In einer kürzlich veröffentlichten Presseerklärung stellt das chinesische Bildungsministerium umfassende Pläne vor, mit deren Hilfe unter anderem Jungen "männlicher" erzogen werden sollen. Und offenbar ist man in China der Überzeugung, dass vor allem Sport Jungen zu Männern macht. Die Regierung kündigt eine umfassende Bildungsoffensive an, laut der der Sportunterricht an Schulen und Universitäten massiv an Bedeutung gewinnen soll.

Die Behörden rufen die Bildungseinrichtungen dazu auf, die sportliche Erziehung stärker in den Fokus zu rücken. Dazu sollen unter anderem zusätzliche Sportlehrer eingestellt werden. Etwa 20.000 Stellen für Sportpädagogen habe man in den vergangenen Jahren bereits geschaffen. In einem nächsten Schritt sollen die Lehrmethoden der Erzieher reformiert werden, und "der "Männlichkeit" der Schüler mehr Aufmerksamkeit geschenkt" werden. Eine konkrete Erläuterung des Männlichkeitsbegriffs bleibt das Ministerium in der Mitteilung allerdings schuldig.

Keine Fitness, kein Abschluss

Laut "BBC" zeigt sich die Regierung bereits seit längerem besorgt darüber, dass die populärsten männlichen Vorbilder des Landes nicht länger starke, athletische Figuren wie etwa "Armeehelden" sind. Präsident Xi Jinping gelte selbst als großer Fußballfan und versuche bessere Sportler heranzuziehen. Tatsächlich heißt es in der Bekanntmachung, der Schulfußball werde "energisch ausgebaut" und jeder Schüler müsse ein bis zwei Sportarten beherrschen.

Zu dieser "Kultivierung der Männlichkeit" soll auch ein neuer Prüfungsmechanismus beitragen: Körperliche Fitness soll Voraussetzung für einen Schulabschluss werden. Mit Ausnahme von Schülern, die vom Sportunterricht befreit sind, würden dann Abschlusszeugnisse nur an Schüler verteilt werden, die dem körperlichen und sportlichen Standard entsprechen. Die Erfüllung dieser neuen, nationalen Standards werde dazu beitragen "gute Bewegungsgewohnheiten und einen gesunden Lebensstil zu entwickeln, einen starken Willen zu verfeinern und einen kooperativen Geist zu kultivieren."

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"Feminisierung" bedrohe Entwicklung der Nation

Der "BBC" zufolge sorgte dies online für reichlich Empörung – das Vorhaben der Staatspartei sei vielfach als sexistisch kritisiert worden. Andere Nutzer verteidigten die Sichtweise und würden die Schuld für das angebliche Problem bei männlichen Prominenten sehen, die ein "falsches Bild von Männlichkeit" verbreiteten.

Bereits im Mai 2020 erklärte Si Zefu, ein Delegierter von Chinas oberstem Beratergremium, dass viele von Chinas jungen Männern "schwach, schüchtern und selbstverliebt" geworden seien. Weiter behauptete er, es gebe unter den Männern einen Trend zur "Feminisierung, der "unweigerlich das Überleben und die Entwicklung der chinesischen Nation gefährden" würde, wenn er nicht "effektiv gesteuert" werde. Zefu äußerte in einer Presseerklärung die Vermutung, dass dies mit einer Verwöhnung der Jugend durch Chinas Ein-Kind-Politik zu tun hat. Außerdem würden Kinder im Kindergarten und in der Grundschule meist von Lehrerinnen unterrichtet und den Großteil ihrer Zeit zu Hause mit ihren Müttern und Großmüttern verbringen. Einer seiner Lösungsvorschläge damals lautete: mehr männliche Sportlehrer, "um den Einfluss der Männlichkeit zu erhöhen."

Quellen: Pressemitteilung chinesisches Bildungsministerium; Pressemitteilung "China Development Network"; "BBC"

yks

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