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Chinas erste Taikonautin Liu Yang: Zwischen Raketenstarts und Tradition

Das Lächeln ist ihr Markenzeichen - doch dahinter verbergen sich stahlharte Nerven. Mit der 33-jährigen Liu Yang feiert China seine erste Astronautin. Ihre Schwiegereltern haben aber schon wieder andere Pläne für sie: Jetzt soll möglichst bald ein Baby folgen.

Als Liu Yang nach der Landung aus der Luke der Raumkapsel von "Shenzhou 9" klettert, zeigt die erste chinesische Astronautin wieder ihr berühmtes Lächeln. Der Moderator des Staatsfernsehens ist verzückt: "Sie lächelt immer." Die erste Chinesin im All brauchte deutlich länger als ihre männlichen Kollegen, bevor sie endlich im weißen Raumanzug als letzte aus der Kapsel hervorkam, strahlte aber trotz der zweiwöchigen Strapazen im All und der harten Landung im Grasland über das ganze Gesicht.

Zwei Wochen hatte die 33-Jährige mit Kommandant Jing Haipeng und ihrem Kollegen Liu Wang im All verbracht - länger als chinesische Astronauten je zuvor. Im Raummodul "Tiangong 1", übersetzt "Himmelspalast", testeten sie die lebenserhaltenden Systeme für eine Raumstation, die China bis 2020 bauen will. Wegen der langen Schwerelosigkeit wirkt Liu Yang noch unsicher auf den Beinen, wird sofort in einen Campingstuhl gesetzt und winkt unter dem Applaus der Bergungsmannschaft guter Dinge in die Kameras.

"Tiangong war unser Zuhause im All", sagt Liu Yang dem Reporter des Staatsfernsehens ins Mikrofon. "Es war sehr gemütlich", sagt Chinas erste Astronautin der Nation wieder lächelnd, als wenn nichts gewesen wäre. "Ich bin stolz auf unsere Nation", fügt sie noch hinzu und nimmt einen Strauß bunter Blumen in Empfang. Die Staatsmedien überschlagen sich vor Stolz. Anders als bei ihren männlichen Kollegen verbreiten sie jedes Details ihres Lebens.

Nerven aus Stahl und ein staatlicher Ruck in die richtige Richtung

"Auch wenn Liu Yang schüchtern war, lachte sie sehr gerne", wird eine Schulkameradin zitiert. "Sie lacht immer, wenn sie redet - und sie ist sehr hartnäckig." Fliegen war nicht einmal ihr Lebenstraum. Eher Anwältin wie in Fernsehserien. Als die Luftwaffe zu ihrer Oberschule in Zhengzhou in der Provinz Henan kam, um Rekruten auszusuchen, wurde ihr Lebensweg vorgezeichnet. "Meine Noten waren gut. Meine Augen waren gut. Meine Größe entsprach dem Standard", verriet Liu Yang der Staatsagentur Xinhua. "Die Klassenlehrerin fand es gut, Pilot zu werden, und schrieb mich ein, ohne mich zu fragen."

Ihre Eltern fanden den Job im Cockpit eines Kampfjets viel zu gefährlich, machten sich schon beim ersten Fallschirmsprung große Sorgen. Die Luftwaffe galt ohnehin als Männerwelt. Doch die junge Frau hatte Spaß an der Pilotenausbildung, bewies in kritischen Situationen stahlharte Nerven. Beim Start zu einem Trainingsflug 2003 kollidierte ihr Jet mit einem Taubenschwarm. Rauch breitete sich in der Kabine aus. Das Flugzeug wackelte, verlor an Strom. Liu Yang versuchte eine Notlandung.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich das gelernt hatte und meine Maschine in recht gutem Zustand war. Das Triebwerk war angeschlagen, aber hatte noch Strom. Deswegen war ich nicht sehr nervös", erzählte Liu Yang in einem Interview. "Ich war zuversichtlich, dass ich den Jet landen konnte." Erst nach der Landung wurde klar, wie gefährlich der Schaden war, weil die Tauben den Ansaugstutzen blockiert hatten.

Vor drei Jahren hatte Liu Yang noch ganz andere Pläne, als in den Weltraum zu fliegen. Mit ihrem Mann, der auch beim Militär arbeitet, hatte sie Nachwuchs geplant, wie ihr Schwiegervater der Zeitung "Sanxia Wanbao" verriet. Doch als sie 2010 ins Astronautenprogramm aufgenommen wurde, wurde die Familiengründung verschoben. Nach ihrem erfolgreichen Raumflug hofft ihr Schwiegervater jetzt, bald Großvater werden zu können: "Als nächstes wünsche ich mir, dass sie möglichst bald ein Baby haben kann - aber natürlich nur unter der Voraussetzung, dass es ihre Arbeit nicht beeinträchtigt."

Von Andreas Landwehr, DPA / DPA
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