Der Fall Maria Bögerl Neue Spekulationen um Lösegeld-Übergabe


Die Trauer ist groß in Heidenheim, dem Wohnort von Maria Bögerl. In zwei Gottesdiensten wollen die Menschen Abschied von der getöteten Bankiersfrau nehmen. Inzwischen gibt es neue Spekulationen über die geplatzte Geldübergabe. Angeblich wollte der Ehemann das Geld unbedingt selbst besorgen.

Fast eine Woche nach dem Fund der Leiche der entführten Maria Bögerl gedenken die Menschen in zwei Gottesdiensten der Frau des Sparkassenchefs. Ihre Angehörigen werden am Mittwoch mit einer Trauerfeier von der ermordeten Bankiersfrau Abschied nehmen, teilte die Familie mit. Ebenfalls am Mittwoch wird der Fall erneut Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" sein.

Die gescheiterte Lösegeld-Übergabe wirft unterdessen laut einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" weitere Fragen auf. So soll der Ehemann darauf bestanden haben, die 300.000 Euro selber zu besorgen - anstatt auf Geld zurückzugreifen, das Banken in solchen Fällen zur Verfügung stellen, berichtet das Blatt. Deshalb soll Bögerl auch um einen zeitlichen Aufschub gebeten haben. "Er wollte alles dafür tun, dass das Leben seiner Frau nicht gefährdet wird", zitiert das Blatt einen Ermittler.

Fühlte der Entführer sich getäuscht?

Der Witwer, Chef der Sparkasse Heidenheim, widersprach dieser Darstellung. "Ich habe nie darauf bestanden, das Lösegeld selbst zu besorgen. Der Betrag wurde besorgt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen", sagte er der Zeitung.

Bögerl bestätigte zugleich, dass es eine zeitliche Verzögerung bei der Bereitstellung des Lösegelds gegeben habe. "Ja, das war so." Gründe dafür wollte er nicht nennen.

Laut "Stuttgarter Nachrichten" soll Bögerl den Entführer beim Telefonat darum gebeten haben, das Lösegeld nicht bereits um 14 Uhr, sondern erst um 15 Uhr an der A 7 deponieren zu müssen. Die Summe konnte jedoch nicht in der geforderten Zeit und Stückelung beschafft werden. Die Polizei berichtete am Freitag, Bögerl habe das Lösegeld um 15.27 Uhr in einem Müllsack auf einem Autobahnparkplatz abgelegt. Dort wurde es aber bis zum frühen Morgen des 13. Mai nicht abgeholt.

Ermittler schlössen nicht mehr aus, dass der Entführer sich getäuscht fühlte und mit Maria Bögerl die Flucht ergriff oder sie wenig später tötete, schreibt die Zeitung weiter. Die Polizei wollte dies nicht kommentieren.

600 Hinweise nach Veröffentlichung des Phantombilds

Bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" wird der Leiter der Sonderkommission "Flagge", Hartmut Schröppel, Gast im Studio sein, wie eine Sprecherin des Senders mitteilte. Er will sich zum aktuellen Stand der Ermittlungen äußern. Die Polizei erhofft sich unter anderem weitere Hinweise auf einen mit Phantombild gesuchten Zeugen. Seit Veröffentlichung des Fotos am vergangenen Dienstagabend ist die Zahl der Hinweise auf mehr als 600 gestiegen. Sie werden derzeit von den rund 80 Beamten der Sonderkommission ebenso ausgewertet wie die zahlreichen Gegenstände, die die Polizei bei der Suche rund um den Leichenfundort entdeckt hat.

DPA/APN DPA

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