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Eisinsel Hiddensee: Marinehubschrauber fliegt 70 Feriengäste aus

Die vom Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee hat am Mittwoch Hilfe von der Bundeswehr erhalten. Ein Marinehubschrauber holte mit mehreren Pendelflügen rund 70 Urlauber von der Ostseeinsel.

Die vom Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee hat am Mittwoch Hilfe von der Bundeswehr erhalten. Ein Marinehubschrauber holte mit mehreren Pendelflügen rund 70 Urlauber von der Ostseeinsel.

Die Touristen saßen seit Freitag vergangener Woche auf Hiddensee fest, nachdem sich die Fähre - die einzige Verbindung zur Insel - im Eis festgefahren hatte. "Alles war heute fantastisch organisiert", sagte der Urlauber Christian Böwe nach der Landung auf Rügen.

Ein weiterer Marinehubschrauber des Typs "Sea King" brachte sieben Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Waren des täglichen Bedarfs auf die Insel. Damit sei die Versorgung für diese Woche voll gesichert, sagte der Katastrophenschutz-Leiter Karsten Lange.

Der Landkreis Rügen hatte die Bundeswehrhilfe angefordert. Katastrophenalarm sei nicht ausgelöst worden. "Wir haben hier keine Katastrophe", sagte eine Kreis-Sprecherin. Zuletzt hatte am vorigen Donnerstag die Fähre Lebensmittel zur Insel transportiert. Seit Montag waren Brot, Obst, Butter und Eier ausverkauft. Am Dienstag gab es mit einem Privathubschrauber eine erste Luftbrücke, ein Teil der festsitzenden Feriengäste konnte ausgeflogen werden.

Die rund 1050 Insulaner haben die Hilfe der Marine dankbar angenommen. Hiddensees Bürgermeister Manfred Gau (Wählergemeinschaft) sagte, fast alle Gäste hätten die Insel verlassen. Die Versorgung sei für die nächsten Tage gesichert. "Wir entscheiden jetzt kurzfristig von Tag zu Tag", sagte Gau. So solle ein Konzept für die Müllentsorgung erarbeitet werden. Das öffentliche Leben gehe mit leichten Einschränkungen weiter. Die Straßen seien geräumt, die Kinder gingen in die Schule.

Das Eis zwischen Hiddensee und Rügen ist inzwischen etwa 30 Zentimeter stark. Die Wasserschutzpolizei warnte dennoch davor, die Eisflächen zu betreten.

Hoffnungen, dass der eisbrechende Tonnenleger "Ranzow" in Kürze zur Insel vordringt und die zugefrorene Fahrrinne zwischen Hiddensee und Vitte bricht, haben sich zerschlagen. Das 1100-PS-Schiff hat einen Schaden an der Ruderanlage und musste in die Werft. Grund sei die Belastung der vergangenen Tage, sagte der Bauhof-Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Karl-Albert Stüwe. Wie lange die Reparatur dauere, sei unklar. Die beiden anderen verfügbaren Eisbrecher sind im Greifswalder Bodden und vor Wolgast im Einsatz, um die Fahrrinne freizuhalten.

Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia wird das Eis zwischen Hiddensee und Rügen bis Ende Februar bleiben. Es sei bisher kein Tauwetter absehbar, welches die Eismassen wegschmelzen könnte, sagte der Meteorologe Stefan Kreibohm.

Als einer der ersten war am Dienstag der jüngste Hiddenseer eingeflogen worden. Der kleine Malte Gottschalk, Sohn des stellvertretenden Bürgermeisters der Insel, kam vor zwei Wochen im Krankenhaus in Stralsund zur Welt. Wegen des Eises konnten Mutter und Kind zunächst nicht nach Hause zurückkehren. Bürgermeister Gau sagte: "Der erste Ausflug seines Lebens war ein Flug nach Hause."

DPA / DPA