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Geburtenziffer in Deutschland: Frauen bekommen wieder weniger Kinder

Der Familienpolitik zum Trotz: Deutsche Frauen bekommen immer weniger Nachwuchs. Die Geburtenziffer sank im Jahr 2011 auf 1,36 Kinder je Frau. Es gibt aber deutliche regionale Unterschiede.

Frauen in Deutschland bekommen wieder weniger Kinder. Die Geburtenziffer sank 2011 auf 1,36, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit lag der Wert niedriger als ein Jahr zuvor, als es statistisch gesehen noch 1,39 Kinder waren. Die Zahl erreichte aber etwa das Niveau von 2009.

Wissenschaftlern zufolge sagen kurzfristige Schwankungen aber nur wenig aus. Klar bleibt: In keinem anderen Industrieland bekommen Frauen in ihrem Leben durchschnittlich so wenig Kinder wie in Deutschland - und das seit Jahrzehnten.

Die Zahl, die das Statistische Bundesamt anhand der lebend geborenen Kinder von Müttern zwischen 15 und 49 Jahren ermittelt, gilt als Indikator für die Kinderfreundlichkeit in einer Gesellschaft.

Frauen werden immer später Mütter

"Wenn ein Land wie Frankreich über Jahre zwei Kinder je Frau hat und Deutschland nur 1,3 oder 1,4, dann wird dort offensichtlich in der Familienpolitik etwas richtiger gemacht als bei uns", sagte Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Die Frauen in Deutschland werden zudem Mütter, wenn sie älter sind. Frauen bis 35 Jahre bekamen 2011 spürbar weniger Babys als im Jahr zuvor, die Geburtenrate bei den über 35-Jährigen legte hingegen geringfügig zu. Ein Trend, der sich laut Forschern des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in allen Industrieländern feststellen lässt: Frauen stellen ihren Kinderwunsch erst zurück - und holen ihn später im Leben nach.

Geburtenziffer beschreibt langfristigen Trend

Der Begriff Geburtenziffer kann zwar keinen direkten Aufschluss darüber geben, wie viele Kinder in einem Jahr geboren wurden, er beschreibt aber einen langfristigen Trend über Geburten in Deutschland.

Bei der Zahl 1,36 handelt es sich um die "zusammengefasste Geburtenziffer", welche das statistische Bundesamt benutzt um auszudrücken, wie viele Kinder eine Frau in ihrem Leben zur Welt bringt, wenn ihr Geburtenverhalten dem Durchschnitt aller Frauen zwischen 15 und 49 im Jahr 2011 entspräche. Eine "endgültige Geburtenziffer" beschreibt dagegen den Durchschnitt an Geburten bei Frauen einer Generation und kann nur ermittelt werden, wenn diese Generation sich am Ende der festgelegten Altersspanne befindet. Der deutsche Frauenjahrgang 1962 hat demnach statistisch 1,61 Kinder zur Welt gebracht.

Akademikerinnen bekommen wieder mehr Nachwuchs

Am Mittwoch hatte das Institut eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums veröffentlicht. Demnach kriegen Akademikerinnen wieder mehr Kinder. Westdeutsche Frauen mit Uniabschluss bekamen 2011 mit 1,34 Kindern im Schnitt wieder mehr Kinder als noch 2005 (1,24). Bei ostdeutschen Frauen mit Hochschulabschluss stieg der Wert gar von 1,49 Kindern auf 1,61.

Dennoch gebären Frauen mit Hochschulabschluss in Deutschland immer noch deutlich weniger Kinder als Frauen ohne Uniabschluss, die Geburtenrate machte auch bei ihnen ab dem 35. Lebensjahr einen Sprung nach oben.

Auch regional bleibt es in Deutschland bei Unterschieden: Während die neuen Länder seit Mitte der 90er Jahre stetig steigende Geburtenzahlen vorweisen, bleibt das Niveau auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik niedrig. In den neuen Ländern brachten die Frauen mit 1,43 Kindern erneut mehr Kinder zur Welt als in den alten Ländern (1,36).

ono/DPA / DPA
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