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Pandemie Häftlinge in Texas transportieren freiwillig Coronatote – für zwei Dollar die Stunde

Gebäude auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Tegel zu sehen.
Die Gerichtsmedizin in El Paso ist überlastet: Gefängnisinsassen sollen dem Personal nun unter die Arme greifen (Symbolbild).
© Paul Zinken/dpa
Acht Stunden täglich transportieren Gefängnisinsassen in El Paso die Leichen von Coronaopfern – für zwei Dollar die Stunde. Wie US-Medien berichten, haben sich die neun Häftlinge freiwillig gemeldet.

Häftlinge in El Paso im US-Bundesstaat Texas haben sich freiwillig für den Transport von an Covid-19 verstorbenen Menschen gemeldet. Mit den rekrutierten Helfern wollen die Behörden vorübergehend das überlastete Personal im Büro des Gerichtsmediziners im Corona-Hotspot El Paso County entlasten. Dies berichten mehrere US-Medien.

Laut "CNN" haben sich neun Insassen des Gefängnisses von El Paso County für die Aufgabe gemeldet. Die Männer arbeiteten bereits seit einer Woche in den permanenten und mobilen Lagerhallen, in denen über 100 Leichen von Coronatoten aufbewahrt seien.

Zwei Dollar Stundenlohn

"Wir sind unterbesetzt", habe der zuständige Bezirksrichter, Ricardo Samaniego, einer CNN-Mitgliedsorganisation gesagt. Krankenschwestern und Ärzte seien müde, die Häftlinge würden dem Personal "eine helfende Hand reichen". Bei den Freiwilligen handele es sich ausnahmslos um Täter, die sich weniger schwerer Vergehen schuldig gemacht hätten. Mit Schutzausrüstung ausgestattet arbeiteten sie in achtstündigen Tagesschichten. Für die Arbeit unter Aufsicht würden sie entschädigt – mit einem Stundenlohn von zwei Dollar.

Nach Angaben des "Texas Tribune" erklärte Chris Acosta, Sprecher des Sheriff-Büros, die Arbeit der Häftlinge in der Gemeinde bleibe für gewöhnlich gänzlich unentlohnt. In diesem Fall seien die Gefangenen jedoch Teilnehmer eines sogenannten "Trustee Program", weshalb sie für ihre Hilfe bezahlt würden.

Genaue Aufgabe unbekannt

Seit Montag seien zwischen vier und acht Insassen von 8 bis 16 Uhr im Einsatz, schreibt der "Texas Tribune" mit Bezug auf Acosta.

Welche Aufgaben die Männer abseits des Leichentransports übernehmen, darauf sei Acosta laut CNN nicht weiter eingegangen. Solange sie der Gerichtsmedizin unter die Arme griffen, würden die Häftlinge zusammen untergebracht. Nach Ende des Einsatzes sollen sie für weitere zwei Wochen zusammenleben, sagte Acosta "CNN" weiter. Die Unterstützung sei allerdings eine Übergangslösung: Die texanische Nationalgarde solle die Inhaftierten bald in ihrer Arbeit ersetzen.

El Paso: 75.000 Infizierte in acht Monaten

"CNN" zufolge haben sich seit März fast 75.000 Menschen im Bezirk El Paso mit dem Coronavirus angesteckt. Besonders im letzten Monat sei die Zahl der Infizierten rasant gestiegen. Mit der Ausnahme von zwei Tagen habe das County täglich über 1000 neue Fälle verzeichnet. Örtliche Bestatter hätten für den Fall einer Überlastung bereits Kühleinheiten für die Leichenunterbringung bereitgestellt.

Die Zahl der in El Paso stationär behandelten Corona-Patienten hat sich laut "Texas Tribune" seit Anfang September beinahe verzehnfacht. Auch herrsche Unklarheit bezüglich der Maßnahmen: Vor kurzem habe ein Berufungsgericht die Schließung nicht systemrelevanter Geschäfte erneut blockiert. Richter Samaniego habe die Schließung am 29. Oktober beschlossen – doch die schnell eingereichten Klagen des texanischen Generalstaatsanwalts und mehrerer lokaler Restaurantbesitzer hätten das Vorhaben gestoppt.

Häftlinge als Feuerwehrleute

Es ist nicht das erste Mal, dass Inhaftierte in den von der Pandemie besonders betroffenen USA dringend gebraucht werden. Wie "CNN" im August berichtete, sollten tausende Straftäter vorzeitig entlassen werden, um sie vor einem Infektionsausbruch in den Gefängnissen zu schützen. Als im Sommer in Kalifornien schließlich massive Waldbrände ausbrachen, fehlte es an Einsatzkräften. Denn die Insassen stellen im Katastrophenfall einen wichtigen Teil der Feuerwehrleute.

Quellen: "CNN"; "The Texas Tribune"

yks

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