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Jahreswechsel 2020/2021 Silvester in Deutschland: 24-Jähriger stirbt, 63-Jähriger verliert Hand – aber die Straßen bleiben leer

Sehen Sie im Video: 24-jähriger Brandenburger stirbt bei Unfall mit selbst gebauter Pyrotechnik.




Rietz-Neuendorf, 01.01.2021: Ein 24-jähriger Mann ist in Rietz-Neuendorf im Brandenburger Landkreis Oder-Spree bei einem Unfall mit Pyrotechnik gestorben. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wurde im Ortsteil Alt Golm um kurz nach Mitternacht selbst gebaute Pyrotechnik gezündet. Das sagte ein Sprecher des Lagedienstes am frühen Freitagmorgen. Es handelte sich um nicht käuflich zu erwerbende Feuerwerkskörper. Details zum genauen Unfallablauf waren zunächst unklar.  Das Opfer soll sich mit einer Gruppe auf einem unbebauten Privatgrundstück aufgehalten haben. Weitere Verletzte habe es nicht gegeben, sagte der Sprecher. Ein Entschärfer-Team der Polizei habe zudem nicht gezündete "Laborate" sichergestellt. Die Ermittlungen dauern an.
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Unter strengen Corona-Regeln haben die Menschen in Deutschland das neue Jahr begrüßt. Die Silvesternacht verlief deutlich ruhiger als gewöhnlich, tragische Zwischenfälle gab es dennoch.

In Deutschland wirkten in der Silvesternacht viele Straßen wie leer gefegt, es waren weniger Menschen unterwegs als sonst zum Jahreswechsel. Geböllert wurde aber trotz des coronabedingten Verkaufsverbots, auch Feuerwerk leuchtete am Himmel. Wie jedes Jahr kam es dabei auch zu schwerwiegenden Unfällen. In Berlin brannte zudem ein Supermarkt mit darin lagernden Feuerwerkskörpern aus und hielt Dutzende Einsatzkräfte in Atem.

Die größte Silvesterparty Deutschlands und das Höhenfeuerwerk am Brandenburger Tor in Berlin waren wegen des geltenden Lockdowns abgesagt worden. Private Feiern waren bundesweit nur in kleinem Rahmen erlaubt. Zudem galt vor Silvester ein grundsätzliches Verkaufsverbot von Feuerwerk - vor allem um typische Verletzungen zu vermeiden und so die Krankenhäuser zu entlasten.

24-Jähriger stirbt, 63-Jähriger verliert eine Hand

Das gelang zwar größtenteils, aber nicht überall. So starb ein Mann in Brandenburg bei einem Unfall mit Pyrotechnik. Nach Angaben der Polizei wurde in Rietz-Neuendorf bei Frankfurt/Oder um kurz nach Mitternacht selbst gebautes Feuerwerk gezündet. Es habe sich um nicht käuflich zu erwerbende Feuerwerkskörper gehandelt. Das 24 Jahre alte Opfer soll sich mit einer Gruppe auf einem unbebauten Privatgrundstück aufgehalten haben. Weitere Verletzte habe es nicht gegeben. Ein Entschärfer-Team der Polizei habe auch nicht gezündete Pyrotechnik sichergestellt. Details zum genauen Unfallablauf sind noch unklar.

Ebenfalls in Brandenburg verlor ein 63-jähriger Mann beim hantieren mit einem illegalen Böller eine Hand, als der Knallkörper sich entzündete. Ein 24-Jähriger in Thüringen wurde durch einen zu früh explodierenden Böller schwer verletzt. Laut Polizei hatte der Mann den Böller selbst gezündet und dabei schwere Verletzungen im Gesicht erlitten. Zu befürchten sei, dass er in Folge des Unfalls erblinde.

Überhaupt knallten in vielen Städten trotz des Verkaufsverbots zahlreiche Böller und Raketen, besonders in Berlin. Wie andernorts sprach die Polizei auch dort trotzdem von einer ungewohnt ruhigen Silvesternacht – mit einer großen Ausnahme.

In Berlin-Buckow ging ein rund 800 Quadratmeter großer Supermarkt in Flammen auf und stürzte teils ein. In einem Teil des Gebäudes schienen Feuerwerkskörper gelagert worden zu sein, die explodierten und durch die Gegend flogen, wie ein Feuerwehrsprecher schilderte. Die rund 100 angerückten Einsatzkräfte konnten nur von außen gegen die Flammen kämpfen. Menschen seien nicht in Gefahr, hieß es. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Polizei löst vielerorts Menschengruppen auf

Gut zu tun hatten die Einsatzkräfte auch in Leipzig, wo sieben Bundeswehr-Jeeps auf dem Gelände eines Autohandels ausbrannten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. In Essen setzten rund 30 Jugendliche zunächst Mülltonnen in Brand und bewarfen dann anrückende Feuerwehrkräfte massiv mit Böllern, wie ein Polizeisprecher sagte. Zur Verstärkung eilende Polizisten seien ebenfalls mit Feuerwerkskörpern beworfen worden. Einen 16-Jährigen nahmen die Beamten schließlich fest, verletzt wurde keiner der Einsatzkräfte.

In Berlin, aber auch andernorts musste die Polizei zudem immer wieder kleinere Menschengruppen auflösen. Mehr als 80 Regelbrecher wurden dort vorübergehend festgehalten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, wie ein Sprecher sagte. Mindestens drei Beamte wurden demnach im Einsatz leicht verletzt, konnten den Dienst aber fortsetzen. Polizeisprecherin Patricia Brämer fand dennoch lobende Worte. "Wir möchten uns bei den vielen Berlinerinnen und Berlinern bedanken, die sich an die Verordnungen gehalten haben."

Die meisten Berliner feierten im kleinen Kreis ins neue Jahr. Die Maßnahmen stießen bei vielen auf Verständnis. Manche, wie der 49-jährige Stefan, der mit einer Freundin in Neukölln spazierte, fanden es sogar "ganz hervorragend, dass weniger geballert wird". Zwei 25 Jahre alte Frauen konnten das Verbot ebenfalls "voll nachvollziehen", freuten sich aber auch ein bisschen über den zivilen Ungehorsam, den sie auf der Straße sahen.

Am Brandenburger Tor herrschte ungewohnte Leere. Das ZDF strahlte seine traditionelle Silvestershow live, aber ohne Publikum vor Ort aus, der Applaus kam vom Band. Fernsehzuschauer konnten sich bewerben, um über Video in der Sendung "Willkommen 2021" eingeblendet zu werden. Im Showprogramm traten Álvaro Soler, Vicky Leandros und Jürgen Drews mit Tochter Joelina auf. Thomas Gottschalk grüßte per Videoschalte aus Baden-Baden.

Verbotene Silvesterpartys in der Oberpfalz

Und wie wurde sonst in Deutschland gefeiert? Tendenziell ruhig. "Kein Vergleich mit vorangegangenen Jahren", sagte ein Polizeisprecher in Mainz. Ähnliches war aus München, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu hören. Die Düsseldorfer Innenstadt, wo ein Böllerverbot galt, war bis kurz vor Mitternacht menschenleer. Aus Hamburg hieß es vom Lagedienst, vereinzelt hätten Beamte Feuerwerkskörper eingesammelt, die Straßen seien aber zunächst sehr leer gewesen.

Anders war die Lage in der Oberpfalz, wo die Polizei in der Silvesternacht zu rund 30 Einsätzen wegen möglicher Verstöße gegen die Infektionsschutzmaßnahmen fuhr und mehrere Neujahrspartys auflöste. Durch Beschwerden wegen Ruhestörung sei man dort auf Feiern mit vielen Haushalten und Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen aufmerksam geworden, hieß es. Auch in Stuttgart kam es bei fünf genehmigten Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung und Landesregierung Baden-Württembergs mit Hunderten Teilnehmern wiederholt zu Verstößen gegen die Auflagen.

Insgesamt erinnerte das Bild in deutschen Städten aber eher an den TV-Silvesterklassiker "Dinner for One" (Abendessen allein), bei dem sich zwei Menschen mit Freunden betrinken, die gar nicht anwesend sind. Manche kochten Fondue zu zweit, andere bestellten sich das Gourmet-Menü aus dem Restaurant für zu Hause oder trafen sich in Sektlaune mit der Familie in einer Videokonferenz.

mad / Gregor Tholl, Matthias Arnold, Caroline Bock, DPA

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