HOME

Getöte Siebenjährige: Mitschüler trauern um Mary-Jane

Trauer, Entsetzen und vor allem Angst bestimmen den ersten Schultag nach dem Tod der siebenjährigen Mary-Jane. Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr allein nach Hause gehen. Viele Schüler können das Geschehene kaum verstehen.

Rosa Rosen und bunte Stoffteddys liegen vor dem Schultor, jemand hat aus Teelichtern ein Herz geformt. Immer wieder kommen die Kinder aus der Schiller-Schule in Zella-Mehlis an diesen Gedenkort. Minutenlang bleiben die Grundschüler stehen - still. Einige nehmen sich an den Händen.

Ein Junge mit Baseball-Kappe sitzt im Schneidersitz lange vor dem schwarz-weiß Foto von Mary-Jane, die am Freitag noch seine Mitschülerin war. Jetzt ist die Siebenjährige tot - ihre ersten Sommerferien, die in zwei Wochen begonnen hätten, erlebt sie nicht mehr. Viele Kinder an der Schiller-Schule scheinen den Tod ihrer Mitschülerin nur schwer zu begreifen.

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) zeigt sich am Morgen erschüttert. Er hatte die Schule besucht, in der Mary-Jane in die erste Klasse ging. "Es ist ein Verbrechen, das unfassbar ist und das die ganze Stadt mitgenommen hat", sagt er. Die Siebenjährige war am Freitag nach der Schule nicht nach Hause gekommen. Wanderer fanden ihre Leiche am Samstag in einem Bach unweit ihres Wohnhauses. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Streng bewacht von Polizisten spielen die Grundschüler an diesem Montag in der heißen Mittagssonne. Sie warten auf ihre Eltern. Die meisten dürfen heute nicht alleine nach Hause gehen. "Normalerweise ist meine Tochter immer gelaufen", sagt ein 29 Jahre alter Vater. "Das machen wir jetzt bestimmt nicht mehr." Zusammen mit seiner Frau holt er die Achtjährige vor dem Klassenzimmer ab. Vorher muss er bei der Polizei den Ausweis zeigen. Die Angst ist groß, dass der Mörder von Mary-Jane noch immer in Zella-Mehlis sein könnte.

Ein Mädchen nimmt seine Mutter beim Abholen gleich mit zu den Teddys und Blumen vor dem Schultor. Zusammen zünden sie eine Kerze an, stehen lange davor, bis die Mutter ihrer Tochter über die Haare streicht und sie zusammen heimgehen. Andere Grundschüler werden von Opa und Oma abgeholt. Ein älterer Mann mit Hund erzählt, seine Enkelin gehe in Mary-Janes Parallelklasse. Am Wochenende hätten sie lange mit der Kleinen gesprochen und sie auf den Schultag vorbereitet. "Sie hat nur immer wieder gefragt, ob das Mädel wirklich richtig tot ist."

In den ersten Schulstunden am Morgen waren Psychologen für die 168 Kinder der Schiller-Schule da. Auch Malen sollte den Grundschülern helfen, ihre Gefühle auszudrücken. Danach hätten Lehrer, Schüler und Psychologen beschlossen, den Unterricht fortzusetzen, sagte Matschie.

Die Eltern und Großeltern vor der Schule haben wenig Hoffnung, dass der Mörder der kleinen Mary-Jane schnell gefunden wird. Die Polizei habe es schwer, es gebe nur wenige Spuren, sagt ein Mann. Ein erster wichtiger Hinweis könnte jedoch ein roter Schulranzen sein, der mehr als zehn Kilometer entfernt in Geraberg entdeckt wurde. "Er ähnelt in Form und Aussehen dem Tornister der Siebenjährigen", heißt es bei der Polizei.

Die Schulleitung schottet sich unterdessen von der Öffentlichkeit ab. Für Auskünfte verweist sie auf das Kultusministerium. Die Fenster bleiben geschlossen. Immer wieder aber schauen Lehrer aus dem Gebäude auf die spielenden Kinder und die Plüschtiere vor der Tür. Die Schulsekretärin sagt nur einen Satz: "Heute ist alles anders".

Theresa Münch, DPA / DPA