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Gina-Lisa Lohfink: Vom Gerichtssaal ins Fernsehstudio

17 Stunden nach Verkündung des Urteils im Prozess wegen Falschaussage sitzt Gina-Lisa Lohfink im Frühstücksfernsehen. Ihr Anwalt will weitermachen. Sie ist sich noch nicht sicher.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Gina-Lisa Lohfink im Frühstücksfernsehen

Gina-Lisa Lohfink: "Ich habe nicht gelogen"

Gina-Lisa Lohfinks Anwälte scheinen beschlossen zu haben, dass das Frühstücksfernsehen eine Verlängerung der deutschen Gerichtssäle ist. Denn ziemlich genau 17 Stunden nach Verkündung des Urteils am Montag, sitzt die TV-Prominente am Dienstagmorgen neben ihrem Verteidiger auf dem Sofa im "Sat.1 Frühstücksfernsehen". Und sie wiederholt, was sie auch im Gerichtssaal gesagt hat: "Ich habe nicht gelogen", "Ich habe nichts davon" und "Es macht keinen Spaß, vor Gericht zu sein".

20.000 Euro plus Prozesskosten soll die 29-Jährige zahlen, weil das Gericht sie schuldig befunden hat, zwei Männer fälschlicherweise wegen Vergewaltigung angezeigt zu haben. Nach Monaten der Beweisaufnahme und des Medienhypes sprach Richterin Antje Ebner das Urteil, und Lohfink stürmte aus dem Saal. "Ich muss nicht hier sein", rief sie. 

Gina-Lisa Lohfink wirkt gefasst

Ganz in Jeans, bis auf nervöse Hände ruhig und gefasst sitzt sie stattdessen im TV-Studio und sagt, wie traurig sie sei, dass der Gutachter "so schlecht ausgesagt hat für mich", dass die Staatsanwältin "böse" zu ihr gewesen sei, und dass die Richterin ihr leider nicht geglaubt habe.

Plötzlich wird sehr deutlich, dass Lohfinks Verteidiger offensichtlich etwas Grundlegendes versäumt haben in der Zusammenarbeit mit ihrer Klientin: Diese darüber aufzuklären, dass es in einem Gerichtsprozess nicht um Gefühle geht, sondern um Indizien. Dass Richter, Staatsanwälte und Sachverständige sich nicht auf eine Seite schlagen, sondern den Überblick behalten müssen.

Daran erinnert Lohfink auch der Moderator. Allerdings stellt auch er nicht die offenen Fragen des Vortags, warum Lohfink mit einem der beschuldigten Männer nach der besagten Nacht nochmals geschlafen hat und ihm SMS schickte. Warum sie vor Gericht keine Fragen beantworten wollte. Warum sie nach der angeblichen Vergewaltigung nicht zum Arzt gegangen ist.     

Während sie so dasitzt und die Hände wringt, verkündet der Anwalt abermals, in Berufung gehen zu wollen, weil er sich vom nächsthöheren Gericht ein anderes Urteil erhoffe. Sie würden dann wieder bei null anfangen. Und Lohfink sagt: "Ich weiß nicht, ob ich das noch mal so schaffen würde", aber sie habe es ihrer Mutter, ihrer Familie versprochen.