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Fingerabdrücke, DNS, Protokolle Britische Behörden löschen versehentlich 150.000 Polizeiakten

Ein Beamter der Verkehrspolizei demonstriert einen mobilen Fingerabdruckanalysator
Zu den tausenden gelöschten Informationen gehören Fingerabdrücke, DNS und Verhaftungsprotokolle
© PA Chris Radburn / Picture Alliance
Wegen eines Computerfehlers wurden laut Medienberichten in Großbritannien 150.000 Polizeidaten vom Zentralrechner gelöscht. Die Opposition spricht von einer "ernsthaften Sicherheitslücke".

150.000 polizeiliche Daten – darunter Fingerabdrücke, DNS und Verhaftungsprotokolle sind laut Medienberichten aus dem Zentralrechner der britischen Polizei gelöscht worden. Die massenhafte Löschung der Daten könnte es Straftätern ermöglichen, auf freien Fuß zu kommen, da Tatortbeweise nicht mehr in der zentralen Polizeidatenbank vermerkt seien.

Visumanträge wurden ausgesetzt

Grund für den Informationsverlust sei ein Kodierungsfehler gewesen: Daten seien zur Löschung freigegeben worden, ohne dass dies vorher geprüft worden sei. Das technische Problem sei bereits behoben worden, das Ministerium arbeite mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um die konkreten Auswirkungen zu ermitteln.

Laut Angaben des Innenministeriums seien jedoch nur Daten von Personen verloren gegangen, die nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen wurden und gegen die keine weiteren Ermittlungen liefen. Informationen über Kriminelle und gefährliche Personen seien nicht betroffen.

In der Londoner "Times", die zuerst über den Vorfall berichtete, hieß es dagegen, dass wichtige Informationen über Verdächtige verschwunden seien. Auch das britische Visa-System sei von der Löschung betroffen – die Bearbeitung von Anträgen sei für zwei Tage ausgesetzt, inzwischen aber wieder aufgenommen worden.

"Eine große Gefahr für die Öffentlichkeit"

Die verantwortliche Innenministerin Priti Patel steht deswegen unter scharfer Kritik seitens der oppositionellen Labour-Partei, die sie zu einer Stellungnahme auffordert. "Wieder einmal setzt die Inkompetenz der Konservativen die Sicherheit der Menschen aufs Spiel", äußerte sich der Innenpolitiker Nick Thomas-Symonds und fügte hinzu: "Dies ist eine außerordentlich ernste Sicherheitslücke, die eine große Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt."

Polizeiminister Kit Malthouse sagte, das Problem sei erkannt und der Prozess korrigiert worden, sodass "so etwas nicht noch einmal passieren kann". Die Beamten würden mit Hochdruck daran arbeiten, die Datensätze wiederherzustellen.

Der "Police National Computer" ermögliche eine Echtzeit-Überprüfung von Personen und Fahrzeugen. Die Millionen dabei gesammelten Daten würden je nach Vergehen und Vorgeschichte des Verdächtigen nach einer Zeit automatisch gelöscht. Im Zuge des Brexits hätten britische Behörden den Zugang zu wichtigen europäischen Datenbanken verloren – ungefähr 40.000 Warnungen zu europäischen Straftätern seien nach dem Deal mit der EU aus dem Polizei-Zentralrechner gelöscht worden.

Quellen: "The Times"; "The Guardian"; "BBC"

yks

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