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Großbritannien: Hat sich Kanufahrer im eigenen Haus versteckt?

Der Fall des nach mehr als fünf Jahren aufgetauchten John Darwin wird immer mysteriöser: Der tot geglaubte Mann wurde nun festgenommen. Es gibt angeblich Hinweise auf Versicherungsbetrug. Darwin sei hochverschuldet gewesen. Auch soll er gar nicht verschwunden gewesen sein, sondern sich an einem ziemlich nahe liegenden Ort aufgehalten haben.

Der mysteriöse Fall des totgeglaubten und nach mehr als fünf Jahren wieder aufgetauchten Kanufahrers in Großbritannien hat eine überraschende Wende genommen: Die Polizei nahm den 57- Jährigen jetzt fest. Eine öffentliche Begründung dafür wurde zunächst verweigert. "Der 57-Jährige wurde in Haft genommen", sagte eine Polizeisprecherin. "Wir haben dazu keinen Kommentar."

Britischen Medienberichten zufolge gibt es jedoch Anzeichen für einen möglichen Versicherungsbetrug. Darwins Frau Anne habe sich vor sechs Wochen nach Panama abgesetzt nachdem sie die Lebensversicherung für ihren Mann kassiert habe, berichtete die "Sun". Ihr Mann sei hoch verschuldet gewesen, als er 2002 scheinbar bei einem Bootsunfall ums Leben kam. Sein zerbrochenes Kanu war am Strand gefunden worden, während von ihm jede Spur fehlte.

Schon vor Monaten gab es Hinweise

Der frühere Gefängnismitarbeiter hatte sich vor wenigen Tagen bei der Polizei gemeldet und erklärt, er könne sich an nichts aus den letzten Jahren erinnern. Nachbarn in Seaton Carew, dem einstigen Wohnort des Ehepaares im Nordosten Englands, sollen jedoch Anzeichen dafür bemerkt haben, dass Darwin sich im Haus der Familie versteckt gehalten habe.

Anderseits hieß es in britischen Medien, der totgeglaubte Kanufahrer habe sich seinerzeit wahrscheinlich nach Amerika abgesetzt. Er habe dort mit einer Frau zusammengelebt, die er über das Internet kennengelernt habe. Laut "Sun" fanden Ermittler auf Darwins Computer E-Mails, die darauf hindeuten. Zudem habe die Polizei bereits vor Monaten Hinweise erhalten, wonach der Totgeglaubte quicklebendig sei.

Frau freute sich auf Wiedersehen

Nur wenige Stunden vor Darwins Festnahme schien der Fall noch ein Happy End zu finden. Nachdem Darwin wieder aufgetaucht war, fehlte plötzlich jede Spur von seiner Frau. Nachbarn der Frau vermuteten, sie habe Großbritannien überstürzt verlassen. "Die Möbelpacker kamen, und sie war verschwunden. Sie sagte nicht auf Wiedersehen und hinterließ keine Adresse. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst", sagte Nachbar Alec Dixon dem "Independent". Die "Times" berichtete, Darwins Frau habe ein Konto in Panama mit einem Guthaben von "hunderttausenden Pfund".

Der Fernsehsender Sky News berichtete, die Polizei sei der Frau auf der Spur, seit sie vor drei Monaten "Hinweise auf eine Verbindung nach Panama" erhalten habe. Ermittler seien auf den Geldtransfer aufmerksam gemacht worden. Eine Polizeisprecherin des zuständigen Bezirkes Redcar and Cleveland sagte: "Das bestätigen oder dementieren wir nicht."

Dann aber meldete sich die 55-jährige Frau aus Panama. Sie freue sich auf ein baldiges Wiedersehen: "Ich kann es kaum erwarten", sagte sie den Medien. Allerdings wolle sie dafür nicht nach Großbritannien kommen.

DPA / DPA
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