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Aktion "Deutschlands Herzschlag" Wie Ersatzomis Kindern die Angst vorm Lesen nehmen

Die Frau, die Madeleine so innig umarmt ist nicht ihre eigene Großmutter, sondern ihre "Lese-Omi", wie die 9-Jährige sie nennt. Seit einem Jahr hilft Maria Luise Winkelmann der Grundschülerin beim Lesen lernen.
Die 85-jährige ist Mitglied im Verein Mentor – Leselernhelfer. Jede Woche unterrichtet sie eine Handvoll Grundschüler mit Leseschwäche. Etwa 6 Monate bis 2 Jahre begleitet sie die Kinder, bis sie sich verbessert haben.
"Viele Kinder könnten mehr persönliche Zuwendung brauchen, dazu sind zu viele Kinder da. Das kann eine Lehrerin nicht schaffen. Dann freu ich mich, wenn dich für ein Kind mehr tun kann... "
23 Kinder sitzen durchschnittlich in den Grundschulklassen in Soltau. In den Realschulen dürfen in Niedersachsen sogar bis zu 30 Kinder aufgenommen werden. Jedem Einzelnen gerecht zu werden ist für die Lehrer unmöglich. Hier setzt der Verein Mentor an und bietet eine kostenlose Einzelbetreuung von sechs bis 16-jährigen Schülern an. Für die 11-jährige Jacqueline kam die Hilfe genau richtig.
"Ein bisschen peinlich war das früher, da habe ich sehr gestockt beim Lesen. Die anderen Kinder haben gelacht. Jetzt ist das nicht mehr so."
Der Verein hat ein großes Ziel: Jedes Kind soll die Chance haben einen Schulabschluss zu schaffen, der seinen Fähigkeiten entspricht - unabhängig von seiner kulturellen und sozialen Herkunft. Erika Bierwag ist begeistert vom Mentor Konzept. Und auch von Jacquelines Leistungen.
Jacqueline ist nicht mehr unruhig und konzentriert sich besser auf den Text. Wir haben ein Buch angefangen und das wollen wir bis zum Ende lesen. Wenn ich sie entlasse, soll sie sinnverstehend lesen können.
Der Verein Mentor ist in ganz Deutschlad vertreten und hat über 60 regionale Ortsgruppen. In Soltau engagiert sich seit 11 Jahren Magret Kruse. Sie kümmert sich um die Suche nach neuen Mentoren, denn die Nachfrage an den Schulen wird immer größer.
"Es gibt immer mehr Kinder, die Hilfe brauchen, die Schulen fragen immer mehr Mentoren auch nach, weil sie das einfach nicht mehr schaffen und die Probleme der Kinder eben auch schwieriger also mehr werden. Es, gerade jetzt auch Kinder mit Migrationshintergrund, die aus anderen Ländern jetzt zu uns kommen, die kaum deutsch verstehen und uns, unser Land und unsere Kultur erst mal kennenlernen müssen. Ja die brauchen halt ne intensive Unterstützung und das Leben hat sich eben so verändert in den Familien dass oftmals die Hilfe zu Hause nicht gewährleistet werden kann. Das aber auch passiert, dass zuhause, wenn die Mütter oder die Eltern mit den Kindern lesen wollen, dass das nicht so gut funktioniert und wenn jetzt jemand fremdes kommt, so eine ältere Frau, die wirklich Spaß dran hat mit den Kindern zu arbeiten, da freuen die Kinder sich drauf und da ist einmal in der Woche jemand da, der für sie, der nur Zeit für sie hat und der sich nur ihren Dingen widmet und das genießen die Kinder unheimlich."
Margret Kruse hat sich von der Aktion Deutschlands Herzschlag ein Büro gewünscht. Unser Botschafter Thorsten Auber will gemeinsam mit der Vorsitzenden die Vereinsmitglieder überraschen. Zusammen mit der Sparda Bank Hannover haben sie ein komplettes Büro eingerichtet. Die Mentoren ahnen noch nichts.
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Viele Kinder werden gehänselt, weil sie Schwierigkeiten beim Lesen haben. Die "Lesernlernhelfer" aus Soltau helfen ihnen, sich zum Bücherwurm zu entwickeln und den Schulabschluss zu schaffen.
Von Kerstin Gressnich

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