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Hunderte Tote im Keller: Leichenskandal erschüttert Universität in Madrid

Über 250 Tote lagern verwahrlost im Keller der Universität in Madrid, kam jetzt ans Licht. Die medizinische Fakultät soll die Leichen sogar gegen Geld vermietet haben. Die Behörden sind alarmiert.

Von Kim Eliana Schwarz

Über 250 Leichen hortete die Universität Complutense in Madrid unter schlechten hygienischen Bedingungen

Über 250 Leichen hortete die Universität Complutense in Madrid unter schlechten hygienischen Bedingungen

Es sind verstörende Bilder: Unzählige verweste Leichen, teilweise zerstückelt und wahllos übereinandergestapelt. Leichname von Menschen, die sich einst bereit erklärt haben, ihren Körper zu wissenschaftlichen Zwecken zu spenden. Jetzt liegen sie bei Zimmertemperatur in einem Keller herum.

Die medizinische Fakultät der Universität Complutense in Madrid steht vor einem Skandal. Die Empörung ist groß, seit die spanische Zeitung "El Mundo" vor einigen Tagen aufdeckte, dass mehr als 250 Leichen in dem Gebäude unter unwürdigen Bedingungen aufbewahrt werden. Einige Körper sollen bereits seit sieben Jahren dort liegen. Die Toten haben keine Kennung, keine Identität – niemand führt Protokoll über ihre Körper, schreibt die Zeitung.

Leichen für 700 Euro vermietet

Die Leichen sind zu Übungszwecken für die Medizinstudenten der Fakultät gedacht. Allerdings bringen sie auch gutes Geld ein: Für 500 bis 700 Euro sollen die Toten an den Wochenenden an private Firmen und Ärzte vermietet werden. Eine gängige Praxis an einigen spanischen Universitäten, doch offenbaren die Recherchen der Zeitung dubiose Praktiken: Als ein verdeckter Ermittler bei der Fakultät nach dem Preis für die Leihgabe fragte, soll die Sekretärin geantwortet haben: "Wieviel sind Sie denn bereit, zu zahlen?"

Die Universität wies die Vorwürfe zurück – in einer Mitteilung heißt es, man habe sich genauestens an alle Regularien gehalten. Gleichzeitig wird jedoch eingeräumt, dass der Fachbereich Anatomie durch Kürzungen zeitweise unter einem Personalmangel gelitten habe. Nach Angaben des Rundfunksenders RTVE sollen bereits seit Dezember keine Leichen mehr in dem Krematorium verbrannt worden sein, weil der zuständige Mitarbeiter in den Ruhestand versetzt wurde. Offenbar wurde die Stelle nicht neu besetzt.

Wirtschaftskrise begünstigt Körperspenden

Der Bericht rief die Gewerbeinspektion auf den Plan, die den "Leichenkeller" am Dienstag eingehender kontrollierte - und dessen Schließung anordnete. Die Untersuchung der Behörde brachte neue Details ans Licht. So sollen Mitarbeiter, die mit den Toten hantierten, keine Kenntnisse im Umgang mit den verwendeten chemischen Stoffen gehabt haben. Sie sollen auch nie auf Infektionskrankheiten untersucht worden sein, die sie sich im Umgang mit den Leichenteilen möglicherweise eingefangen haben könnten.

Das Institut habe ein Bestattungsunternehmen beauftragt, die Leichen zu entsorgen, heißt es von Seiten der Universität. Sie sollen diese Woche von der Firma abgeholt werden.

Körperspenden zu medizinischen Zwecken haben in Spanien in den letzten Jahren rasant zugenommen. Viele wollen nach ihrem Tod der Wissenschaft dienen, doch oftmals haben die Spenden einen traurigen Hintergrund: die Wirtschaftskrise. Eine Beerdigung von mehreren tausend Euro können sich manche Spanier nicht mehr leisten. Mit der Spende ihres eigenen Körpers umgehen sie ein teures Begräbnis - die Universitäten übernehmen sämtliche Kosten.

Kim Schwarz
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