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Inzest-Prozess Tochter schwieg aus Todesangst vor dem Vater


Rund 500-mal soll ihr Vater sie vergewaltigt haben: Aus Todesangst schwieg die Tochter mehr als 30 Jahre lang. Ihre Mutter wusste womöglich von Anfang an Bescheid - und sagte nichts.

Todesangst und eine Mutter, die nicht hilft: Im Nürnberger Inzest-Prozess um 500-fache Vergewaltigung durch den eigenen Vater hat das 46-jährige Opfer schockierende Details ihrer jahrzehntelangen Qual erzählt. Demnach wusste die Mutter von Anfang an Bescheid. Sie habe aber nicht eingegriffen, sagte das Opfer am Dienstag vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aus Todesangst habe sie selbst mehr als 30 Jahre geschwiegen, berichtete ein Gerichtssprecher aus der Aussage.

Adolf B., ihr heute 69-jähriger Vater, habe ihr immer wieder gedroht, sie umzubringen, falls sie jemandem von den Taten erzähle. Die Vergewaltigungen hätten zunächst im Haus der Familie im mittelfränkischen Willmersbach und später in ihrem Auto stattgefunden. Der Sprecher zitierte die 46-Jährige mit den Worten: "Wenn ich mit anderen darüber gesprochen hätte, wäre der Teufel los gewesen. Mein Vater hat gesagt: "Dann bringe ich Dich um. Egal, wo Du hingehst, ich finde Dich."

Unabhängig von den Drohungen des Vaters habe die 46-Jährige nicht gewusst, an wen sie sich wegen der ständigen sexuellen Übergriffe hätte wenden können. "Mit wem hätte ich denn sprechen sollen?", fragte sie dem Gerichtssprecher zufolge. Die Bewährungshelferin, der sie sich Anfang des Jahres offenbarte, sei die Erste gewesen, zu der sie nach Monaten Vertrauen aufgebaut habe. Die Helferin brachte daraufhin das Strafverfahren gegen den 69-Jährigen ins Rolle.

Mutter lag bei Vergewaltigung daneben

Keine Hilfe habe die Tochter von ihrer Mutter erwarten können. Diese habe bei der ersten Vergewaltigung mit im elterlichen Ehebett gelegen, berichtete die Tochter. Damals sei sie 12 oder 13 Jahre alt gewesen. Als sie ihre Mutter in späteren Jahren auf die ständigen sexuellen Übergriffe angesprochen habe, habe diese nur geschwiegen.

Bei ihrer Aussage habe die Tochter gefasst gewirkt, sagte der Gerichtssprecher. Nur einmal sei sie in Tränen ausgebrochen, als es um den Tod eines ihrer Kinder ging. Sie hatte insgesamt drei Söhne von ihrem Vater, zwei davon starben. "Das ist ihr wohl sehr nahe gegangen", berichtete Koch.

Die Behauptung ihres Vaters, der Sex sei einvernehmlich gewesen, teils habe sie ihn gar zu den Intimitäten animiert, wies die Tochter vehement zurück. Der Mann habe sie dagegen mit Schlägen und Drohungen zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Einmal habe sie ihrem Vater sogar ein Schlafmittel ins Essen gemischt, um nicht schon wieder Opfer seiner sexuellen Übergriffe zu werden.

Vater fährt Tochter über den Mund

Der nach einer Beinverletzung erneut im Rollstuhl in den Gerichtssaal gebrachte Mann hatte seine Tochter während deren Aussage nach Kochs Angaben die gesamte Zeit mit den Augen fixiert. Die 46-Jährige würdigte ihn dagegen keines Blickes.

Gleich am Anfang habe er versucht, seiner Tochter mit einem Zwischenruf über den Mund zu fahren, wurde aber vom Gericht gerügt. "Man hat gemerkt, dass der Vater mit der Aussage seiner Tochter nicht einverstanden ist", sagte der Gerichtssprecher. Die Tochter wiederum bezichtigte ihren Vater in ihrer Aussage mehrfach der Lüge.

mlr/DPA DPA

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