VG-Wort Pixel

Werbekampagne ausgeschrieben Japanische Steuerbehörde will junge Menschen dazu bringen, mehr Alkohol zu trinken

Ein Bierglas wird überreicht. In Japan ist insbesondere der Bierkonsum eingebrochen
Insbesondere der Bierkonsum ist in Japan stark eingebrochen. Nun will die Regierung gegensteuern (Symbolbild)
© Christoph Soeder / DPA
In Japan soll eine landesweite Werbekampagne junge Menschen dazu bringen, wieder mehr Alkohol zu trinken. In den vergangenen Jahren war der Konsum zurückgegangen – eigentlich ein positives Zeichen, doch nun leidet das Land unter fehlenden Steuereinnahmen.

Auf der ganzen Welt versuchen Regierungen ihre Bevölkerung über die Gefahren von Alkohol aufzuklären und sie zu motivieren, seltener zur Flasche zu greifen. Nicht so in Japan. Der Inselstaat hat kürzlich einen Wettbewerb ins Leben gerufen, um eine neue Werbekampagne zu starten, die junge Menschen dazu bewegen soll, wieder mehr Alkohol zu trinken. 

In den vergangenen Jahren ist der nationale Konsum des Rauschmittels in Japan wie in vielen anderen Ländern gesunken. Nun fehlen dem Staat Steuereinnahmen durch den zurückgegangenen Verkauf von Bier, Schnaps und co. Deshalb hat die zuständige Steuerbehörde die Kampagne "Sake Viva!" ins Leben gerufen, um den nationalen Konsum wieder anzukurbeln. 

Skurrile Idee: Japan will mit Werbekampagne junge Menschen zu mehr Alkoholkonsum bewegen

Die Kampagne richtet sich an 20- bis 39-Jährige und bittet um Vorschläge, wie man die Beliebtheit von alkoholischen Getränken wieder steigern kann, das berichtet der britische "Guardian". Dabei werden neue Getränke und Designs genauso angenommen wie Vorschläge, das "Home Drinking", also das Trinken Zuhause, wieder populärer zu machen.

Insbesondere während der Corona-Pandemie ist der Konsum von Alkohol in Japan stark zurückgegangen. Wie die nationale Steuerbehörde mitteilte, sei der durchschnittliche Konsum von 100 Litern im Jahr 1995 auf 75 Liter im Jahr 2020 gefallen. Der gesunkene Alkoholverkauf belastet den japanischen Haushalt massiv. Schon jetzt weist er ein Defizit von umgerechnet knapp 343 Milliarden Euro auf.

Fehlende Steuereinnahmen belasten japanischen Haushalt zusätzlich

Im Jahr 2020 machte die Alkoholsteuer nur noch 1,7 Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus, 2011 waren es noch drei Prozent, 1980 sogar fünf Prozent. Wie die "Japan Times" berichtet, verzeichnete das Land 2020 den höchsten Rückgang der Alkoholsteuereinnahmen seit 31 Jahren. 

Wie ein Beamter der Steuerbehörde mitteilte, habe das Arbeiten von Zuhause während der Corona-Krise große Fortschritte gemacht. Doch das habe auch seine Nachteile:

"Viele Menschen stellen sich die Frage, ob sie weiterhin die Gewohnheit haben müssen, mit Kollegen zu trinken, um die Kommunikation zu vertiefen", erklärte er gegenüber der englischsprachigen Zeitung. "Wenn sich diese 'neue Normalität' durchsetzt, wird das ein zusätzlicher Gegenwind für die Steuereinnahmen sein."

Eine leise Ermahnung kam aus dem japanischen Gesundheitsministerium. Dieses teilte mit, man hoffe, dass die Menschen durch die geplante Kampagne auch daran erinnert werden, nur die "angemessenen Mengen" an Alkohol zu trinken. 

Die Gewinner des Wettbewerbs werden am 10. November bei einer feierlichen Zeremonie in Tokio bekannt gegeben.

Quellen: "The Guardian", "Japan Times"

pgo

Mehr zum Thema



Newsticker