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Katastrophe: 10.000 Tote bei Erdbeben in Südostiran befürchtet

Bei einem schweren Erdbeben im Südosten Irans gab es 6.000 Tote. Rettungsmannschaften schätzen, dass unter den Trümmern bis zu 10.000 Toten liegen - die Menschen wurden im Schlaf überrascht.

Bei einem starken Erdbeben im Südosten des Iran sind am Freitagmorgen nach offiziellen Angaben mindestens 6.000 Menschen ums Leben gekommen. "Es gibt viele Tote und Verletzte in der Stadt Bam", sagte der Gouverneur der Provinz Kerman, Mohammad Ali Karimi, den amtlichen Medien. Das staatliche Fernsehen berichtete, in Bam seien 75 Prozent der Gebäude eingestürzt. Der Hörfunk berichtete von zahlreichen Verschütteten. Rettungsmannschaften vor Ort befürchten noch mehrere tausend Tote und mindestens 1.000 Schwerverletzte.

Widersprüchliche Angaben über die Stärke

In einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA wurde die Stärke des Bebens mit 6,3 auf der Richter-Skala angegeben. Das Nationale Informationszentrum für Erdbeben in den USA sprach dagegen von 6,7 auf der Richter-Skala. Dem Erdstoß um 05.28 Uhr Ortszeit (02.58 Uhr MEZ) folgten mehrere Nachbeben. 950 Kilometer nordwestlich von Bam, bei Masdschid Soleiman, kam es gegen 08.10 Uhr (05.40 Uhr MEZ) zu einem Erdstoß der Stärke 4,0.

Roter Halbmond schon im Erdbebengebiet

IRNA zufolge wurden Rettungsmannschaften der Hilfsorganisation Roter Halbmond in den betroffenen Teil von Kerman entsandt. Nach Behördenangaben wurden wurden auch fünf Hubschrauber eingesetzt. Bam ist ein beliebtes Ziel von Touristen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Freitagmorgen auf Anfrage mit, es lägen keine Informationen vor, ob Deutsche unter den Opfern seien.

Zerstörung übersteigt jede Vorstellung

Ein Abgeordneter des Provinzparlaments, Hasan Choschru, erklärte das Ausmaß der Zerstörung übersteige jede Vorstellungskraft. In Bam seien 75 Prozent aller Gebäude zerstört worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Auch die 2.000 Jahre alte Zitadelle von Bam, jedes Jahr ein Anziehungspunkt für tausende Touristen, wurde zerstört.

Keine Telefonverbindung

Viele Bewohner von Bam und benachbarten Ortschaften wurden offenbar im Schlaf von Trümmern erschlagen. Zur Versorgung von Verletzten riefen die Behörden zu Blutspenden auf. Mehrere Hubschrauber brachten Rettungskräfte in die betroffene Region, wie die iranische Nachrichtenagentur IRNA meldete. "Wir tun alles, was wir können, um die Verletzten zu retten und die Toten zu bergen", sagte Karimi im staatlichen Fernsehen. Die regulären Telefonverbindungen in die Umgebung von Bam waren unterbrochen.

Mangelnde Vorbereitung kritisiert

Im Iran kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Im Juni 2002 waren bei einem Erdbeben der Stärke 6,3 mindestens 229 Menschen getötet und mehr als 1.000 verletzt worden. Im Nordwesten des Landes starben 1990 etwa 35.000 Menschen bei mehreren Beben mit einer Stärke von bis zu 7,7 auf der Richter-Skala. Der Erdbeben-Experte Bahram Akascheh von der Universität Teheran hatte im Oktober die mangelnde Vorbereitung seiner Landsleute auf Erdbeben kritisiert. "Die meisten Leute denken, wenn Gott es will, wird es geschehen", sagte er damals.

DPA
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