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Kein Trinkgeld für lesbische Kellnerin: "Wir können Ihrem Lebensstil nicht zustimmen"

Eine scheinbar lesbische Kellnerin wurde von einer Familie in den USA um ihr Trinkgeld gebracht. Die Gäste könnten dem "Lebensstil" der Frau nicht zustimmen. Jetzt zeigen Facebook-User Herz.

Von Oliver Noffke

Das Essen war nicht das Problem. Trotzdem empfanden die Eltern zweier kleiner Kinder einen Familienausflug in ein kleines Restaurant als total ruiniert. Das Aussehen der Kellnerin war ihnen offenbar zu maskulin. Auf der Rechnung hinterließen sie eine kurze, verletzende Nachricht: "Ich kann leider kein Trinkgeld geben, denn ich halte nichts von Ihrem Lebensstil und der Art, wie Sie leben".

Offenbar hatten die Eltern den Eindruck, dass Kellnerin Dayna Morales lesbisch sei. Wahrscheinlich ist die ehemalige Elitesoldatin das sogar. Denn sie wandte sich umgehend an einen Blog, der Homosexuelle berät. Kein Trinkgeld zu geben, gilt in den USA als ultimativer Frevel. Die Stundenlöhne in der Gastronomie sind entsetzlich spärlich. Mindestens zehn Prozent vom Rechnungsbetrag zahlt man meist noch einmal an die Bedienung. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Nicht einmal wenn das Essen ungenießbar war, wird der kleine Obolus vergessen.

1200 Dollar Trinkgeld-Spenden

Ihren Ärger über den Vorfall verschaffte Morales etwas Luft, durch eine E-Mail, die sie an den Blog "Have a Gay Day" schrieb. Auch ein Bild der Rechnung schickte sie mit. Schon der erste Gang zu den Gästen sei unheilvoll verlaufen. Nachdem sich Morales als Dyana vorgestellt hatte, habe die Mutter lapidar geantwortet: "Oh, ich dachte sie heißen Dan. Das ist wirklich eine Überraschung für uns". Weiter schreibt Morales, sie sei "absolut schockiert, wütend, angepisst und verletzt". Schließlich sie die Mutter ein schlechtes Vorbild für ihre Kinder. "Und ich habe bei den Marines gedient, damit solch ignorante Menschen in Freiheit leben können." Wären die Kinder nicht dabei gewesen, wäre das Zusammentreffen mit der Mutter wahrscheinlich anders verlaufen, so Morales.

Die Macher des Blogs posteten den Brief und ein Bild der Rechnung bei Facebook. In einem der ersten Kommentare schlug eine Nutzerin vor, dass jeder einen Dollar per Paypal schicken könne, als Ersatz für das Trinkgeld.

Mittlerweile seien durch Kleinstspenden etwa 1200 Dollar bei ihr gelandet, sagte Dayna Morales stern.de. Aus der ganzen Welt hätten Leute für sie gespendet. Andere hätten direkt im Restaurant angerufen, um ihr Mut zuzusprechen. "Es ist überwältigend, wie viele Leute da draußen hinter mir stehen, mir etwas Gutes tun wollen und mich unterstützen", sagte sie. "Ich bin absolut sprachlos."

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