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Kreative Steuer: Wie Pickel Geld in Südkoreas Staatskasse spülen

Nase kleiner, Lippe größer? Bei jeder Schönheits-OP verdient der südkoreanische Staat mit. Die Ärzte sind entsetzt - auch, weil die Behandlung von Akne und Haarausfall unter die neue Steuer fällt.

Pickel gefunden? Der südkoreanische Staat freut sich.

Pickel gefunden? Der südkoreanische Staat freut sich.

Als wäre es nicht Strafe genug, wenn gelbe Eiterpusteln das Gesicht verschandeln. Wer in Südkorea unter Akne leidet, darf künftig doppelt in die Tasche greifen - einmal für die Behandlung und einmal für die Staatskasse. Ausgedacht hat sich die neue Einkommensquelle laut Bürgerjournalismusplattform "Global Voices" das Finanzministerium - angeblich, um dem grassierenden Schönheitswahn im Land Herr zu werden. Denn vordergründig geht es bei der neuen Steuer um Schönheitsoperationen. Ob Brustvergrößerungen, Lippen aufspritzen oder die beliebte Nasenverkleinerung - zehn Prozent der Behandlungskosten werden seit Anfang des Monats fällig.

Da die Definition der betroffenen Eingriffe sehr breit gewählt wurde, fällt allerdings auch auch die ärztliche Behandlung von Haarausfall und Akne unter das Steuergesetz. Die Koreanische Ärztekammer zeigte sich erwartungsgemäß erbost. Das Finanzministerium maße sich an, über das Verständins einer Krankheit zu urteilen. Man behandele Akne nicht als die ernsthafte Hautkrankheit, die es sei, sondern als eine lästige Unannehmlichkeit. Die Betroffenen selbst ätzten über die sozialen Netzwerke über die kreative Art der staatlichen Geldeintreiberei. "Als wäre es nicht schlimm genug, unter Haarausfall und Akne zu leiden - jetzt müssen wir auch noch dafür Steuern zahlen", erboste sich User Everyyoga.

Anzeichen dafür, dass die Regierung ihr umstrittenes Steuergesetz noch einmal überarbeitet und Pickelgeplagte von der Zusatzzahlung ausnimmt, gibt es bislang aber nicht. Dabei würde es wohl noch immer genug Geld regnen: Schließlich werden in keinem anderen Land der Welt so viele kosmetische Operationen durchgeführt wie in Südkorea. Alleine 770.913 Eingriffe waren es laut der International Society of Aesthetic Plastic Surgery allein im Jahr 2010. Damit hat sich - statistisch gerechnet - jeder 64. Bewohner einer Schönheits-OP unterzogen. Pickel-Behandlungen exklusive.

Von Jens Wiesner