Kriminalität Rabiates Handwerk


Duane Chapman hat sich der alten "Wild-West"-Tradition, steckbrieflich gesuchte Verbrecher aufzuspüren, vor Jahren verschrieben - und über 6000 von ihnen bereits gefangen. Doch seine Methoden wurden dem "Kopfgeldjäger" jetzt zum Verhängnis.

Duane "Dog" Chapman war seinem Ziel greifbar nah. Der muskulöse Kopfgeldjäger hatte seine Beute, den flüchtigen US-Millionär Andrew Luster, im mexikanischen Ort Puerto Vallarta aufgespürt. Mit vier Helfern fiel er über den Gejagten auf der Straße her, warf ihn rabiat zu Boden, legte Handschellen an und zwängte ihn in ein Auto, um ihn auf schnellstem Wege der Polizei in den USA zu übergeben. Doch seine "Wild-West-Methoden" wurden dem 50-jährige "Jäger" in Mexiko zum Verhängnis. Augenzeugen des dramatischen Kidnappings alarmierten die lokale Polizei, die am Mittwoch gleich alle Beteiligten ins Gefängnis steckte.

Anklage wegen Freiheitsberaubung erhoben

Während der wegen Vergewaltigung verurteilte Luster, Urenkel des Kosmetik-Magnaten Max Factor, umgehend nach Kalifornien ausgeliefert wurde, sitzen die "Bounty Hunter" in Mexiko fest. Gegen Chapman, seinen Bruder, einen seiner Söhne, seinen Agenten und einen Kameramann erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Freiheitsberaubung. Darauf stehen bis zu vier Jahre Haft. "Ein Ausländer kann nicht einfach hierher kommen, wie ein Polizist auftreten und Leute festnehmen", wetterte ein mexikanischer Justizbeamte.

In den USA ist die Jagd der Kopfgeldjäger erlaubt. Duane Chapman hat sich der alten "Wild-West"-Tradition, steckbrieflich gesuchte Verbrecher aufzuspüren, vor Jahrzehnten verschrieben. In 20 Jahren habe er über 6000 Verbrecher gefangen, prahlt der "weltbeste Kopfgeldjäger" auf seiner Webseite www.dogthebountyhunter.com. Sein rabiates Handwerk lernte er teilweise hinter Gittern. Als Anführer einer Motorradbande war er in einen tödlichen Schusswechsel verwickelt gewesen und saß 18 Monate in Haft. Sein Spitzname "Dog" hat allerdings nichts mit einem bissigen Hund zu tun, sondern steht rückwärts gelesen für "God". Chapman, Vater von 12 Kindern, bezeichnet sich als wiedergeborenen Christen.

Rund 35 000 Kautionsflüchtige jährlich

Mit seinem Muskelshirt und stahlbesetzten Cowboystiefeln entspricht "Dog" dem Klischee eines zwielichtigen Menschenjägers, das der Berufsorganisation der Bounty Hunter gar nicht passt. Zahlreiche Kollegen in den USA verurteilten seine "Cowboy-Manieren" und warfen ihm vor, den Ruf der Berufsgruppe in Misskredit zu bringen. Schätzungsweise 7000 Bounty Hunters machen Jagd auf große und kleine Gangster, die oft gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden und dann untertauchten. Die Auftraggeber sind "Bail Bonds"-Büros, die solche Bürgschaften stellen und ihren Fahndern beim Abliefern der "Beute" eine Belohnung zahlen. Eine Statistik besagt, dass von jährlich rund 35 000 Kautionsflüchtigen über 85 Prozent wieder eingefangen werden.

Schon im April verkündete Chapman selbstsicher der "Los Angeles Times", dass er sich Andrew Luster schnappen werde. Von dem Multimillionär, der sich gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar auf freiem Fuß befand, fehlte seit Januar jede Spur. Amerikanische Touristen, die den Flüchtigen in Mexiko erkannten, brachten Chapman auf die richtige Fährte. Auch das FBI sei Luster dicht auf den Fersen gewesen, gab die Bundespolizei in Los Angeles gleich nach dem spektakulären Zugriff der Kopfgeldjäger bekannt. Von Dankbarkeit keine Spur. Chapmans Methoden seien nicht zu billigen, kritisierte ein FBI-Sprecher.

10 000 Dollar oder 150 000 Dollar Prämie?

Fraglich ist auch, ob sie sich für Chapman auszahlen werden. Vor seiner Festnahme in Mexiko spekulierte der Kopfgeldjäger, mit Blick auf die Millionenkaution, mit einer Prämie von 150 000 Dollar. Sheriff Bob Brooks in Kalifornien glaubt, dass "Dog" höchstens ein Teil des ausgesetzten 10 000 Dollar-Finderlohns zusteht. Andere Bounty Hunter vermuten, dass es Chapman in erster Linie um Schlagzeilen, Publicity und einen lukrativen Fernseh- oder Bücherdeal ging.

Barbara Munker DPA

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