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Massenkarambolage: Trümmerfeld auf der Autobahn

Zusammengeschobene Lastwagen, aufgeplatzte Airbags, kilometerweise Glasscherben: Nach einer Serie von Unfällen ist die A45 in Mittelhessen ein Trümmerfeld. Kaum zu glauben, dass niemand ums Leben kam.

In dichtem Schneetreiben sind in Mittelhessen mehrere Dutzend Autos und Lastwagen zusammengestoßen. Menschen kamen auf der Autobahn 45 nahe Münzenberg im Wetteraukreis am Dienstag nicht ums Leben. Es wurden jedoch zahlreiche Autofahrer verletzt.

Die Polizei sprach zunächst von einer Massenkarambolage, allerdings scheint es sich nach neuen Angaben vor allem um eine Serie von mehreren schweren einzelnen Unfällen zu handeln. Die Autobahn glich einem Trümmerfeld.

In ersten Schätzungen ging die Polizei von mehr als 100 beteiligten Wagen aus. Bis zum späten Nachmittag hätten sich die Beamten aber noch kein genaues Bild von der weitläufigen Unfallstelle machen können. Auch für die Rettungskräfte war es schwer, mit den Wagen zu den betroffenen Autofahrern durchzukommen, viele Sanitäter waren zum Teil zu Fuß zu den Autowracks unterwegs. "Bei den Patienten waren wir schnell. Das Material herbeizuschaffen, war dagegen schwieriger", sagte der leitende Notarzt am Unfallort. In beheizten Zelten sollten die Unfallopfer zunächst versorgt werden.

"Während der Unfallserie herrschte starkes Schneetreiben, die Straße war spiegelglatt", sagte ein Polizeisprecher zu den möglichen Gründen für die Unfallserie. Die Sicht war zudem äußerst schlecht.

Die Autos und Lastwagen seien auf der A45 in Fahrtrichtung Hanau zusammengestoßen, hieß es weiter. Die Unfallstelle liegt zwischen den Ausfahrten Wölfersheim und Florstadt.

Frankfurter Flughafen musste zeitweise schließen

Heftiger Schneefall brachte am Dienstag auch den Flugverkehr am Frankfurter Airport nahezu zum Erliegen. Deutschlands größter Flughafen musste am Vormittag für zwei Stunden schließen, um den Schnee von den Landebahnen zu räumen. Gegen Mittag wurden dann die beiden direkt vor dem Terminal liegenden Bahnen für Starts geöffnet, Landungen waren nur sehr eingeschränkt möglich, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte.

Die Startbahn West und die Landebahn Nordwest blieben wegen des starken Windes gesperrt. Bislang mussten etwa 700 Flüge gestrichen werden, sagte ein Sprecher. Die Schneefälle dürften noch anhalten. Geplant waren am Dienstag rund 1200 Starts und Landungen in Frankfurt.

Besonders hart erwischte das Schnee-Chaos die Lufthansa: Deutschlands größte Fluggesellschaft, die ihre Heimatbasis in Frankfurt hat, annullierte alle Deutschland- und Europa-Flüge am Nachmittag und Abend, die an dem Flughafen starten oder landen sollten. Langstreckenflüge sollten weitgehend durchgeführt werden, sofern die Wetterbedingungen dies zulassen. Auch für Mittwoch müsse mit weiteren Flugstreichungen und Verspätungen gerechnet werden, hieß es.

Selbst die Crews können den Flughafen derzeit kaum noch erreichen", sagte der Sprecher. Nachdem am Mittag im Terminal 1 Ruhe herrschte, bildeten sich später hunderte Meter Schlangen vor den Checkin-Schaltern. Mitarbeiter der Lufthansa teilten an die Wartenden Sandwiches und Wasserflaschen. Wegen der heftigen Schneefälle kam es auf den Straßen und Autobahnen um Frankfurt am Morgen zu vielen Unfällen und langen Staus.

Das dichte Schneetreiben sorgte in ganz Nordwest-Europa für ein Verkehrschaos. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, dem nach London Heathrow zweitgrößten europäischen Flughafen, fiel rund ein Viertel der Flüge aus. In Orly schlitterte eine Maschine der tunesischen Fluglinie Tunisair mit 140 Passagieren über die Landebahn hinaus, die Bahn wurde geschlossen. Im Nordwesten Frankreichs blieben rund 80.000 Haushalte ohne Strom. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault schickte Soldaten, um beim Wiederaufbau der Stromversorgung zu helfen.

In Belgien bildeten sich nach den Angaben des Pannenservice Touring auf den Straßen Staus mit einer Rekordgesamtlänge von 1670 Kilometern. "Das war zu viel Schnee zum falschen Zeitpunkt. Wenn es nachts viel schneit, funktioniert das Salz nicht, weil es zu wenige Autos gibt, die es verteilen", beschrieb Touring-Sprecher Danny Smagghe das Problem. In der belgischen Hauptstadt Brüssel wurden beide Hauptbahnhöfe geschlossen. Der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar, der London mit Paris und Brüssel verbindet, fuhr ebenso wenig wie der französische Thalys, der zwischen Paris und Köln verkehrt.

Auch im Süden der Niederlande und in Teilen Großbritanniens kam es zu Verkehrsbehinderungen.

anb/DPA/AFP / DPA