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Prozess um toten Conrad Roy: Per SMS zum Suizid angestiftet: Junge Frau muss in Haft

Michelle Carter soll ihren Freund in den Suizid getrieben haben. Wegen ihrer Rolle bei dem Freitod des damals 18-Jährigen muss die Angeklagte für 15 Monate hinter Gitter, wie ein US-Gericht nun entschieden hat.

Darüber hinaus wurden weitere 15 Monate Haft zur Bewährung ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von mindestens sieben Jahren Haft gefordert. Sie hatte der Angeklagten Michelle Carter vorgeworfen, ihren Freund in den Tod getrieben zu haben, um Mitleid und Aufmerksamkeit zu bekommen.

In dem Verfahren, das in den USA großes Aufsehen erregte, wurden hunderte SMS-Nachrichten zwischen dem einstigen Paar ausgewertet. Darin bedrängte Carter ihren unter Depressionen leidenden Freund, seine Suizid-Gedanken in die Tat umzusetzen. Der junge Mann starb dann im Juli 2014 in seinem Auto an einer absichtlich herbeigeführten Abgasvergiftung. Michelle Carter war damals 17 Jahre alt.

"Wie konnte Michelle Carter nur so bösartig sein?"

Die Staatsanwältin hatte der jungen Frau eiskalte Geltungssucht vorgeworfen. Carter habe ihren Freund in einer "vorsätzlichen und gut geplanten Kampagne" zum Freitod ermuntert. "Ihr Handeln hat Carter Roy das Leben gekostet. Sie hat sein Leben beendet, um ihr eigenes aufzuwerten", hatte die Staatsanwältin gesagt. Zudem zeige die junge Frau keinerlei Reue.

Zum Abschluss des Verfahrens ergriff der Vater des toten jungen Manns das Wort. Er richtete schwere Anschuldigungen an Carter: "Wie konnte Michelle Carter nur so bösartig sein und meinen Sohn dazu drängen, sein Leben zu beenden? Wo blieb ihre Menschlichkeit?"

Die Verteidigung hatte in dem Verfahren argumentiert, Carter sei damals selbst depressiv gewesen, habe Antidepressiva eingenommen und unter Essstörungen gelitten. Anstelle einer Haftstrafe hatte die Verteidigung eine Bewährungsstrafe gefordert.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

fs / AFP
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